Seine ersten Anweisungen sind auf fruchtbaren Boden gefallen: Unter Klaus Kämmerer (Zweiter von links) fand der SV Bonlanden prompt in die Erfolgsspur zurück. Foto: Yavuz Dural

Der SV Bonlanden gewinnt im ersten Spiel unter seinem neuen Trainer trotz Unterzahl beim SC Stammheim mit 2:1.

Stammheim - Es war ein Einstand nach Maß. Nach dem 2:1-Sieg des abstiegsbedrohten Fußball-Landesligisten SV Bonlanden beim SC Stammheim dürften nicht nur dem neuen Trainer Klaus Kämmerer Steine vom Herzen gefallen sein. Auch der Abteilungsleiter Kurt Adam, den man selten so laut und emotional an der Seitenauslinie erlebt hat wie an diesem Sonntag, streckte nach dem Schlusspfiff die Fäuste gen Himmel und lag sich kurze Zeit später mit Kämmerer in den Armen.

Der Sieg gegen die ebenfalls im hinteren Tabellendrittel angesiedelten Stammheimer war ein durchaus verdienter – erst recht, wenn man bedenkt, dass die Gäste von den Fildern von der 26. Minute an mit einem Mann weniger auf dem Feld standen. Sebastian Liebenstein hatte die rote Karte gesehen, nachdem Stammheims Ugur Yilmaz im Strafraum zu Fall gekommen war. Der Schiedsrichter Christian Pittner (SG Jebenhausen/Bezgenriet) hatte die Aktion des Außenverteidigers als Notbremse interpretiert. Zweifellos eine harte Entscheidung. „Das war nie und nimmer Rot“, sagte Kämmerer.

Elfmeter-Parade von Günther

Dass die Bonlandener, die in Sachen Einstellung, Willen und Laufbereitschaft laut Coach eine „grandiose Vorstellung“ ablieferten, nicht schon da wieder den Glauben an sich selbst verloren, hatten sie ihrem Keeper Philipp Günther zu verdanken. Denn der parierte den fälligen Strafstoß von Emre Yildizeli und verhinderte so das mögliche 1:1. In Führung gegangen waren die Bonlandener bereits nach elf Minuten durch einen Treffer von Steffen Schmidt. Der Mittelfeldmann hatte nach 20 Minuten sogar das 2:0 auf dem Fuß gehabt, war aber freistehend am Stammheimer Schlussmann Milan Jurkovic gescheitert.

Nach der roten Karte änderte Kämmerer seine Aufstellung in ein 4-4-1-System mit Nico Presthofer und Stefan Adam in der Zentrale. Andreas Pottmeyer übernahm Liebensteins Position und sollte dort nichts mehr anbrennen lassen – mit einer Ausnahme: Zwei Minuten nach der verpassten Ausgleichschane war es erneut Yilmaz, der frei über die linke Seite kam, den Ball über den herauseilenden Günther schlenzte, aber nur die Querlatte traf.

Bänderriss bei Maximilian Schwarz

Dass die Gäste in Unterzahl agierten, war auch nach dem Seitenwechsel zunächst nicht zu merken. Benjamin Taubald per Kopf und im Nachschuss Julian Schwarz verpassten zwar fünf Minuten nach Wiederanpfiff noch das 2:0, in der 54. Minute aber bewies Rüchan Pehlivan seine ganze Klasse, als er nach einer Bonlan­dener Balleroberung und dem anschließendem Pass in die Schnittstelle der Abwehr des Gegners den Ball überlegt am Torwart vorbei ins Toreck schoss. Der schnelle Offensivmann hatte kurz darauf noch einmal eine Großchance, Jurkovic aber war auf der Hut, wie auch später noch einmal bei einem Schuss von Julian Schwarz. Dessen Bruder Maximilian im Übrigen wird den Bonlandenern noch vier Wochen fehlen. Die Sprunggelenkverletzung, die er sich vor einer Woche zugezogen hat, wurde inzwischen als Bänderriss diagnostiziert.

Eng wurde es für die Bonlandener schließlich noch einmal nach Ugur Yilmaz’ Anschlusstreffer (70.). Die Stammheimer nahmen das Bonlandener Gehäuse hernach unter Dauerbeschuss, fanden aber nicht wirklich einen Weg durch die vielbeinige Abwehr oder vorbei an Günther, der sich als starker Rückhalt erwies. „Das war heute ein Sieg des Teams. Ich bin dankbar, dass die Spieler mir einen so tollen Einstand beschert haben und werde nun alles tun, ihnen das zurückzugeben“, sagte Kämmerer. Der Coach hatte vor der Partie zwar noch angekündigt, dass er für diese nur in beratender Funktion seinem Co-Trainer Fabio Lapeschi zur Seite stehen wolle, aber denkste: Als habe es nie eine neunmonatige fußballerische Pause gegeben, dirigierte er sein Ensemble von der ersten Minute an gestenreich und mit viel Leidenschaft.

SC Stammheim:
Jurkovic – Bardaro, Onur Yilmaz, (61. Mavinga), Schunger, Djelassi – Quast, Griebel – Yildizeli, Tobias Oesterwinter, Herzog (82. Yürük) – Ugur Yilmaz.

SV Bonlanden:
Günther – Liebenstein, Ried, Taubald, Baradel – Adam – Pottmeyer, Schmidt, Presthofer (65. Böse), Pehlivan (80. Stannull) – Julian Schwarz (90. Kotaidis).

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