Der Angeklagte wurde in Stuttgart von einem Spezialeinsatzkommando dingfest gemacht. Foto: dpa

Dreimal hat ein junger Mann in Stuttgart-Münster auf ein Auto mit drei Insassen geschossen. Vor Gericht berichtet er, warum.

Stuttgart - Wirklich erklären kann er es nicht. Der 18 Jahre alte Mann kann nicht sagen, warum er am Abend des 15. Januar dieses Jahres seine scharfe Pistole mit aus dem Haus genommen hat. Oder er will nicht. „Ich hatte keinen Plan“, sagt der Angeklagte. Er kann oder will auch nicht wirklich erklären, warum er an der Ecke Jagststraße/Echazstraße in Stuttgart-Münster gleich dreimal auf einen Mercedes gefeuert hat. Tatsache ist, dass er wegen versuchten Totschlags, wegen schwerer räuberischer Erpressung und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor der 2. Strafkammer des Landgerichts steht.

Der hochgefährliche Vorfall, bei dem letztlich niemand verletzt wurde, fußt auf Animositäten unter jungen Männern, die der Angeklagte nicht genauer benennt. An besagtem Abend sei er zu einem Spielplatz nahe der elterlichen Wohnung gegangen, um dort zwei Gramm Marihuana abzuholen, die er unter einer Mülltonne versteckt habe, sagt er. Das Rauschgift sei verschwunden gewesen. Sofort habe er einen ehemaligen Kumpel, mit dem er sich überworfen hatte, im Verdacht gehabt. Und just diesen Ex-Kumpel habe er kurz darauf in einem Mercedes gesehen.

Angeklagter: „Nicht gezielt, nur losgeballert.“

Laut Anklage forderte der 18-Jährige den Mann auf auszusteigen. Mit der Pistole in der rechten Hand presste er dem Ex-Kumpel 20 Euro ab. Gegen 19 Uhr sei er dann mit zwei Freunden unterwegs gewesen, als er den schwarzen Wagen an der Jagststraße wiedergesehen habe. Jetzt wird es vage. Er habe etwas besprechen, etwas klarstellen wollen, sagt der junge Mann. Doch der Ex-Kumpel sei nicht ausgestiegen, sondern habe Gas gegeben – und gelacht. „Ich habe nicht gezielt, nur losgeballert“, sagt der Angeklagte. Er habe niemanden treffen, niemanden verletzen wollen. Die drei abgefeuerten Kugeln schlugen in einen Reifen, in den Stoßfänger und in die Heckscheibe ein.

Danach sei er weggelaufen und habe die Waffe in Einzelteilen in den Neckar geworfen. Die Nacht habe er schlaflos verbracht – bis ihn gegen 5.30 Uhr ein Spezialeinsatzkommando festgenommen habe, so der Angeklagte. Zuerst hatte die Polizei gemutmaßt, es könne sich um eine Auseinandersetzung zwischen Straßenbanden handeln. Dem widerspricht der 18-Jährige vor Gericht. Er sei allein gewesen. Zeugen sagen etwas anderes. Der Prozess wird am 28. Juni fortgesetzt.

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