Neu beim TV Echterdingen. Oben von links: Mahir Ege und Fatih Özge. Unten: Elvir Gashi und Deniz Bulut. Foto: Günter Bergmann

Als Ziel bleibt für den TV Echterdingen erneut nur der Ligaverbleib, wobei der Trainer vor allem von einem Spieler eine Steigerung erwartet.

Echterdingen - Im Theater gilt eine schlechte Generalprobe als gutes Omen. Dem Glauben nach folgt dann eine umso tollere Premiere. Lässt sich das auf den Fußball übertragen, können sie sich beim TV Echterdingen erwartungsvoll die Hände reiben. Denn der letzte Test vor dem Start in die zweite Saisonphase der Landesliga ist gehörig in die Hosen gegangen. Die Gelb-Schwarzen wurden auf eigenem Platz von den A-Junioren der Stuttgarter Kickers vorgeführt. Endstand: 1:6.

Doch so einfach ist es wohl nicht. Tatsächlich passt der Auftritt ins Bild eines Spieljahrs, in dem sich beim Filderclub erneut die Sorgenfalten wölben müssen. Es ist das dritte nacheinander im Abstiegskampf. Zweimal hat es zuletzt zu einem Last-Minute-Happyend gereicht, von dem Lästermäuler behaupten, die Echterdinger hätten schließlich jeweils mehr Dusel als Verstand gehabt. Aktuell gibt sich der Trainer Christopher Eisenhardt erst gar keinen Illusionen mehr hin. „Das alleinige Ziel ist, mit aller Macht die Klasse zu halten“, sagt er. Von der ursprünglichen Hoffnung, dieses 2019/2020 könnte zur Abwechslung mal wieder eine entspanntere Geschichte sein, ja womöglich sogar eine mit Überraschungspotenzial auf der anderen Seite des Klassements, hat nicht nur er sich bereits während der Hinrunde verabschiedet.

Die vier Neuen als Hoffnungsträger

Zu problembehaftet war Teil eins der Saison. Verletzungspech, kollektive Wankelmütigkeit, individuelle Formtiefs und anhaltende Torflaute ergaben einen an den Nerven zerrenden Schlingerkurs. Ein jedes Mal, wenn Eisenhardt und die Seinen glaubten, der Durchbruch wäre geschafft, ist prompt der nächste Dämpfer gefolgt. Entsprechend sehnt der Coach sich nun „nach Konstanz und Stabilität“. Hoffnungsträger sind dabei nicht zuletzt die Neuen im Aufgebot. In der Erkenntnis des dringenden personellen Handlungsbedarfs haben die Echterdinger in der Winterpause nachgelegt. Unter der Rubrik „Zugänge“ stehen vier Spieler, die allesamt höherklassige Erfahrung einbringen. „Zwei Erfahrene und zwei junge Dynamische – insgesamt vier Glücksgriffe, sowohl sportlich als auch charakterlich“, attestiert Eisenhardt schon jetzt.

Zuvorderst zu nennen ist Fatih Özge (26, Oberliga in Pforzheim, Verbandsliga in Heiningen, Pfullingen, Spielberg). Er soll fortan als Abwehrchef fungieren. Ebenfalls für die Innenverteidigung wurde Mahir Ege (26, Verbandsliga bei Calcio) geholt. Derweil verspricht das Youngster-Duo Elvir Gashi und Deniz Bulut (beide 20, beide vom Oberligisten SSV Reutlingen) frischen Wind im Mittelfeld.

Zwei unerwartete Abgänge

Freilich: demgegenüber stehen, die im November suspendierten Niko Zalac und Thomas Ivan eingerechnet, auch sechs Abgänge – darunter zwei, die so gar nicht vorgesehen waren. „Weh“ tut laut Eisenhardt der plötzliche Ausstieg von Nico Plattenhardt und Aris Charalampidis. Im Fall des Letztgenannten erstens ob der Art und Weise. Jener habe lediglich eine kurze Whatsapp-Nachricht geschickt. Tenor: bin dann mal raus. Seither Funkstille. Zweitens, weil gerade auf seiner Spielposition, im Angriff, ja eh schon Notstand war.

Mickrige 17 Törchen haben die Echterdinger in ihren bisherigen 16 Spielen erzielt. „Klar, für vorne hätten wir noch etwas gebraucht“, sagt Eisenhardt, dessen Kader nur noch 21 Kicker umfasst. Und da sind die Langzeitverletzten Vincenzo Parrinello (Aufbautraining nach Achillessehnenriss) und Johannes Kienzle (Mittelfußbruch) mitgezählt. Doch habe der Markt in Sachen Stürmer nichts hergegeben. Und so sind nun interne Lösungen gefragt – und Daumendrücken dafür, dass bei dem im Sommer eigentlich als Knipser verpflichteten Tahir Bahadir der Knoten platzt. „Er muss jetzt die Arschbacken zusammenkneifen, Gas geben und allmählich liefern“, sagt Eisenhardt.

Am besten gleich am Sonntag in Bad Boll. Vom Start, den ersten drei, vier Spielen, weiß der Trainer, hängt viel ab. Danach wird man in den Goldäckern mehr wissen: ob die Mannschaft die Kurve vorzeitig kriegen kann – oder ob das nächste große Zittern bis zum Ende droht. Das ist in diesem Fall keine Theater-Weisheit, sondern Einmaleins der Psychologie und schlichte tabellarische Mathematik.

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