Simone Wild Foto:  

Modeschaffende bieten noch bis Weihnachten ihre Kreationen im Pop-Up-Store des Landesmuseums an.

S-Mitte - Eigentlich verkauft die Designerin Simone Wild ihre Kreationen hauptsächlich im Ausland. Doch mit der Pandemie kamen die Stornierungen der Einkäufer. Viele Modeschaffende spüren die Auswirkungen der globalen Krise. Ihnen stellt das Landesmuseum im Rahmen seiner aktuellen Ausstellung „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ einen Pop-Up-Store an der Calwer Straße zur Verfügung. Bis Weihnachten gibt es hier vor allem nachhaltige Mode.

 

Alles auf eine Karte gesetzt

So hatte sich Simone Wild das Jahr 2020 nicht ganz vorgestellt. Zum Jahresbeginn gab sie ihren Job in einem Designerladen auf, um sich zu 100 Prozent auf ihr 2017 gegründetes Modelabel zu konzentrieren. Ihre hochwertigen samtenen Socken, Strümpfe und die Body Wear liefen zuletzt vor allem international richtig gut. Also beschloss die Stuttgarterin alles auf eine Karte zu setzen. Doch schon auf der Pariser Fashion Week Ende Februar, Anfang März zeichnete sich ab, was ziemlich bald schon viele Branchen erfassen sollte.

„Es waren weniger Leute da und es war klar, dass die asiatischen Einkäufer gar nicht kommen“, sagt sie. Für Wild, deren größter Markt in Japan ist, eine kleine Katastrophe. „Zu dem Zeitpunkt war aber alles noch sehr abstrakt.“ Das änderte sich jedoch bald. Eine Woche nach ihrer Rückkehr nach Stuttgart begann in Frankreich der erste Lockdown. „Ich habe dann noch etwas gewartet, bevor ich meine Produktion in Nordrhein-Westfalen in Auftrag geben wollte. Doch zwei Wochen später bekam ich von der Näherei die Info, dass sie meine Produktion stoppen, weil sie nur noch Masken nähen“, erzählt sie. Es sollten zwei weitere Monate vergehen, bis ihre Sachen doch produziert wurden. Doch da seien schon die ersten Stornierungen reingekommen. Dazu muss man wissen: Die Modebranche plant weit voraus. Anfang des Jahres bestellen Einkäufer aus der ganzen Welt in den Showrooms der Fashion Weeks in Berlin, Paris, New York oder Mailand die nächsten Herbst-Winter-Kollektionen für ihre Boutiquen. Im Herbst dann nochmal für das Frühjahr- und Sommergeschäft im Jahr darauf. Erst dann produzieren die häufig kleinen Unternehmer die neuen Kollektionen.

Online-Shop läuft gut

Laut der Designerin ist der persönliche Kontakt zu den Einkäufern auf den Messen unglaublich wichtig. Doch letztere sind jetzt alle ausgeblieben und damit auch die Bestellungen. „Es ist eine große Distanz entstanden zu den Kunden“, erklärt Wild. Auf E-Mails erhalte sie größtenteils nicht einmal mehr kurze Antworten. Doch es gab auch Positives. „Mein Online-Shop lief dafür besser. Ich bekam auch viel lokale Unterstützung“, sagt sie. Die Menschen interessierten sich plötzlich dafür, dass sie nachhaltig und in Deutschland herstellt. Sie verzeichne zwar dennoch mehr als zwei Drittel Einbußen, doch macht die Designerin weiter. Denn was einst mit handgenähten Samtsocken angefangen hat, ist eine große Kollektion aus Bodys, Oberteilen, Bademode und Strumpfvarianten. Ein Konzept, an das Simone Wild glaubt.

Der temporäre Verkaufsladen des Landesmuseums befindet sich an der Calwer Straße 42-44. Noch bis 21. November, kann man dort Eco-Fashion für Kinder und Erwachsene vom Label Macarons kaufen. Bis 5. Dezember zeigt die Modefotografin Monica Menez ihre unkonventionellen Bilder. Simone Wild eröffnet ihren Pop-Up Store am 10. Dezember. Einkaufen kann man dann bis zum 23. Dezember. Geöffnet ist jeweils Montag bis Samstag, 11 bis 19 Uhr.