Raub der Flammen: Der Beschuldigte hat zugegeben, einen Konzertflügel (Symbolbild) in Brand gesetzt zu haben. Foto: dpa

Ein ehemaliger Student soll an der Kunstakademie Stuttgart Feuer gelegt und Beleidigungen an die Fassade geschmiert haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Stuttgart - Er will ja. Der 37-Jährige versucht zu erklären, zu begründen, warum er das getan hat, weswegen sich die 8. Strafkammer des Landgerichts mit ihm befasst. Er schafft es aber nicht klar zu machen, warum er einen Brand gelegt und Hausfassaden mit Beleidigungen besprüht hat.

Der Mann wird der Brandstiftung, der Sachbeschädigung, des Diebstahls und der Beleidigung beschuldigt. Schuldig gesprochen wird er aller Voraussicht nach nicht, denn er soll an paranoider Schizophrenie leiden, was ihn schuldunfähig macht. Die Staatsanwältin beantragt, den Beschuldigten in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen, da er eine Gefahr für die Allgemeinheit sei.

„Größte Missgeburt der Menschheitsgeschichte“

Die relevanten Ausfälle hatten im März 2016 ihren Anfang genommen – fünf Jahre, nachdem er sein Studium des Kommunikationsdesigns an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart am Weißenhof erfolgreich beendet hatte. Er sprühte „Schwuchtel“ und „größte Missgeburt der Menschheitsgeschichte“ an die Wand einer Brauerei an der Tübinger Straße in Stuttgart. Versehen waren die Beleidigungen mit dem Namen eines Professors, der an der Kunstakademie lehrt.

Einige Monate später sprühte er die gleichen Beleidigungen an eine Fassade der Kunstakademie, was sich im Februar 2017 an selber Stelle wiederholte – ebenso zwei weitere Male im Dezember 2017. Der Sachschaden summierte sich auf rund 7000 Euro.

Am 14. Juli 2017 soll der gebürtige Filderstädter in der Kunstakademie eine Digitalkamera im Wert von fast 2000 Euro gestohlen haben. Dann kam der 2. Dezember vergangenen Jahres. Über eine nicht verschlossene Hintertür gelangte er in einen Vortragssaal der Akademie. „Ich habe dort elf Semester studiert. Ich kenne das Gebäude gut“, sagt er vor Gericht. Mit einem Brandbeschleuniger setzte der Beschuldigte den dortigen Konzertflügel in Brand und verschwand wieder.

Der Saal musste renoviert werden und steht erst in diesem Oktober wieder zur Verfügung. Der Schaden: rund 65 000 Euro.

„Krankhafte Wahrnehmung“

Der Beschuldigte, der von Anwalt Andreas von Scholley vertreten wird, legt ein Geständnis ab. Ja, er habe das Klavier angezündet. Auch die anderen Vorwürfe räumt er ein. Warum das Ganze? Der Mann tut sich schwer. „Ich habe eine schöne Kindheit gehabt und war ein glücklicher Schüler“, sagt er. Nach dem Studium sei aber sein „komplettes Weltbild durcheinandergewirbelt worden“. Er habe keine Arbeit gefunden. „Ich wollte von der Sozialhilfe weg“, ergänzt er. Erst nach mehrmaligem Nachfragen sagt der 37-Jährige, er gebe besagtem Professor der Kunstschule die Schuld an seinem Misserfolg. „Ich räume aber ein, dass meine Wahrnehmung krankhaft ist“, sagt der Beschuldigte.

Zuvor hatte er noch ausgeführt, ein Arztbericht aus dem Jahr 2015 über seinen psychischen Zustand basiere auf falschen Annahmen. Und der neuere Arztbericht basiere wiederum auf dem alten, was wohl so viel heißen soll wie: „Ich bin nicht krank.“ Jedenfalls hatte er seine Medikamente nach seinem letzten Psychiatrieaufenthalt Anfang 2016 eigenmächtig abgesetzt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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