Ein 35-Jähriger hat gestanden, die Wohnung seiner Freundin angezündet zu haben. Foto: dpa

Weil er glaubte, seine Freundin betrüge ihn, soll ein 35-Jähriger die Wohnung der Frau in Stuttgart-Vaihingen abgefackelt haben. Jetzt steht er wegen Mordversuchs vor Gericht.

Stuttgart - Versuchter Mord in sechs Fällen, versuchte Brandstiftung mit Todesfolge, Brandstiftung und Bedrohung wirft die Staatsanwältin dem Mann vor, der auf der Anklagebank vor der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart sitzt. Es scheint, der 35-jährige Rumäne umreißt die Schwere der Anklage nicht. Er sagt, er habe nicht mit seiner Verhaftung gerechnet. „Bei uns wird man nicht verhaftet, wenn nichts Schlimmes passiert ist“, sagt der von Verteidiger Hanno Haupt vertretene Mann.

Das, was der Mann aus dem rumänischen Temeswar offenbar für nicht schlimm ansieht, hat einen Schaden von mehr als 60 000 Euro verursacht und sechs Hausbewohner an der Holzhauser Straße im Stadtbezirk Vaihingen in Lebensgefahr gebracht. Hintergrund der Brandstiftung ist offenbar die permanente Eifersucht des angelernten Trockenbauers. Der Angeklagte hatte sich am Abend des 29. Januar dieses Jahres mit seiner Freundin in deren Wohnung gestritten. Laut der Staatsanwältin warf er ihr vor, eine Affäre zu haben. Im Laufe des Streits ging er mit einem Messer zu der Frau ins Schlafzimmer und drohte, ihr den Kopf abzuschneiden. Diesen Vorwurf stellt der Mann allerdings in Abrede.

Der Mann soll gedroht haben, seiner Freundin den Kopf abzuschneiden

Jedenfalls verließ die Frau das Haus. Daraufhin habe der 35-Jährige beschlossen, die Wohnung unbewohnbar zu machen. Er habe Kleidungsstücke und mehrere Elektrogeräte aufs Bett gelegt und angezündet. Dann verließ er die Wohnung. „Er erkannte es als möglich, dass die anwesenden Hausbewohner umkommen könnten“, so die Staatsanwältin. Das sei dem Mann jedoch egal gewesen.

Die sechs Menschen im Haus wurden gegen 23 Uhr von den Rauchmeldern und einem lauten Knall aufgeschreckt. Sie konnten das Haus unverletzt verlassen. Die Wohnung der Frau brannte völlig aus. Am Gebäude entstand ein Schaden von 37 000 Euro. Der Inventarschaden belief sich auf rund 25 000 Euro.

Noch am selben Abend soll der 35-Jährige den mutmaßlichen Liebhaber seiner Freundin angerufen und ihn mit dem Tod bedroht haben. Der Angeklagte versteckte sich bei einem Freund, ehe sein Bruder aus Griechenland anreiste und ihn in die Nähe von Saloniki mitnahm. Am 2. April wurde der Rumäne an der bulgarisch-rumänischen Grenze festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Der Angeklagte hat drei Hirnoperationen hinter sich

„Ich kann nicht präzise sagen, was passiert ist, aber es ist meine Schuld“, lässt der Mann vor Gericht übersetzen. Er druckst eine ganze Weile lang herum, ehe er gesteht, das Feuer gelegt zu haben. Er sagt aber auch, er habe seiner Freundin keinen Schaden zufügen wollen. Er sei bei dem Versuch, nach Deutschland zu kommen, um „das Problem zu lösen“, festgenommen worden.

Ob Alkohol oder die Erkrankung des Angeklagten Einfluss auf die Tat gehabt haben, soll die psychiatrische Gutachterin Heidi Grohmann einschätzen. Der Angeklagte hat drei Gehirnoperationen hinter sich. Offenbar liegt bei ihm ein Abszess vor. Er sagt, seine Probleme kämen davon, dass Eiter aus seinen Zähnen ins Gehirn wandere.

Der Prozess, der bis 16. November terminiert ist, wird am 9. November fortgesetzt.

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