Das Opfer hatte seinen Peiniger auf Facebook kennengelernt. Foto: dpa

Ein 38-jähriger Mann hat vor dem Landgericht Stuttgart gestanden, eine Frau vergewaltigt zu haben. Er hatte sie erst eine Woche vor der Tat im Internet kennengelernt.

Stuttgart - Die Zeiten, in denen sich fast ausschließlich Schülerinnen und Schüler auf Facebook tummelten, sind längst Vergangenheit. Das zeigt ein Fall, mit dem sich die 14. Strafkammer des Landgerichts zu befassen hat. Es geht um eine kurze Facebook-Freundschaft, die eine 42 Jahre alte Frau in ein Trauma gestürzt und ihren 38-jährigen flüchtigen Internet-Bekannten auf die Anklagebank gebracht hat. Der Mann, ein ehemaliger Profiboxer und Mixed-Martial-Arts-Kampfsportler aus Lüdenscheid, und die Stuttgarterin hatten sich auf Facebook kennengelernt und eine Woche lang intensiv gechattet. Dabei habe der Angeklagte „sein sexuelles Interesse bekundet“, sagt der Kölner Verteidiger des 38-jährigen Familienvaters. Es seien auch „detaillierte sexuelle Praktiken“ zur Sprache gekommen, so der Anwalt. Die Frau jedoch habe dem ablehnend gegenübergestanden.

Das Opfer droht dem Angreifer

Trotzdem hatte sie zugestimmt, als der Mann ihr vorschlug, auf seinem Weg nach Nürnberg in Stuttgart Station zu machen. Er kam am 1. Januar dieses Jahres an, sie holte ihn vom Bahnhof ab und willigte ein, ihn in der leerstehenden Wohnung ihrer Mutter im Hallschlag übernachten zu lassen –mit ihr. „Mein Mandant war nach Stuttgart gekommen in der Hoffnung, hier Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten haben zu können“, so der Verteidiger.

In der Wohnung angekommen, wurde der 38-Jährige zudringlich. Die Frau versuchte, ihm diesen Zahn mit der klaren Ansage zu ziehen, wenn er weitermache, werde sie ihn „abstechen“. Das hielt den Angeklagten aber nur eine Nacht lang auf Distanz. Laut Anklage, die auf der Aussage des Opfers basiert, habe er die Frau am nächsten Morgen gepackt und ihr die Hose heruntergezogen. Als die Frau zu schreien begann, habe er sie am Hals gepackt. Auch als die Frau dem Angreifer ein Glas auf dem Kopf zerschlug, habe er nicht von ihr abgelassen und sie vergewaltigt.

Danach sei die verängstigte Frau ins Bad gegangen. Doch der Angeklagte habe gesagt, man sei noch nicht fertig, jetzt komme die zweite Runde. Er habe sich erneut an der Frau vergangen, die durch die Tortur mehrere Verletzungen davongetragen habe, so die Staatsanwältin. Schließlich ließ er sich von seinem Opfer an den Stuttgarter Hauptbahnhof fahren, wo er in den Zug stieg. Die Frau erstattete Anzeige.

„Er schämt sich“, sagt der Verteidiger

„Meine Mandantin ist schwer traumatisiert", sagt Nebenklägervertreter Hans Bense. Die Frau glaube auch, der Angeklagte habe sie bei dem Übergriff mit einer bakteriellen Infektion angesteckt.

Beim Haftrichter hatte der Mann, der zwei Töchter von zwei Frauen hat – das jüngere Mädchen ist erst wenige Wochen alt –, noch alle Vorwürfe in Abrede gestellt. Nun bat der Verteidiger um ein Rechtsgespräch mit allen Prozessbeteiligten und besprach sich dann lang mit seinem Mandanten.

Die Staatsanwältin sagte, dass sie ohne Geständnis mindestens fünf Jahre Haft beantragen werde. Schließlich räumte der 38-Jährige die Vorwürfe über seinen Anwalt ein. „Er schämt sich sehr“, so der Verteidiger. Das Gericht wird den Mann nach eigener Aussage zu einer Haftstrafe zwischen drei Jahren und vier Monaten und drei Jahren und zehn Monaten verurteilen.

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