Vor dem Landgericht Stuttgart muss sich eine junge Frau und Mutter verantworten. Foto: dpa

Das Landgericht Stuttgart muss über eine 25-Jährige urteilen. Die Frau musste viele Rückschläge im Leben einstecken – und hat versucht, diese Erfahrungen mit Drogenkonsum wegzuwischen.

Es ist eine ungewöhnliche Angeklagte, die an diesem Morgen in den Sitzungssaal des Landgerichts Stuttgart hereingeführt wird. Man sieht, dass sie großen Wert auf ihre Äußeres legt: Die Lippen aufgespritzt, stark geschminkt und komplett in pink gekleidet nimmt sie auf der Anklagebank Platz. Dabei blickt sie etwas irritiert auf die zahlreichen Besucher, die beim Prozessauftakt im Saal sind. „Die sind nicht wegen Ihnen da, sondern weil sie als Studenten lernen sollen, wie eine Gerichtsverhandlung abläuft“, sagt die Vorsitzende Richterin zu der jungen Frau gleich zu Beginn des Prozesses, in der ihr die Staatsanwaltschaft räuberischen Diebstahl, Körperverletzung und Nötigung vorwirft.

 

Bereitwillig gibt die 25-Jährige dann Auskunft über ihr bisheriges Leben – und es wird schnell klar, dass dies bisher viele Tief- und wenige Höhepunkte für sie bereitgehalten hat. Einiges hat sie wohl verdrängt, über manches will sie nicht sprechen – zum Beispiel über ihre nicht einfache Kindheit mit einem Stiefvater. „Das macht mich nur traurig“, sagt die junge Frau. In der Schule sei sie gemobbt worden, daher habe sie oft geschwänzt. Obwohl sie sieben verschiedene Schulen besuchte, schaffte sie am Ende den Hauptschulabschluss.

Angeklagte will nicht alles preisgeben

Zu Drogen griff sie erstmals im Alter von 15 Jahren – nachdem eine Freundin von ihr ermordet worden sei, wie sie erzählt. Sie rauchte Heroin und nahm Liquid Ecstasy. Die Realschule brach sie ebenso ab wie eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Bei einer Ausbildung zur Krankenschwester sei ihr gekündigt worden, weil ihre Fingernägel zu lang waren. Im August 2023 wurde sie Mutter eines Sohnes, der Kindsvater nahm nach ihrer Schilderung Drogen und saß im Gefängnis.

Als das Jugendamt auf sie aufmerksam wurde, floh sie laut ihrer Schilderung von dort durch ein Fenster. „Ich wollte meinem Sohn das Kinderheim ersparen“, erklärte die 25-Jährige. Mehrere Monate sei sie auf der Flucht gewesen, Genaueres will sie nicht preisgeben. „Es war schön, wir waren schwimmen und haben Urlaub gemacht“, erklärte die junge Frau, die nach ihren Angaben von ihrer Mutter finanziell unterstützt wurde und „viel geklaut“ hat.

Weiterer Rückschlag

Ein zweiter großer Rückschlag in ihrem Leben war, dass ihr das Kind dann doch weggenommen worden sei. „Danach war ich einfach nur noch traurig und habe Heroin gespritzt. Später bin ich auf Kokain umgestiegen“, sagte die 25-Jährige. Zwei Entgiftungen hat sie schon hinter sich, eine Therapie in Rottenburg hat sie abgebrochen. Die Vorsitzende Richterin wies darauf hin, dass die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt auch am Ende dieses Prozesses stehen könnte.

Ladendetektiv attackiert

Laut Staatsanwaltschaft hat die Angeklagte im Juli dieses Jahres in einem Drogerie-Markt im Wilhelmsbau in Ludwigsburg vier Flaschen hochwertigen Parfüms im Gesamtwert von 580 Euro in eine Papiertüte gesteckt, die sie zuvor mit Alu präpariert habe, damit kein Alarm ausgelöst wird. Als der Alarm dennoch ansprang und ein Ladendetektiv sie ansprach, soll sie diesem Pfefferspray in die Augen gesprüht und versucht haben zu fliehen. Dem Detektiv gelang es dennoch, sie am Handgelenk zu packen.

Im März dieses Jahres soll die Angeklagte in einem Discounter in Stuttgart Lebensmittel im Wert von drei Euro in einer Tasche an der Kasse vorbei zu schmuggeln versucht haben. Als eine Verkäuferin sie angesprochen habe, gab sie diese heraus. Als sich ihr dann aber der Filialleiter in den Weg stellte, habe er diesen geschlagen, getreten, gekratzt und zweimal gebissen.

Der Prozess wird am 29. September fortgesetzt, das Urteil soll am 17. Oktober verkündet werden.