Der Echterdinger Trainer Christopher Eisenhardt erwägt in der Not ein eigenes Comeback. Foto: Archiv Günter Bergmann

Der TV Echterdingen steckt in Personalnot. Derweil freut sich der SV Bonlanden aufs Verfolgerduell.

Filder - Vor Wochenfrist zum Wiederbeginn hat die Betriebstemperatur noch gefehlt. Nun, an diesem Sonntag, sollte sie da sein. Denn die beiden Fußball-Landesligisten von den Fildern stehen vor bedeutsamen Aufgaben. Während der SV Bonlanden im Verfolgerduell die Chance hat, sich selbst ins Aufstiegsrennen zu katapultieren, spielt der TV Echterdingen um Pflichtpunkte für den Klassenverbleib – und wird dabei womöglich mit einer personellen Überraschung aufwarten. Schlüpft der Trainer Christopher Eisenhardt selbst noch einmal ins Trikot?

NAFI Stuttgart – SV Bonlanden

Der Bucher Spielleiter Steffen Amann hat es unlängst so ausgedrückt: „Gott sei Dank müssen wir da in diesem Spieljahr nicht nochmal hin.“ Dessen Boller Amtskollege Adolf Schöllkopf konstatiert: „Wir haben dort uralt ausgesehen.“ Und in Neu-Ulm und Sontheim, wird gemunkelt, sind sie jetzt noch damit beschäftigt, ihre Beine nach ihren Hinrunden-Auftritten an selber Stätte zu entknoten.

Zuffenhausen, Kunstrasen Schlotwiese – der Ort des Schreckens für die Konkurrenz in dieser Saison? Acht Spiele hat das Heimteam NAFI Stuttgart in seinem Wahlzuhause zuletzt in Serie gewonnen und dabei 39 Treffer erzielt, im Schnitt fast fünf pro Partie. Man könnte sich als Gastmannschaft also in der Tat mit einem mulmigen Gefühl auf die Fahrt machen. Man könnte. Man muss es aber nicht. Der Bonlandener Trainer Klaus Kämmerer sagt: „Wir freuen uns auf diese Aufgabe. Gegen NAFI macht es immer Spaß, weil die einen technisch hochwertigen Fußball spielen und sich nicht hinten reinstellen.“ Da spricht einer, dessen Aufgebot selbst seit neun Begegnungen ungeschlagen ist – und das seinerseits im Gegenzug die bislang beste Defensive der Staffel stellt. Gemessen an diesen Vorzeichen, keine Frage, ist es das Knallerduell des Spieltags.

Angriffswirbel gegen Abwehrmacht

Die spannende Frage lautet: was setzt sich durch, Angriffswirbel oder Abwehrmacht? „Wenn man diesem Gegner den Raum zum Spielen lässt, dann nimmt er einen auseinander“, weiß Kämmerer. Eben das zu verhindern, ist die Vorgabe für die Seinen. Kompakt stehen, aggressiv anlaufen, entschlossen in die Zweikämpfe gehen. So, das der Gästeplan, soll ihm die Lust am Ballzauber vergehen, diesem Ensemble „an Ausnahmespielern“, wie Kämmerer es nennt. Ein Petruso, ein Parhizi, ein Kavak, die Bosnjaks – das sei alles hohe Qualität. Wobei zumindest im Fall des zweimaligen Ligaschützenkönigs Franco Petruso noch offen ist, ob er überhaupt mitwirkt. Vor Wochenfrist fehlte der 30-Jährige, nach Vereinsangaben verletzungsbedingt.

Kämmerer schöpft demgegenüber aus dem Vollen. Alle Mann fit. Der Coach hat die Qual der Wahl. Selbst Ömür Karatas bietet sich nach seinem Mittelfußbruch vom September wieder an. Sie alle sind heiß, sich nun mit einem Auswärtscoup für die unglückliche 0:2-Hinspielniederlage zu revanchieren – was mit einem interessanten Nebeneffekt verbunden wäre. Auch wenn es bei den Schwarz-Weißen keiner als Richtwert formulieren mag und auch wenn Kämmerer betont, die Tabelle sei für ihn „gerade uninteressant“: Mit einem Sieg wären die erst im Sommer wieder Aufgestiegenen selbst erneut im Aufstiegsrennen dabei. In diesem Fall betrüge der Bonlan­dener Abstand zum momentan zweitplatzierten Gegner lediglich noch zwei Punkte.

TV Echterdingen – 1. FC Germania Bargau

Nein, sie sind noch nicht mit Spinnweben überzogen. Und er musste sie auch nicht erst im Keller oder auf dem Dachboden suchen, seine Kickschuhe. Die hat Christopher Eisenhardt auch schon in den vergangenen Monaten immer mal wieder angehabt. „Gelegentlich juckt es halt noch in den Füßen“, sagt der Trainer. Und dann mischte er in den Übungseinheiten seiner Mannschaft kurzerhand selber mit. Freilich: dass es so weit kommen könnte wie jetzt, hätte auch Eisenhardt nicht gedacht. Schlüpft er für Sonntag nicht nur in seine erwähnten alten Treter, sondern sogar noch einmal ins Trikot?

„Das ist eine Option – für die Bank“, sagt der mittlerweile 35-Jährige, nachdem sich die Echterdinger Personalsituation weiter verschlechtert hat. Mitte der Woche waren es im eh nicht üppig besetzten Kader acht Ausfälle. Da macht Not erfinderisch. Liefe Eisenhardt am Ende auch auf, wäre es für den einstigen Kirchheimer Oberliga-Abwehrrecken ein Spielercomeback nach annähernd drei Jahren. Seine bislang letzte Wettbewerbspartie bestritt er im Juni 2016 als Aushilfskraft in der zweiten Mannschaft seines Vorgängervereins TSV Weilheim. Beendet hatte er seine Karriere eigentlich auch damals schon.

Sechs Mann fehlen definitiv

Definitiv fehlen werden gegen den Tabellenvorletzten Bargau Valentin Haug, Onur Aycil (beide krank), Nico Plattenhardt (Knieprobleme), Philipp Widmayer, Danijel Zugac (beide Zerrung) und David Hertel (weiter beruflich in Hannover). Darüber hinaus stehen Friedrich Pfeifer Koelln (beruflich bedingte Trainingspause) und Sven Dobler (Fieber) auf der Kippe. Zugleich kehrt von den bisher schon Fehlenden nur der neue Torhüter Admir Fajic ins Aufgebot zurück.

An der Erwartungshaltung ändert die Malaise gleichwohl nichts. „Bargau ist ein sehr unangenehmer Gegner. Aber wir spielen zuhause, und da wollen wir ein Zeichen setzen“, sagt Eisenhardt. Ein Sieg wäre ein wichtiger Schritt auf dem erhofften Weg zum frühzeitigen Klassenverbleib. Dabei spricht die Statistik einerseits für die Echterdinger: Ihr Gast aus Schwäbisch Gmünd ist das auswärtsschwächste Team der Liga. Andererseits hat der Tabellenvorletzte am vergangenen Spieltag erst dem SV Bonlanden ein 1:1-Unentschieden abgetrotzt.

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