Der Restaurator Roland Hahn erklärt, was man mit UV-Licht auf alten Bildern alles entdecken kann. Foto: Nina Ayerle

Das Landesmuseum zeigt am Internationalen Museumstag seine Werkstätten für Restaurierung.

S-Mitte - Die Röntgengeräte im Stuttgarter Katharinenhospital sind eigentlich Patienten vorbehalten, menschlichen Patienten. Roland Hahn bringt den Ärzten jedoch oft ganz andere Dinge zum Röntgen. Ein antikes Holzstück war es zuletzt. „Die Ärzte sind immer hocherfreut, wenn wir kommen“, sagt Hahn. Er ist Restaurator im Landesmuseum Württemberg. Wenn er zum Beispiel eine Holzmaserung erkennen will, röntgt er das Stück. Bei kleineren Gegenständen kann er dies direkt im Museum machen, für die größeren Objekte muss er ins Katharinenhospital. „Bei dem Holzstück habe ich sehr schön die einzelnen Ringe gesehen“, hat Hahn beim Internationalen Museumstag am Sonntag seinen rund 25 Zuhörern in den Restaurierungswerkstätten des Landesmuseums erklärt.

In der Regel verbringt Roland Hahn seine Arbeitszeit nicht im Katharinenhospital, sondern im vierten Stock des Alten Schlosses. Dort befinden sich die Werkstätten. Dieser Bereich des Württembergischen Landesmuseums ist für Besucher normalerweise nicht zugänglich. Elf Restauratoren, zwei Praktikanten und die Leiterin Andrea Funck arbeiten dort in sieben verschiedenen Arbeitsbereichen, restaurieren alte Textilien, Gemälde oder auch Möbel. Bei ihrer Arbeit gehen sie so unauffällig wie möglich vor. Ziel ist es, ein Objekt lange haltbar zu machen. „Restaurieren heißt aber nicht neu machen“, betonte Andrea Funck. Das sei der spannende und wichtige Aspekt bei der Arbeit eines Restaurators. „Etwas, das 400 Jahre auf dem Buckel hat, soll nicht aussehen wie frisch geliftet“, ergänzte die studierte Restauratorin und Kulturmanagerin.

Jeder Arbeitsschritt wird am Computer dokumentiert

Drei Stationen erkundeten die Besucher am Sonntag. Der Restaurator Roland Hahn zeigte die Werkstatt für Gemälde und Skulpturen. Auch er geht bei der Restaurierung eines Bildes sehr sensibel vor: „Wir verwenden nur Aquarellfarben“, sagte er. Die seien chemisch am ungefährlichsten. Natürliche Stoffe haben für ihn und seine Kollegen oberste Priorität. Jeder Arbeitsschritt, den Hahn macht, dokumentiert er zudem am Computer. „Das ist heutzutage sehr wichtig“, sagte er. So wisse jemand anderes, der sich später mit dem Werk beschäftigt, sehr genau, was getan wurde.

Die Arbeit des Restaurators beschränkt sich aber nicht nur auf die Wiederherstellung alter Gegenstände. Andrea Funck und ihr Team sind häufig beim Auf- und Abbau von Ausstellungen dabei, begleiten Objekte, die an andere Häuser verliehen werden, und kümmern sich um die Gegenstände in den Depots. Dort versuchen sie, Schäden zu verhindern. „Präventive Konservierung nennt sich das“, sagte Funck, die als Leiterin der Abteilung schon lange nicht mehr selbst Gegenstände restauriert.

Die Führungen durch die Werkstätten sind bei den Besuchern beliebt. Auch ihr selbst liegt es am Herzen, der Öffentlichkeit zu vermitteln, was sie und ihre Mitarbeiter dort tun. „Es ist wichtig, unser Kulturgut zu erhalten. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft“, ist ihre Auffassung. Und ohne Objekte lasse sich die Geschichte Württembergs eben nicht erzählen.

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