Schlussstrich nach dann zwei Jahren: Christopher Eisenhardt geht. „Ein ungutes Gefühl“ hatte er schon seit November, wie er sagt. Foto: Archiv Günter Bergmann

Der TV Echterdingen und Christopher Eisenhardt beschließen eine Beendigung ihrer Zusammenarbeit im Sommer – vor allem, weil zwei der Beteiligten nicht miteinander können.

Echterdingen - Still ruht der Ball. Und dass eine solche Nachricht just in einer Phase wie der jetzigen mit umso größerem Gepolter einschlägt, das wissen sie natürlich auch beim Landesligisten TV Echterdingen. Aber manche Dinge erlauben dann halt selbst in Corona-Zeiten keinen Aufschub mehr. Stichwort Personalplanung für die nächste Saison. In der vergangenen Woche war in den Goldäckern Gipfelgespräch der Verantwortlichen – und die getroffene Entscheidung ist eine mit Knalleffekt. Sie lautet: der Verein und sein Trainer Christopher Eisenhardt beenden im Sommer ihre Zusammenarbeit. Ein Schlussstrich nach dann zwei gemeinsamen Jahren. Die branchenübliche Floskel „im beiderseitigen Einvernehmen“, die der sportliche Leiter Valentin Haug anführt, darf dabei ausnahmsweise für bare Münze genommen werden. Offenkundig tatsächlich auf beiden Seiten ist die Erkenntnis gereift, dass es miteinander nicht länger funktioniert – vor allem zwischen zwei Personen nicht.

Von „entstandenen Reibungspunkten und Abnutzungserscheinungen“ spricht Haug, ohne ins Detail gehen zu wollen. Eisenhardt konstatiert derweil, bei ihm habe sich bereits „seit November ein ungutes Bauchgefühl eingestellt gehabt“. Nicht bezüglich der Mannschaft, „aber auf anderer Ebene“. Weiß man, dass eben im November der Ex-Keeper Haug seinen aktuellen Posten angetreten hat und seither formal als Eisenhardts Vorgesetzter fungiert, lässt sich auch für Außenstehende eins und eins zusammenzählen.

Knirschen zwischen Sportchef und Trainer

Haug und Eisenhardt – es ist ein Zweckbündnis, in dem es mehr und mehr knirschte, wie zu hören ist. Ins Grübeln gebracht haben soll Eisenhardt spätestens die Tatsache, dass schon seit Wochen Sondierungsgespräche mit Spielern geführt worden seien, mit ihm und seinem Assistenten Daniel Heisig jedoch noch nicht. „Die Reihenfolge“, sagt Eisenhardt dazu knapp, „sollte eine andere sein.“ Definitiv mit Erstaunen registrierte der 36-Jährige, dass Haug im Hintergrund eine mögliche Verpflichtung des Ex-Profis Oliver Stierle auslotete – der Coach selbst entnahm es nach eigener Aussage der Zeitung. Gewusst habe er davon nichts. Und allemal verwundert, so ein Insider, hätten Eisenhardt schon zuvor die Begleitumstände der getätigten Wintertransfers. Viel Lob prasselte da auf den Amtsnovizen Haug ein. Gleich vier höherklassig erprobte Kicker neu in Echterdingen – chapeau! Eine wahrlich starke Leistung abseits des Rasens, dies mitten im Abstiegskampf. Das bislang unausgesprochene Aber, wenn auch nebensächlich vom Resultat her, ist: Eingefädelt habe die Wechsel gar nicht Haug, sondern Eisenhardt – was Ersterer selbst freilich auch nie anders behauptet hatte, in der Außendarstellung des Vereins allerdings so herüberkam.

Nachfolgersuche läuft

Nun also die beschlossene Trennung. Haug sieht „in einem nicht mehr unbelasteten Verhältnis den richtigen Zeitpunkt für einen Neuanfang“ – Eisenhardt seinerseits „den besten Zeitpunkt, um neue sportliche Wege zu gehen“. Allerdings, wie gesagt, erst nach Ablauf der aktuellen Runde. Für die mit Corona-Fragezeichen zu versehende Restzeit jener, so die feste Absicht, werden weiter Kräfte gebündelt – und steht für Haug nun die Suche nach einem Nachfolger an. „Der ,Eise’ ist ein exzellenter Fachmann. Ich bin überzeugt, dass er weiter mit hundert Prozent bei der Sache ist“, sagt der Sportchef einstweilen. So wie in den vergangenen 21 Echterdinger Eisenhardt-Monaten, in denen das sportliche Ziel, sich aus tabellarischen Krisenregionen in wieder andere Gefilde aufzuschwingen, zwar verfehlt wurde. Doch musste Eisenhardt auch zweimal einen personellen Großumbruch im Kader umsetzen. Er navigierte auf dauerhaft stürmischer See. „Ich habe eine wieder höhere Trainingsbeteiligung geweckt, junge Spieler gefördert. Und wir haben ein Gerüst aufgestellt, mit dem für die nächsten Jahre gute Voraussetzungen gegeben sind“, bilanziert Eisenhardt selbst.

Fehlt noch der erneute Klassenverbleib, die inzwischen abermals einzige verbliebene Richtmarke. Nach jetzigem Stand hätten die Gelb-Schwarzen diesen als Tabellenzehnter abermals knapp geschafft. Einem etwaigen coronabedingten Abbruch der Saison könnte der Filderclub mithin gelassen entgegensehen. In diesem Fall wäre das 1:2 vor vier Wochen gegen den SC Geislingen Eisenhardts letztes Spiel gewesen. Wer hätte es gedacht?

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