Ein Kilogramm Kokain und einen Kampfhund hatte der Angeklagte im Kofferraum. Foto: dpa

Es sah aus wie ein gewöhnlicher Auffahrunfall. Dann entpuppte sich das Ganze als Drogenfahrt eines vollgedröhnten Kokainhändlers. Jetzt fiel das Urteil.

Stuttgart - Er möge das Urteil als Chance sehen, gibt Norbert Winkelmann dem Angeklagten mit auf den Weg. Winkelmann, Vorsitzender Richter der 19. Strafkammer des Landgerichts, und seine Kollegen ­haben den Mann unter anderem wegen ­bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln und Straßenverkehrsgefährdung zu fünf Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Damit hat die Kammer einen Knopf an einen mehr als kuriosen Fall ­gemacht.

Der 38 Jahre alte, in Kirchheim/Teck geborene Portugiese muss laut Urteil eine Drogentherapie machen. „Das wollte er und das ist auch notwendig“, sagt seine Verteidigerin Michaela Spandau. Ihr Mandant habe sich schon vor dem Vorfall, der ihn letztlich hinter Gitter gebracht hatte, der Polizei stellen wollen.

Der gelernte Textilkaufmann war am frühen Abend des 23. Mai dieses Jahres im Stuttgarter Norden mit seinem Mercedes an einer roten Ampel auf einen BMW gekracht. Schaden: 6000 Euro. Trotzdem wollte der 38-Jährige weiterfahren, nachdem er das abgefallene Kennzeichen seines Wagens aufgehoben hatte. Der BMW-Fahrer alarmierte die Polizei. Ehe die Beamten eintrafen, drohte der Angeklagte noch mit seinem American Staffordshire-Terrier, den er aus einer Box im Fond des Wagens herausließ. Der Hund wollte jedoch nicht gefährlich sein und leckte dem BMW-Fahrer die Hand.

Schreiend durch den Verkehr gelaufen

Die Polizisten fanden in einer Tasche im Kofferraum schließlich ein Kilogramm Kokain, 700 Gramm Ecstasy und Streckmittel. Auf der Beifahrerseite im Mercedes lagen griffbereit zwei Messer, was den Straftatbestand des bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln erfüllt. Mindeststrafe allein dafür: fünf Jahre.

Ehe die Beamten den Mann schließlich festnehmen konnten, rannte er schreiend und Wasser aus einer Plastikflasche verspritzend im fließenden Verkehr herum. Seine Gegenwehr brachen die Polizisten mit einem Fußfeger. Zwei Beamte zogen sich leichte Verletzungen zu.

Der Angeklagte habe eine überbordende Menge Rauschgift im Körper gehabt, so die psychiatrische Gutachterin. Eine Person mit schwächerem Herzen hätte diese Dosis wohl nicht überlebt. Eine Therapie sei dringend angeraten.

Kurios am Rande: Am Tag seiner Festnahme hatte der 38-Jährige tatsächlich versucht, sich bei der Polizei zu stellen. Ein dahingehendes Telefonat hatte jedoch keinen Erfolg. Der gepflegte und eloquente Portugiese war derart zugedröhnt, dass der Beamte am Telefon nur Bahnhof verstand.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: