Der Konstanzer Staatsanwalt Joachim Speiermann (links) und der italienische Finanzpolizist Guiseppe Campobasso berichten im Juli 2017 stolz von ihrem Schlag gegen die Mafia im Schwarzwald. Foto: dpa

Die Anklagepunkte reichen von Drogenhandel über Brandstiftung bis zum Mordversuch. Neun Beschuldigte sollen auf der Anklagebank sitzen. Doch die ist in Konstanz dafür viel zu klein. Jetzt gibt es eine Lösung.

Konstanz - Nach mehrmonatiger Raumsuche ist das Konstanzer Landgericht fündig geworden. Der große Prozess gegen neun Mitglieder einer mutmaßlichen italienischen Mafiazelle aus dem Schwarzwald wird nun doch in Konstanz stattfinden, jedoch nicht im Landgericht selbst, sondern auf dem ehemaligen Siemens-Areal. Dort konnte für das Mammutverfahren mit voraussichtlich 67 Prozesstagen die ehemalige Kantine angemietet werden. Nach dem Umzug von Siemens ins Industriegebiet sollen auf dem Gelände demnächst Wohn- und Gewerbeflächen sowie ein Gründerzentrum entstehen.

Prozessauftakt in Karlsruhe

Der Schwurgerichtssaal selbst ist zu klein. So brauchen allein 19 Verteidiger einen Sitzplatz. Das Gericht hatte deshalb in Stuttgart, Mannheim und München angeklopft. Nun wird lediglich zum Prozessauftakt am 21. September und zum folgenden Verhandlungstag am 2. Oktober an das Karlsruher Landgericht umgezogen. Die ehemalige Kantine, wo früher 700 Mitarbeiter verköstigt wurden, steht erst Mitte Oktober zur Verfügung. Wegen rechtlicher Fristen möchte die Strafkammer aber nicht so lange warten. Sieben der neun Beschuldigten befinden sich seit Juni 2017 in Untersuchungshaft.

Schüsse auf eine Gaststätte

Den Männern im Alter zwischen 26 und 57 Jahren mit Wohnsitzen im Schwarzwald-Baar-Kreis, in Stuttgart und Italien und mutmaßlichen Verbindungen zur Cosa Nostra und zur `Ndrangetha wird vorgeworfen, im großen Stil mit Drogen gehandelt zu haben. Aufgeführt werden insgesamt 270 Kilogramm Marihuana, 20 Kilogramm Haschisch und 2,5 Kilogramm Kokain. Angeklagt sind außerdem Köperverletzungs-, Brandstiftungs- und Raubdelikte sowie ein versuchter Mord. Im Mai 2017 waren mehrere Schüsse auf eine Gaststätte in Hüfingen bei Donaueschingen abgegeben worden. Es soll sich um eine Abstrafungsaktion gehandelt haben.

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