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Staatsrätin Hübner hofft darauf, dass der künftige Ministerpräsident Mappus dem Thema noch mehr Bedeutung verleiht

Stuttgart - Es war im Frühjahr 2006. Günther Oettinger hatte gerade die Landtagswahl gewonnen, die absolute Mehrheit für die CDU nur um Haaresbreite verfehlt, und in der politischen Szene wurde spekuliert, wer denn nun welches Amt erhalten würde. Irgendwann tauchte auf der Liste der Minister und Staatssekretäre plötzlich der Name von Claudia Hübner auf. Nicht wenige wunderten sich, warum Oettinger die frühere Stuttgarter CDU-Landtagsabgeordnete in die erste Reihe zurückholte. Manch einer vermutete, der Ministerpräsident wolle die Frauenquote am Kabinettstisch erhöhen. Andere vermuteten, er habe Hübner berufen, damit die Landeshauptstadt mal wieder ein Mitglied im Ministerrat hat.

Dreieinhalb Jahre ist Hübner nun als ehrenamtliche Staatsrätin aktiv, und im Gegensatz zu manchen Ministern ist sie im Land draußen weit mehr bekannt. Der Grund: Seit ihrem Amtsantritt hat sie 32 der 44 Stadt- und Landkreise besucht, dabei stets für das Thema Demografie geworben, sich vor Ort über Projekte informiert, wie Alt und Jung in der Zukunft besser zusammenleben können. "Für diese Aufgabe gibt es keine Betriebsanleitung, den Kompass muss man selbst haben", sagt Hübner.

Aber was hat die 61-Jährige erreicht? Beim baden-württembergischen Städtetag sieht man in der Staatsrätin "eine Moderatorin", eine, die Anstöße geben kann, wie es ein Sprecher umschreibt. "Die Aufgabe des demografischen Wandels wollen und müssen die Städte aber alleine bewältigen." Hübner selbst weiß, dass ihr Aktionsradius überschaubar ist. "Ich kann anstoßen, anregen, bündeln, die Leute an einen Tisch bringen." Die eigentliche Arbeit müssten aber die Kommunen oder die Ministerien leisten - ob nun in der Frage des altersgerechten Wohnens, bei der Kleinkinderbetreuung, in dem Punkt, wie der öffentliche Personennahverkehr seniorenfreundlicher gestaltet werden kann, wo Mehrgenerationenhäuser eingerichtet werden, und, und, und. Das Zwischenfazit von Hübner fällt dennoch positiv aus: "Die Sensibilität beim Thema Demografie hat zugenommen. Ich habe das Gefühl, dass es einen großen Aufbruch gibt."

Wie aber wird die Arbeit der ehrenamtlich tätigen Politikerin, die von 1992 bis 1996 Mitglied des Landtags war und weiterhin einen Lehrstuhl an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg hat, in der eigenen Partei eingeschätzt? "Sie ist charmant und fleißig, bisher aber nie groß aufgefallen", sagen die einen. "Es wäre schlimm, wenn wir als Politik eine Staatsrätin für Demografie brauchen, um auf das Thema zu kommen", meinen andere. Hübner selbst räumt das ein, wenn sie sagt, ihr Job sei "nicht schlagzeilenträchtig". Soll heißen: Das Thema Demografie taugt nicht jeden Tag für seitenfüllende Berichte, obwohl es gesellschaftspolitisch aktuell ist.

Nur eine Ausnahme in Sachen Bekanntheitsgrad gab es: Als die gebürtige Balingerin im Februar 2008 bei der Verleihung des Deutschen Medienpreises in Baden-Baden erstmals öffentlich an der Seite des 64-jährigen Wolfgang Porsche auftauchte und das neue Promi-Paar hernach landauf, landab abgebildet wurde, war Hübner plötzlich Gegenstand der Gespräche. Mancher in der CDU feixte, jetzt sei die Staatsrätin das lebende Beispiel für das neue deutsche Seniorenglück. In der Landesregierung zogen andere fortan die Augenbrauen hoch, ob sie denn noch trennen könne zwischen Politischem und Privatem, wenn da im Zuge der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW in den Kabinettssitzungen in Stuttgart darüber diskutiert werde, wie man die Angriffe aus Niedersachsen kontert.

Die promovierte Juristin hat sich zu dem heiklen Thema aber nie geäußert. Ob auch der künftige Ministerpräsident Stefan Mappus dem demografischen Wandel einen derartigen Schwerpunkt geben wird und Hübner ihren Job behält, ist offen. Sie selbst jedenfalls wirbt für das Thema - wer auch immer es betreut. "Mir wäre es wichtig, dass man die Bereiche Jugend, Familie und Senioren unter dem Begriff Generation in einem Ministerium zusammenführt und dieses Thema auch im Namen des Ministeriums sichtbar ist." Ihr Vorschlag: den ganzen Bereich im Sozialministerium ansiedeln.

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