Vor allem auf Goldschmuck hatte es der Täter in Stuttgart abgesehen. Foto: dpa

2012 hat ein Maskierter einen Juwelier in Stuttgart überfallen. Jetzt steht deshalb ein Mann vor Gericht. Er sagt, er sei unschuldig.

Stuttgart - Maskiert und mit einer schwarzen Pistole bewaffnet stürmt am 22. Oktober 2012 ein Mann gegen 19 Uhr in ein Juweliergeschäft an der Calwer Straße in der Innenstadt. „Das ist ein Überfall“, klärt er die zwei Mitarbeiterinnen auf, um dann zu fragen: „Wo ist das Geld und das Gold?“

Er packt eine der Mitarbeiterinnen und will wissen, wo der Tresor steht. Aus der Auslage nimmt er schließlich eine Goldkette, aus zwei Vitrinen dann Ringe, ein Collier aus Platin und weiteren Schmuck. Die zwei verängstigten Frauen befiehlt der Räuber anschließend in die Toilette, wo er aus einer Plastiktüte zwei Handschließen zieht, mit denen er die Frauen an den Heizkörper fesselt. Dann sucht der Täter das Weite.

Seine Beute: Schmuck im Wert von genau 54 905 Euro, Bargeld aus der Kasse in Höhe von 561,24 Euro. Auch die Geldbörsen der Mitarbeiterinnen mit 170 Euro Bargeld nimmt er mit.

„Ich bin nicht der Täter“

Lange Zeit waren die Ermittlungen der Polizei ergebnislos verlaufen. Jetzt sitzt ein 39 Jahre alter notorischer Straftäter vor der 18. Strafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank. Ihm wirft der Staatsanwalt schweren Raub, Freiheitsberaubung und Körperverletzung, sprich: den Überfall auf den Juwelier vor gut sechs Jahren vor.

Der Angeklagte prescht gleich zu Beginn der Hauptverhandlung vor. „Zur Sache kann ich nichts sagen, weil ich nicht der ­Täter bin.“ Zu seiner Vita gibt der gebürtige Stuttgarter jedoch ausführlich Auskunft. Und was er berichtet, ist mehr als trist. Knapp 20 Jahre habe er bis dato im Gefängnis verbracht, die Hälfte seines Lebens. Er ist also ein notorischer Straftäter, wobei ­seine Taten auf seine Drogensucht zurückzuführen sind.

Meist hat er Diebstähle begangen, um Rauschgift kaufen zu können. Bereits im ­Alter von zwölf Jahren habe er zu kiffen begonnen. Später sei er auf LSD, Heroin und Kokain umgestiegen. Von der Hauptschule im Stuttgarter Osten sei er früh geflogen. „Dort war Gewalt an der Tagesordnung“, sagt er. Er sei in der Schule an die falschen Leute geraten. Gelernt habe er in der Schule nichts – außer in Läden zu stehlen und Autos aufzubrechen. Seinen Hauptschulabschluss hat er erst mit 20 Jahren im Gefängnis nachgeholt. Inzwischen dürfe er sich beruflich als Beikoch bezeichnen, sagt er.

Die Anklage stützt sich auf DNA-Spuren

Der Mann ist offenbar ein notorischer Dieb. Passt zu so einem Mann ein bewaffneter Raubüberfall auf einen Juwelier? Und auch noch mit Freiheitsberaubung?

Weil bei der Staatsanwaltschaft etwas schiefgelaufen sei, hatte man das Verfahren gegen den 39-Jährigen ursprünglich eingestellt, sagt die Vorsitzende Richterin. Nach neuer Prüfung wurde dann doch noch Anklage erhoben.

Denn am Tatort wurde damals die Tüte sichergestellt, in der der Täter die Handschließen transportiert hatte. Auf der Tüte soll DNA des Angeklagten sein. Der Täter hat nach Aussage der zwei Frauen eine beigefarbene Kappe getragen. Bei einem Kumpel des 39-Jährigen wurde just eine solche Kappe gefunden – mit DNA des Angeklagten. Dann soll auch noch ein Informant der Polizei den Angeklagten als Täter benannt haben. Ob das reicht, den Stuttgarter zu verurteilen, muss die 18. Strafkammer entscheiden. Der Prozess wird 6. Februar fortgesetzt.

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