Der schnellen Hilfe der Rettungskräfte hat es ein 24-Jähriger zu verdanken, dass er überlebt hat. Die mutmaßlichen Täter stehen jetzt vor Gericht. Foto: dpa

Drei 21 Jahre alte Männer stehen in Stuttgart vor Gericht, weil sie zwei Jugendliche beraubt haben sollen. Zwei Angeklagten wird zudem versuchter Totschlag vorgeworfen.

Stuttgart - Da sitzen sie nun vor der 2. Jugendstrafkammer des Landgerichts, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Alle drei 21-Jährigen auf der Anklagebank sind adrett gekleidet, wohlfrisiert, zwei der drei jungen Männer berichten lediglich über ihren bisherigen Werdegang und wirken dabei durchaus sympathisch. Zu den Vorwürfen sagen sie erst einmal nichts. Der Dritte im Bunde wird vorerst ganz schweigen.

Es muss ein wüster Gewaltausbruch gewesen sein, der sich Anfang September vergangenen Jahres vor einer Bar an der Friedrichstraße in der Innenstadt abgespielt hat. Allein die Verletzungen des Opfers, die die Staatsanwältin auflistet, lassen schaudern. Der heute 24-Jährige habe einen Schädelbasisbruch erlitten und ein Schädelhirntrauma. Dass sein Körper von Blutergüssen übersät war, gilt fast schon als Nebensache.

„Es bestand akute Lebensgefahr“, sagt die Anklägerin. Nachdem die Ärzte dem Mann das Leben gerettet hatten, musste er wochenlang in die Rehabilitation. Noch heute leide er unter den Nachwirkungen, so die Staatsanwältin.

Tritte gegen Körper und Kopf

Zwei Gruppen sind laut Anklage in jener Nacht in Streit geraten. Zwei der drei Angeklagten und ein nicht identifizierter Dritter sollen schließlich auf den 24-Jährigen eingedroschen haben. Als er zu Boden ging, seien Schläge und Tritte auf ihn eingeprasselt – gegen den ganzen Körper und gegen den Kopf. Erst als umherstehende Leute eingegriffen hätten, sei von dem Opfer abgelassen worden, so die Staatsanwältin. Die Täter konnten entkommen.

Beim zweiten Komplex ist der dritte Angeklagte mit im Boot. In der Nacht auf den 31. Oktober vorigen Jahres sollen die drei Burschen versucht haben, zwei Jugendliche auf der Schulstraße in der Innenstadt „abzuziehen“, wie es im Jugendjargon heißt. Man habe vorgetäuscht, Geld wechseln zu wollen. Dann hätten die Männer versucht, dem ersten Opfer eine Herrenhandtasche gewaltsam zu entreißen. Der versuchte Straßenraub ging schief.

Kurze Zeit später sollen die Angeklagten einem weiteren Opfer das Handy geraubt haben. Dabei habe einer der Täter dem Jugendlichen die Faust ins Gesicht gedroschen. Schließlich hätten die Männer dem Opfer noch gedroht, es umzubringen, wenn es Anzeige erstatten würde.

Nur ein Angeklagter sitzt in Haft

Die Polizei konnte die drei Angeklagten aus dem Großraum Stuttgart nach aufwendiger Ermittlungsarbeit am 28. März dieses Jahres vorläufig festnehmen. Ein Richter schickte sie in Untersuchungshaft. Zwei der Männer sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Nur ein Angeklagter sitzt weiterhin. Bei ihm besteht offenbar Fluchtgefahr.

Der Hintergrund der fast tödlichen Schlägerei vor der Bar an der Friedrichstraße ist unklar. Noch sagen die Angeklagten nichts zu den Vorwürfen. Das Opfer soll erst am nächsten Prozesstag aussagen. Ob der 24-Jährige viel zur Aufklärung beitragen kann, scheint ungewiss. Ein Verteidiger sagt, der Mann könne sich nicht erinnern – wohl eine Folge der schweren Kopfverletzungen.

Der schillerndste Angeklagte ist derjenige, der bei dem mutmaßlichen Totschlagversuch nicht dabei war. Der 21-Jährige aus Reutlingen, Vater zweier Kinder, galt einst als großes Lauftalent. Er hat mehrere Meistertitel auf der Mittelstrecke gewonnen. Der Prozess wird am 26. Juli fortgesetzt.

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