Für Niko Zalac ist das Kapitel TV Echterdingen unfreiwillig beendet. Foto: Archiv Günter Bergmann

Der TV Echterdingen schließt die Landesliga-Hinrunde mit einem 0:2 in Neresheim enttäuschend ab. Schon zuvor suspendiert der Verein ein vermeintliches Leistungsträger-Duo.

Neresheim - Der Trainer musste erst einmal Luft holen und rang um Worte, die Spieler verschwanden flugs in der Kabine. Ihnen allen war bewusst, dass sie die Nummer verbockt hatten, erneut. Zum wiederholten Mal hatten die Landesliga-Fußballer des TV Echterdingen in dieser Saison die Chance, den Absprung in die obere Tabellenhälfte zu schaffen – ebenso zum wiederholten Mal ließen sie diese am Samstag liegen. Eine Woche nach dem 1:0-Heimcoup gegen den Titelanwärter Oberensingen ist mit einem 0:2 beim Aufsteiger SV Neresheim die umso größere Ernüchterung gefolgt. „Momentan ist keine wirkliche Weiterentwicklung zu sehen“, sagt der Coach Eisenhardt, der darüber hinaus in seinem Kader ein Aufregerthema hat. Er und der Verein haben sich mit sofortiger Wirkung von zwei Kickern getrennt.

Doppelter Rauswurf

Der blaue Brief kam bereits vor der aktuellen Partie. Die Adressaten: Niko Zalac und Thomas Ivan. Der TV Echterdingen hat entschieden, auf die Dienste beider Akteure fortan zu verzichten. Dies bestätigt der Abteilungsleiter Phillip Wunsch auf Nachfrage. Der Grund? Ende der Durchsage. „Das sind Interna, die wir nicht nach Außen geben werden“, sagt Wunsch.

Im Fall Zalac ist offenkundig, was das Maß voll gemacht haben dürfte. Im Sommer eigentlich als Abwehrstütze und Führungsspieler geholt, wurde der 29-Jährige stattdessen seinem eher schwierigen Ruf gerecht, der Skeptiker bereits bei seiner Verpflichtung hatte zweifeln lassen: Die Saisonvorbereitung eingerechnet, handelte der Heißsporn sich in nur vier Echterdinger Monaten vier Platzverweise ein – zweimal Gelb-Rot, zweimal glatt Rot. Bei Ivan soll es derweil, wie zu hören ist, mehr das Problem Trainingsbeteiligung und Teamgedanke gewesen sein. Eisenhardt habe ihn schließlich als „Unruheherd“ aussortiert.

Die Auswirkungen

Freilich: zugleich verliert der Filderclub durch die Suspendierung gleich zwei Innenverteidiger. Noch zwei Mann weniger also in einem durch langwierige Verletzungen eh schon ausgedünnten Aufgebot. Die Konsequenz ist für Eisenhardt klar: Es gilt, im Gegenzug auf dem Spielermarkt aktiv zu werden. „Wir müssen auf jedem Fall etwas tun“, sagt der Trainer. Sein Wunsch für die Winterpause: zumindest ein Neuzugang für die Abwehrzentrale – und auch einer für den Sturm. Dort sieht Eisenhardt ebenso Handlungsbedarf, haben die Seinen in der nun abgeschlossenen Hinrunde doch die zweitwenigsten Tore aller Teams erzielt: magere 16 in 15 Spielen, im Schnitt gerade mal etwa einen Treffer pro Partie.

Die Echterdinger Flaute

Am Samstag war es sogar keiner. Und bissig lässt sich anmerken: wie hätte es bei dieser Darbietung auch anders sein können, bedingen Tore doch, dass man überhaupt erst einmal Torchancen hat. Sieht man von ein paar halblebigen ab, stand der Zähler für die Echterdinger jedoch schon in dieser Rubrik bei Null. „So harmlos wie dieses Mal waren wir noch in keinem Spiel der Saison“, konstatiert Eisenhardt.

Die noch beste Möglichkeit vergab Tobias Heim in Hälfte eins. Per Kopf brachte er jedoch keinen richtigen Druck hinter den Ball.

Die Gegentore

So war früh klar, dass es für die Echterdinger an diesem Spieltag nur zwei annehmbare Wege geben kann: entweder mit einer dann wenigstens stabilen Abwehrleistung ein 0:0 über die Zeit zu bringen – oder vorne noch irgendwie einen Lucky Punch zu landen, irgendeinen Zufallstreffer. Doch auch das kam jeweils anders als erhofft.

In den zweiten 45 Minuten ging insgesamt nichts mehr. „Ein kompletter Leistungsabfall“, sagt Eisenhardt. Verlorene Zweikämpfe, unnötige Fouls, leichtfertige Ballverluste. Folgerichtig waren die beiden Gegentreffer. Vor dem ersten unterlief David Hertel den Ball, wodurch der Gegner plötzlich freie Bahn hatte. Der Neresheimer Torjäger und Kapitän Denis Werner vollendete (57.). Beim zweiten schließlich, aus einem Konter heraus, legte derselbe Spieler für seinen Mannschaftskollegen Armin Husic auf (89.). Da hatte Eisenhardt bereits auf eine Dreierabwehrkette umgestellt.

Die Zwischenbilanz

Die Gastgeber blieben damit auch im vierten Spiel unter ihrem neuen Trainer Manfred Raab ungeschlagen (zwei Siege, zwei Unentschieden). Letzterer hat bei den Ostalbkickern Ende Oktober den geschassten Aufstiegscoach Erdal Kalin beerbt. Der TV Echterdingen beendet die Hinrunde derweil mit 18 Zählern. Das sind zwar zwei mehr als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison und bedeutet auch „einen Platz über dem Strich“, sprich über der Abstiegszone, wie Eisenhardt anmerkt. Aber nur knapp. Und dass damit allein bei Gelb-Schwarz gerade keiner wirklich zufrieden ist, zeigte am Samstag ein Blick in die Gesichter. Eisenhardts grimmiger Kommentar: „Es geht bei uns in dieser Saison bislang zu oft in die Hosen. Wir brauchen eine Steigerung.“

SV Neresheim:
Aubele – Husic, Lukina, Hajtic, Knaus – Marianek, Wanner, Cay (84. Yoldas), Amir Werner (90.+2 Lo Giudice) – Bühler (60. Jakobschy), Denis Werner.

TV Echterdingen:
Kamphues – Kamdem Mabou, Stehle (85. Alonso), Plattenhardt (64. Kienzle), Hertel – Lenhardt, Zugac (46. Garcia-Franco) – Berisha (58. Bahadir), Heim, Knoll – Charalampidis.

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