Der Angeklagte hat ein Geständnis abgelegt. Foto: dpa

Von der Türkei aus droht eine Bande alten Menschen an, sie würden in Kürze verhaftet – außer sie bezahlen eine Kaution. Ein Mann wurde jetzt verurteilt.

Stuttgart - Das Landgericht hat einen 36-jährigen Mann wegen einer perfiden Betrugsmasche hinter Gitter geschickt. Das Mitglied einer Bande wurde von der 8. Strafkammer wegen Betrugs und Erpressung vornehmlich älterer Menschen zu vier Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Der in Bruchsal geborene Türke wird wegen seiner Amphetaminsucht zudem in eine Entziehungsanstalt eingewiesen.

Die Masche ist neu, gehört zu der Kategorie Schockanrufe und wird aus dem türkischen Antalya gesteuert. Dort sitzen Männer in einem Callcenter und bedrohen Menschen in Deutschland mit einem angeblichen türkischen Haftbefehl. In perfektem Deutsch geben sich die Täter als Kriminaldirektoren, Kommissare oder gleich als Generalstaatsanwalt aus. Die völlig überforderten Opfer, allesamt ohne türkischen Hintergrund, werden in Angst und Schrecken versetzt – bis sie bereit sind, eine Kaution zu bezahlen, die sie angeblich wieder zurückbekommen. Das Ganze ist eine Lüge.

„Auslieferung in die Türkei droht“, lautet die Lüge

Ein Beispiel: Ende Mai vergangenen Jahres machten die Betrüger einer 83-jährigen Frau aus Stuttgart per Telefon weis, die Polizei sei unterwegs, um sie festzunehmen. Der Oberste Gerichtshof in Istanbul wolle ihr wegen Geldwäsche den Prozess machen. Eine Kaution könne den Haftbefehl und die Auslieferung in die Türkei abwenden, bis das Verfahren erledigt sei.

Der „Kriminaldirektor“ gab der Frau auch gleich die Telefonnummer des „Generalstaatsanwalts“, der den Vorgang bestätigen könne. Die 83-Jährige hob daraufhin 125 000 Euro ab – im Glauben, die deutschen Behörden würden ihr das Geld zurückerstatten.

Der „Außendienstmitarbeiter“, der das Geld abholte, war der Angeklagte. Die Polizei nahm ihn am 4. Juni 2018 bei der Übergabe fest. Vor Gericht legte der drogensüchtige Mann ein Geständnis ab und verdiente sich so einen Strafrabatt.

Neben Geldwäsche erfanden die Täter weitere Vorwürfe gegen die Geschädigten wie die Bildung einer terroristischen Vereinigung oder das Verbreiten pornografischer Schriften. Rund 50 000 Euro hat die Bande so von mehreren älteren Menschen erbeutet. Der Staatsanwalt zählte vier Fälle in Stuttgart und zwei in Hamburg auf.

Bei einer 76-jährigen Akademikerin aus Stuttgart bissen die Betrüger allerdings auf Granit. Sie sollte mehrere Tausend Euro „Kaution“ bezahlen, dann werde die anrückende Polizei wieder zurückgepfiffen, so ein falscher Oberhauptkommissar. Der betagte Gatte der Frau roch den Braten und stoppte das Ganze.

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