Besiegelt: das Echterdinger Engagement des Torjägers Tahir Bahadir endet nach nur einer Saison. Foto: Günter Bergmann

Der TV Echterdingen treibt seine Planungen für die nächste Saison voran.

Echterdingen - Auf dem Rasen herrscht unverändert Stillstand. Hinter den Kulissen macht der Fußball-Landesligist TV Echterdingen derweil weiter Nägel mit Köpfen. Nach der Klärung der Trainerfrage für die nächste Saison sind die Gelb-Schwarzen nun auch im Spielerkader entscheidende Schritte weitergekommen. Klar ist mittlerweile: nach den jeweiligen Radikalumbrüchen der beiden vergangenen Sommer werden sich die Fans diesmal an deutlich weniger neue Gesichter gewöhnen müssen. Vom bisherigen Personal bleiben 16 Kicker erhalten, darunter in Alexander Fregien der Senkrechtstarter der aktuellen Runde. Zugleich stehen vier Stammkräfte als Abgänge fest.

Das heißt: einer wird kein wirklicher Abgang sein. Max Knoll verlässt den Filderclub nicht. Der Routinier, von anhaltenden Knieproblemen geplagt, hat sein Karriereende beschlossen – und zugleich einen vereinsinternen Postenwechsel, vom Spielfeld auf die Funktionärsebene. Knoll soll fortan im Marketing- und Sponsoringbereich mitwirken. In drei anderen Fällen haben die Echterdinger von sich aus den Daumen gesenkt: Tahir Bahadir, Melvin Alavac und Sebastian Lenhardt spielen in den Planungen keine Rolle mehr. Ihnen wurde keine Vertragsverlängerung angeboten. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es da für die sportliche Entwicklung der Mannschaft und vom Gesamtpaket her nicht ganz so passt“, sagt der sportliche Leiter Valentin Haug. „Wir“ gleich er und der künftige Coach Giuseppe Iorfida (vom SV Unterweissach), der wie berichtet den scheidenden Christopher Eisenhardt (zum TSV Bernhausen) beerbt.

Kritik von Bahadir

Zumindest bei Bahadir überrascht diese Entscheidung, galt der Torjäger doch nach wie vor als Versprechen für die Zukunft – dies trotz seines missratenen Premierenjahrs im Echterdinger Trikot. Sein dann immerhin starker Start ins Kalenderjahr 2020 mit drei Torbeteiligungen beim 3:0-Sieg in Bad Boll hatte eigentlich Hoffnungen auf einen Leistungsdurchbruch genährt. Freilich: dass es nun zur Trennung kommt, entspricht ebenso Bahadirs eigenem Wunsch, wie jener auf Nachfrage sagt. „Auch ich wollte nicht mehr. Mir gefällt das Konzept nicht“, sagt der 23-Jährige. Innerhalb kurzer Zeit habe der Verein mehrere für ihn „wichtige Leute“ aussortiert. Gemeint sind Eisenhardt, Alavac sowie die bereits im November suspendierten Bahadir-Kumpel Niko Zalac und Thomas Ivan.

Außerdem fix ist, dass der Youngster Michael Pasti zurück in die eigene zweite Mannschaft wechselt und dass die Langzeitverletzten Marc Brodbeck und Raffael Rizzo aufhören – wonach laut Haug nur noch zwei Fragezeichen stehen, und zwar hinter den Namen Vincenzo Parrinello und Mahir Ege. Mit dem von einem Achillessehnenriss genesenen Spielmacher sowie dem Winterpausen-Einsteiger stehen Gespräche noch aus. Die Tendenz? „Ausgang völlig offen“, sagt Haug.

Handlungsbedarf in der Offensive

Letzterer sieht so oder so einen guten Grundstock geschaffen. Eine Basis, die nun als Nächstes durch Neuzugänge angereichert werden soll. Handlungsbedarf besteht vor allem im Offensivbereich. Spruchreif ist auf der Zugewinnseite bislang nur der Wiedereinstieg des Verteidigers Nico Plattenhardt (nach halbjähriger Studiumspause). Haugs Ziel: „Am Ende eine Mannschaft haben, die in der kommenden Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird.“ Schon wieder größere Erwartungen zu formulieren, hielte er für vermessen. Zuletzt drei Spieljahre des permanenten Abstiegskampfs haben in den Goldäckern ein Stück weit demütig gemacht. Auch zeichnet sich ab, dass 2020/2021 coronabedingt unter verschärften Bedingungen stattfinden wird.

Gehen die Verbandspläne von aktuellem Saisonabbruch und heuer ausgesetztem Abstieg wie erwartet auf dem Verbandstag am 20. Juni durch, erhöht sich die Mannschaftszahl in der Landesliga auf 19 – drei Teams mehr als bisher. Um diesen Überhang wieder auszugleichen, wird es im Jahr darauf umso mehr Absteiger geben müssen.

Einstweilen gehört der TV Echterdingen zu jenen Clubs, die sich mit einem Abbruch allemal anfreunden können. Auf diesem Weg ist ihnen der Klassenverbleib sicher – zur Abwechslung einmal ohne Zittern bis zum letzten Spieltag. Und das, obwohl in der Tabelle der eigene Abstand zur Abstiegszone lediglich einen Punkt beträgt. Wer weiß, was ohne Corona und bei einer Fortsetzung der Saison auf dem Rasen noch passiert wäre?

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