Nach einer Vielzahl von Wohnungseinbrüchen wurde nun eine Bande zu Haftstrafen verurteilt. Foto: dpa

Eine der ungewöhnlichsten Einbruchserien im Südwesten endet für eine zehnköpfige Gruppierung mit teils hohen Freiheitsstrafen. Die Bande hat Wohnungen und Tresore leer geräumt, Passanten, Touristen und Juweliere bestohlen. Die Täter reisten dafür 12 000 Kilometer aus Südamerika an.

Stuttgart - Sie brachen in Wohnungen ein, plünderten ein Autohaus, knackten einen Tresor, erbeuteten Mietfahrzeuge, griffen nach Geldbörsen und ließen beim Juwelier eine 6000 Euro teure Uhr verschwinden: Eine chilenische Einbrecher- und Diebesbande hat mehrere Monate in Stuttgart, München, Berlin sowie in den Kreisen Rems-Murr und Ludwigsburg zugeschlagen – am Donnerstag gab es dafür im Landgericht Stuttgart die Quittung für die 18 bis 38 Jahre alten Mitglieder. Die Vierte Jugendkammer schickte sie bis zu sechs Jahre hinter Gitter.

Warum von Chile nach Stuttgart? Der Prozess um die ungewöhnliche südamerikanische Gruppierung lässt zumindest erahnen, was reisende Täter Richtung Südwesten bewegt. Offenkundig gibt es in Hamburg eine Drehscheibe – und ein Netzwerk aus Bekannten und Freunden. Jedenfalls versammelten sich mehrere Gruppen, die im Herbst 2015 zunächst in München und Berlin zugeschlagen hatten, am Ende in einer Dreizimmerwohnung in Weilimdorf. „Teils Freunde von Verwandten, teils Bekannte von Bekannten“, sagt Vorsitzende Richterin Cornelie Eßlinger-Graf. Acht Gäste in einer Dreizimmerwohnung einer chilenischen Familie – eine vollgestopfte Räuberhöhle.

Die Räuberhöhle – keine unauffällige Residenz

Als Gastgeber fungierten zwei 30 und 38 Jahre alte Brüder. Dass sie vom Treiben ihrer Landsleute nichts gewusst haben wollen, nahm die Richterin den beiden Angeklagten nicht ab. Schließlich hätten sie ihre Landsleute unterstützt, hätten die Beute gelagert und seien mit Diebesgut entlohnt worden. „Eine Bandentätigkeit lässt sich aber nicht zweifelsfrei nachweisen“, so die Richterin. So werden ihre Haftstrafen von 15 Monaten und zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Von einer unauffälligen Residenz für ­Diebesbanden könne auch keine Rede sein: „Der Besuch und die Unruhe ist im Haus ­unangenehm aufgefallen“, sagt Cornelie Eßlinger-Graf, „diskret war das nicht gerade.“

Der 300-Kilo-Tresor zum Beispiel. Den hatten die Täter aus einem Autohaus in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) gestohlen, im Weilimdorfer Haus durchs Treppenhaus gewuchtet, um ihn schließlich wieder rauszutragen und in einem Waldstück zwischen Bergheim und Botnang zu verstecken. Viel Mühe – für ein paar Laptops, Geschäftspapiere und 240 Euro.

Bei der Fahrt zu den Tatorten geblitzt

Die meisten der ursprünglich 35 angeklagten Taten hatte ein damals 17-Jähriger begangen. In München soll er mit zwei ­Komplizen bei Wohnungseinbrüchen 68 000 Euro Beute gemacht haben. Der heute 18-Jährige zeigte sich vor Gericht am kooperativsten – und wurde von der Kammer mit der „relativ milden“ Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten belegt. Freilich: Zahlreiche Finger- und DNA-Spuren machten die Beweislage eindeutig.

Als Haupttäter wurde ein 36-Jähriger identifiziert. Der Mann, der seiner krebskranken Mutter in der Heimat Geld zukommen lassen wollte, holte schon mal seinen eigenen Trennschleifer aus Berlin, um den Autohaus-Tresor zu knacken. Er fuhr auch den gestohlenen Mietwagen zu den Tatorten – was Blitzer-Fotos, unter anderem in Fellbach, belegen. Er war auch derjenige, der bei einem Juwelier in der Stuttgarter Innenstadt die über 6000 Euro teure Uhr erbeutete.

Der heiße Tipp kam von der Hamburger Polizei

Zum Glück hatte die Stuttgarter Polizei rechtzeitig einen Tipp von ihren Hamburger Kollegen bekommen – und die Weilimdorfer Gruppe observiert. Ende November 2015 war das Spiel aus. Der 36-Jährige wurde mit seinem Komplizen festgenommen, als er sich nach Luxemburg absetzen wollte. Dass die Strafen nicht noch höher ausfielen, lag an den Geständnissen der Angeklagten. Sie bekamen Rabatt, weil sie 62 Zeugen, zumeist Opfer, einen Auftritt vor Gericht ersparten.

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