Online-Betrug vom Jugendzimmer aus: Deswegen wurde jetzt ein junger Mann verurteilt. Foto: dpa

Das Landgericht Stuttgart hat einen jungen Mann wegen Computerbetrugs, Geldwäsche und Datenhehlerei zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann war geständig.

Stuttgart - Eine TV-Reportage über Drogenhandel im Darknet habe ihn auf die Idee gebracht, sagt der 22-Jährige vor der 3. Jugendstrafkammer des Landgerichts. Dort sitzt er auf der Anklagebank, weil er zu Beginn seiner Betrügereien noch Heranwachsender war. Drogen seien aber nicht so Ding gewesen, also habe er sich auf andere Waren verlegt. Das sei ganz einfach gewesen. „Ich war überrascht, dass es so reibungslos ging“, sagt der junge Stuttgarter.

Im Darknet, also in dem Segment des Internets, das nur über Umwege zu erreichen ist, gibt es alles: Dort kommunizieren Dissidenten, um von ihren totalitären Heimatländern nicht überwacht zu werden. Und dort tummeln sich Drogen- und Waffenhändler, Betrüger und allerhand andere dunkle Gestalten. Der Angeklagte hat sich das zunutze gemacht.

Unter einem Spitznamen suchte er sich auf dem Darknetforum Crimenetwork.biz. Leute, die für ihn Handys, Designerkleidung, Parfüm und Elektronikwaren bestellten. Dafür stattete er seine Komplizen mit im Darknet ergaunerten Zahlungsdaten aus. Die Waren wurden dann an Packstationen geliefert, für die der Angeklagte, ebenfalls im Darknet, Accounts gekauft hatte. Die Waren verkaufte er dann weiter. Die Darknet-Geschäfte wurden in der Regel über die Kryptowährung Bitcoin abgewickelt.

Falsche Personalien, falsche Kreditkarten

Seine zweite Masche lief über das Forum Fraudsters (englisch für Betrüger): Mit falschen Personalien und falschen Kreditkarten orderte der 22-Jährige weitere Waren oder er griff wieder auf andere Mitglieder der sogenannten Underground Economy als Besteller zurück.

Die Foren Crimenetwork und Fraudsters sind inzwischen abgeschaltet worden. Es dürfte aber sicher sein, dass andere Plattformen diese Lücken schon wieder geschlossen haben.

Um das „erwirtschaftete“ Geld zu waschen, zahlte der Angeklagte Beträge zwischen 40 und 3000 Euro auf sein Konto ein, um das Geld gleich wieder weiterzutransferieren. Desweiteren kaufte der Angeklagte Goldbarren im Wert von rund 22 000 Euro. Zudem orderte er im Darknet gefälschte Rechnungen, um die ergaunerten Waren problemlos weiterverkaufen zu können. Das Ganze lief zwischen 2015 und 2017. Mehrere Zehntausend Euro soll der junge Mann eingenommen haben.

Doch das Bundeskriminalamt und das baden-württembergische Landeskriminalamt waren den Betrügereien schon auf der Spur. Umfangreiche Ermittlungen führten schließlich zu dem heute 22-Jährigen. Anfang März vorigen Jahres wurde er festgenommen. In seinem Zimmer bei seinem Vater im Stuttgarter Osten stellten die Fahnder etliche Waren sicher. Erst nach fünf Monaten U-Haft kam der Mann gegen eine Kaution von 10 000 Euro auf freien Fuß.

Geständnis bewahrt ihn vor dem Gefängnis

Auf Anraten seines Verteidigers Stefan Holoch legte der 22-Jährige ein Geständnis ab, was ihn letztlich wohl vor einer Freiheitsstrafe bewahrt hat.

Am Ende des Prozesses, der dem Landgericht vom Amtsgericht Stuttgart wegen des „außergewöhnlichen Umfangs“ vorgelegt worden war, verurteilte die 3. Strafkammer den Mann zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung. Er muss 200 Arbeitstunden ableisten und sich eine Lehrstelle suchen. Das Geständnis habe einen hohen Stellenwert, so der Vorsitzende Richter. Dem Angeklagten waren allein 163 Fälle des Computerbetrugs vorgeworfen worden. „Hätte er geschwiegen, hätten wir für jeden einzelnen Fall einen Geschädigten ausfindig machen müssen“, sagte der Richter. Und ob das gelungen wäre, sei zweifelhaft.

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