Die Ortschaft Rech: Viele Gebäude sind komplett bei der Flutkatastrophe zerstört oder weggespült worden. Foto: dpa/Boris Roessler

Eine Gruppe von Landfrauen aus dem Kreis Ludwigsburg ist ins Ahrtal gereist. Vorher haben sie rund 26 000 Euro gesammelt, die nun den Betroffenen der Überschwemmungskatastrophe aus dem Sommer zugute kommen.

Kreis Ludwigsburg - Es war erschütternd“, sagt Ingrid Ergenzinger. Die Stimme der sonst so selbstbewussten Kornwestheimer Landfrauenchefin klingt leise, fast brüchig. Sie berichtet von einer Reise ins rheinland-pfälzische Ahrtal, jener Region, die im Sommer von der Flutkatastrophe besonders heimgesucht worden war. Allein im Landkreis Ahrweiler hatte es 133 Todesopfer gegeben, als die Wassermassen nach starken Regenfällen ganze Orte förmlich vernichteten. „Die Häuser sind immer noch zerstört, die Menschen sind traumatisiert und schockiert. Es ist schrecklich“, so Ergenzinger.

 

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Gemeinsam mit 20 weiteren Landfrauen aus dem Landkreis Ludwigsburg war sie in der vergangenen Woche an den Ort des Geschehens gereist. In den Monaten zuvor hatten die Vereine insgesamt mehr als 26 000 Euro gesammelt. Von dem Geld kauften sie Gutscheine von verschiedenen Firmen und Läden, teilten diese in 210 Geschenktüten auf und überbrachten sie nun an betroffene Landfrauen-Familien. Auch eine Kita erhielt Unterstützung, mit einem 900-Euro-Gutschein können Bücher und Spielsachen angeschafft werden. Eine Möglinger Landwirtsfamilie stellte zusätzlich 400 Kilogramm Kartoffeln, die ebenfalls eingepackt und verteilt wurden.

Auch die württembergische Ober-Landfrau ist mit an Bord

Mit an Bord waren auch Marie-Luise Linckh, Ludwigsburger Kreisvorsitzende und zudem Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg, sowie die Ludwigsburger Geschäftsführerin Dorothee Hanschek. Vom Kornwestheimer Ortsverein hatte zudem Rosalie Linder den roten Bus bestiegen, der nebst Fahrern von einem Unternehmen aus Massenbachhausen kostenlos zur Verfügung gestellt worden war.

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Unter anderem war die stark betroffene Ortschaft Rech eine der Stationen. Dort fiel jüngst der Beschluss, dass die Reste der schwer beschädigten, denkmalgeschützten Nepomukbrücke nun vollends abgerissen werden sollen. „Häuser fehlen, Straßen enden einfach im Schotter. Dass es dort nach fünf Monaten immer noch so aussieht, das ist kaum zu glauben“, sagt Dorothee Hanschek. Vor Ort traf sich die Gruppe mit Vertreterinnen der dortigen Landfrauen. Organisiert hatte das Ingrid Stolte, die Vorsitzende des Kreisverbands Ahrweiler. Die Frauen nahmen die die Päckchen in Empfang, um sie in ihren Orten zu verteilen. Wie Hanschek berichtet, sei der erste Kontakt hier und da etwas zögerlich gewesen. „Aber im Laufe der Gespräche wurden die Frauen immer offener und haben von ihren Schicksalen erzählt“, so die Geschäftsführerin.

Familie harrt eine Nacht auf dem Hausdach aus

Zum Beispiel habe eine Familie eine komplette Nacht bis zur Rettung auf dem Dach ihres überfluteten Wohnhauses verbracht. Eine Frau habe vom Versuch erzählt, einige Zimmer ihres schwer beschädigten Hauses wieder nutzbar zu machen – nur um kurz darauf den Bescheid zu erhalten, dass das Gebäude nun doch komplett abgerissen werden müsse. Allein die Bürokratie: „Für Hilfen müssen die Familien Anträge mit 40, 50 Seiten ausfüllen. Online, dabei gibt es vielerorts noch gar kein Internet“, so Hanschek.

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Den nachhaltigsten Eindruck hat sowohl bei der Geschäftsführerin als auch bei Ingrid Ergenzinger folgende Szene hinterlassen: Eine Frau trottete in Sandalen durch den Dreck, in der Hand eine Tasche mit Wäsche. Auf die Frage, wohin sie denn gehe, habe sie geantwortet: „Da hinten steht ein Zelt mit Waschmaschinen.“ Hanscheks Fazit: „Das können wir uns gar nicht vorstellen.“

Unvorstellbar groß war schließlich auch der Dank, den die Kreislandfrauen nach ihrer Aktion nach wie vor erfahren. „Ich bekomme zur Zeit jede Menge Dankesschreiben“, so Hanschek, „viele sagen, dass sie es seit ihrer Kindheit nicht mehr erlebt haben, dass sie von fremden Menschen einfach so beschenkt werden.“ Sie betont außerdem: „Landfrauen, das ist viel mehr als nur Backen oder Kaffee kochen.“

Landfrauen in der Landesschau Der Besuch der Kreislandfrauen im Ahrtal fand am Montag, 20. Dezember, auch in der Landesschau auf SWR Rheinland-Pfalz Erwähnung (inklusive Statement von Marie-Luise Linckh). Zu finden ist der Videobeitrag ein Jahr lang online in der ARD-Mediathek.