Entsetzen am Spielfeldrand: der Echterdinger Trainer Christopher Eisenhardt hätte in der einen verhängnisvollen Szene der Begegnung am liebsten gar nicht mehr hingeschaut. Foto: Günter Bergmann

Der TV Echterdingen bietet dem Tabellenführer Hofherrnweiler lange Zeit Paroli, verliert das Spiel dann aber wegen eines individuellen Aussetzers mit 0:1. Bittere Zugabe sind die Ergebnisse der Konkurrenz im Abstiegskampf.

Echterdingen - Manchmal erscheint Sport und im Speziellen Fußball einfach ungerecht: Über lange Zeit kann ein Spieler mit seiner Mannschaft alles richtig machen, den Gegner in Schach halten und am Erfolg schnuppern. Doch passiert nur ein schwerwiegender Fehler, ist innerhalb von wenigen Sekunden alles zuvor Erarbeitete dahin. Nico Plattenhardt und der TV Echterdingen wissen, von welchem Szenario die Rede ist. Am Sonntag haben sie es im Duell mit dem Landesliga-Spitzenreiter TSG Hofherrnweiler am eigenen Leib erfahren.

Eine Stunde lang hielt der Außenseiter und Abstiegskandidat mit dem großen Favoriten mit, ließ nur wenige Torchancen zu und brachte die gegnerischen Stürmer an den Rand der Verzweiflung. Die Echterdinger waren drauf und dran, die Überraschung zu schaffen. Sie hätten dem Tabellenführer beinahe einen Punkt abgeluchst. Aber eben nur beinahe. Denn in der 60. Spielminute machten die Gastgeber mit einer einzigen unnötigen Aktion ihren starken und couragierten Auftritt zunichte. Der erwähnte Plattenhardt erkämpfte sich auf der rechten Seite zwischen Strafraum und Außenlinie den Ball und hätte die Situation mit einem Befreiungsschlag entschärfen können. Doch der Rechtsverteidiger entschied sich für einen Querpass zu seinem Keeper Admir Fajic. Es war die falsche Entscheidung – was der 21-Jährige selbst sofort bemerkte. Doch da war es schon zu spät: Hofherrnweilers Pascal Weidl spritzte dazwischen, bedankte sich für das Geschenk und schob eiskalt zur Führung der Gäste ein. Bei diesem 0:1 sollte es bis zum Ende bleiben.

Fassungslosigkeit nach dem Gegentor

Der Trainer Christopher Eisenhardt stand fassungslos am Spielfeldrand. „Platte, Platte, klär doch das Ding nach außen!“, schrie er seinem Spieler zu und kickte seine Wasserflasche fluchend in Richtung Tribüne. Für Plattenhardt war die Partie damit gelaufen – dieser Aussetzer war zu viel für den Youngster. „Er hat bis dahin eigentlich ein gutes Spiel abgeliefert, aber ab da war er von der Rolle“, erkannte Eisenhardt, der den Unglücksraben deshalb acht Minuten später vom Feld nahm. Und auch nach dem Schlusspfiff hatte der Trainer noch sichtlich am einzigen Tor der Begegnung zu knabbern. „So einen Querpass habe ich nicht mal in der Jugend gespielt. Ich weiß nicht, was unseren jungen Spielern da durch den Kopf geht“, sagte Eisenhardt.

Es ist nicht das erste Mal in der laufenden Saison, dass die Echterdinger eigentlich einen guten Auftritt hinlegen, dann aber durch einen individuellen Fehler die Punkte herschenken. „In einer Woche macht der eine einen Fehler, der in der nächsten Woche wieder fehlerfrei ist. Dann macht aber ein anderer den Fehler“, klagte Eisenhardt und fügte hinzu: „Du kannst gegen Hofherrnweiler verlieren, aber wenn es durch so ein Gegentor passiert, ist es wirklich bitter.“

Nun in akuter Abstiegsgefahr

Noch bitterer wurde es für den Trainer, als er am Abend auf die Ergebnisse der Abstiegskonkurrenten schaute: Von denen haben Bad Boll, Neu-Ulm und Weilheim gewonnen, wodurch es für die Echterdinger nun ganz eng wird. Auf Tabellenplatz zwölf trennt sie nur noch die knapp bessere Tordifferenz vom Relegationsrang. Bedeutet: akute Abstiegsgefahr.

Doch Eisenhardt will auch das Positive aus der aktuellen Partie mitnehmen: „Wir haben viel Leidenschaft gezeigt, waren taktisch gut und zeigten uns in der zweiten Hälfte auch mutig im Spiel nach vorne“, sagte er. Und auch der Gäste-Trainer Benjamin Bilger hatte Lob parat: „Echterdingen war aggressiv, lauffreudig und eng am Mann. Ich hätte das nicht gedacht. Wenn sie so weiterspielen, steigen sie nicht ab.“

Es folgt das Derby in Bonlanden

Im knüppelharten Restprogramm will Eisenhardt mit seiner Mannschaft nun an die Leistung anknüpfen – und so die unglückliche Niederlage möglichst schnell vergessen machen. „Wir müssen weitermachen und dürfen uns nicht zerfleischen“, sagt er vor dem Filder-Derby am nächsten Freitagabend in Bonlanden. Dass seine Spieler das umsetzen können, zeigten sie in der letzten halben Stunde nach dem Gegentor: Die Echterdinger Elf versuchte bis zum Abpfiff alles, um noch den Ausgleich zu schaffen.

In den kommenden Wochen geht es darum, sich für den Aufwand auch zu belohnen. Dann erschiene der Fußball auch wieder gerecht. TV Echterdingen: Fajic – Plattenhardt (68. Chacon Pineda), Ivan, Stehle, Köse – Zogaj, Zugac (85. Brodbeck), Heim, Hertel – Knoll (75. Schaller), Pfeifer Koelln (75. Ungureanu). TSG Hofherrnweiler: Landgraf – Weisensee, Leister, Rief, Riedel (85. Christlieb) – Rembold, Borst, Ganzenmüller, Rieger (80. Avduli) – Queiroz Serejo (90. Köhnlein), Weidl (68. Frank).

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