Unter Zugzwang: der Trainer Klaus Fischer, der mit dem SV Bonlanden auf einen alten Rivalen trifft. Foto: Yavuz Dural

Die Vorschau zum 18. Spieltag mit Fokus auf die Filderteams.

Filder - Eine Gute-Laune-Pille, ein positives Startsignal mit beflügelnder Wirkung für die weiteren Aufgaben – so hatten sie es sich erhofft gehabt. Allein: die Realität sah für die drei Fußball-Landesligisten von den Fildern am vergangenen ersten Spieltag des Kalenderjahrs dann anders aus. Und so ist klar, um was es nun am Wochenende geht: Siege müssen her, insbesondere für den gestürzten Spitzenreiter Calcio Leinfelden-Echterdingen und den SV Bonlanden. Beide laufen andernfalls Gefahr, den Anschluss zu verlieren – die einen ganz oben in der Tabelle, die anderen unten im Keller.

Calcio Leinfelden-Echterdingen – TSG Hofherrnweiler

Wie hat es der Trainer Cataldo Diletto angekündigt, trotzig und noch mitten in der Enttäuschung über den verpatzten Start? Okay, dieses erste Spiel in Stammheim sei verloren – so weit, so schlecht. Aber, so die prompte Ansage an die eigenen Reihen: Meister werde am Ende dennoch nur einer, nämlich „wir“, mithin Calcio.

Dieser Angriffsankündigung müssen nun Taten folgen. Es darf angenommen werden, dass der Rivale Ebersbach an diesem Wochenende auch die Hürde beim Schlusslicht in Buch nimmt. Also brauchen die Echterdinger ebenfalls einen Sieg, damit an der Tabellenspitze nicht ruckzuck eine Kluft entsteht. Doch warnt der Echterdinger Fußballchef Michael Alber vor dem anstehenden Gegner: „Das wird eine sehr schwere Aufgabe“, ist er überzeugt. In der Hinrunde mischte der Aufsteiger TSG Hofherrnweiler lange im oberen Tabellendrittel mit, ehe ihm erst auf der vorweihnachtlichen Zielgeraden die Puste etwas ausgegangen ist. Vor allem die im Sommer vom großen Nachbarn VfR Aalen verpflichteten Philipp Leister und Niklas Groiß stellten sich als Leistungsträger heraus.

Paurevic und Gümüssu gesperrt

Demgegenüber muss Diletto zumindest auf zwei Positionen umbauen. Christopher Paurevic und Gökhan Gümüssu sind nach ihren Platzverweisen vom vergangenen Wochenende gesperrt. Paurevic, der sich zu einem Ellbogenschlag hinreißen ließ, dürfte zudem vereinsintern noch ein paar Worte zu hören bekommen. „Es ist durch verbale Ausdrücke weit unter der Gürtellinie provoziert worden“, sagt Alber, „aber trotzdem darf ihm so etwas natürlich nicht passieren.“

Gut möglich, dass nun als Ersatz in der Innenverteidigung der Winterpausen-Neuzugang Niko Zalac zu seinem Startelfdebüt kommt. Weiterhin nicht dabei ist Emrah Basol (Muskelfaserriss), während Faton Sylaj und Theofilios Jan Orfanidis grippale Infekte auskuriert haben.

TSV Köngen – TV Echterdingen

Ist es nur ein komischer Zufall? Eine zusammenhanglose Fügung also, dass es gerade gegen diesen Gegner so oft schief gegangen ist? Oder steckt mehr dahinter: verhält es sich vielmehr so, dass selbiger verflixte Kontrahent den Kickern des TV Echterdingen schlicht nicht liegt? Die Antwort darauf vermag beim Filderclub keiner wirklich zu geben. Fakt ist: viermal sind die Gelb-Schwarzen seit Mai 2012 zu Pflichtspielen in der Köngener Fuchsgrube angetreten – viermal kehrten sie als Verlierer heim. 1:3, 2:3, 1:2, 0:2. Man kann demnach mit Fug und Recht von einer Echterdinger ­Angststätte sprechen, wenn die Reise am Sonntag nun erneut zum derzeitigen Tabellenelften geht. Was der Trainer zur besagten Serie meint? „Es wird Zeit, sie zu beenden“, merkt Aleksandar Kalic knapp und knur­rig an.

Heißer interner Konkurrenzkampf

Dafür werden sich die Seinen vor allem in einem Punkt steigern müssen: der Chancenverwertung. Vor allem jene war es, die vor Wochenfrist einem Wunschstart in die zweite Saisonphase im Wege stand. Zur Erinnerung: nachdem es Kalics Mannen versäumt hatten, ihre Führung auszubauen, verpasste ihnen der Gegner TSV Weilheim in der Nachspielzeit mit dem 1:1-Ausgleich eine kalte Dusche. „Ein bissschen hat auch die Geilheit gefehlt, unbedingt ein zweites Tor machen zu wollen“, sagt Kalic, der sein Team gleichwohl in einer „sehr guten Verfassung“ sieht – Letzteres auch deshalb, weil sich gerade keiner auf seinem Posten ausruhen kann. Um die Plätze in der Anfangsformation läuft ein heißer interner Konkurrenzkampf. Gleichwohl nach den Langzeitverletzten Meksud Colic (Aufbautraining nach Patellasehnenreizung) und Dominik Mayer (Bandscheibenvorfall, Comeback frühestens im Mai) in Dennis Garcia-Franco (Muskelfaserriss) eine dritte eigentliche Stammkraft ausfällt, hat der Coach die Qual der Wahl. „Die Jungs, die zuletzt im zweiten Glied standen, üben ziemlich Druck aus“, sagt er. Beispiel Denis Kroer. Beispiel Michael Haigis. Beispiel Vinko Cosic. Der A-Jugendliche könnte durchaus zu seinem ersten Startelfeinsatz kommen.

Als sicher gilt, dass Denis Kühnle die nach Garcia-Francos Ausfall verwaiste linke Verteidigerposition übernimmt – und dass David Hertel diesmal wieder auf dem Rasen steht. Der Kapitän hatte am vorigen Spieltag wegen einer starken Erkältung gefehlt.

Hertel, das nebenbei, ist einer von nur zwei Spielern des aktuellen Kaders, die bei allen gescheiterten Echterdinger Anläufen in Köngen mitwirkten. Der andere: Antonino Rizzo. Ihr Ehrgeiz dürfte mithin ein besonderer sein.

SV Bonlanden – SC Geislingen

Nein, damit kein Missverständnis aufkommt: sie haben am vergangenen Wochenende wegen der witterungsbedingten Absage ihrer Partie in Buch selbst gar nicht gespielt und folglich diesmal auch nicht verloren. Und dennoch: das schale Gefühl einer weiteren Niederlage blieb für die Kicker des SV Bonlanden und deren Coach. Letzterer, Klaus Fischer, hatte auf seiner ersatzweise anberaumten Beobachtungstour auf gegnerischen Plätzen nämlich recht Unangenehmes zu registrieren. Nicht nur, dass im TSGV Waldstetten und SC Stammheim zwei unmittelbare Konkurrenten seiner Mannschaft im Abstiegskampf überraschend dreifach punkteten, wonach der eigene Abstand selbst zum Relegationsplatz nun schon vier Zähler beträgt. Auch, sagt Fischer, „war bemerkenswert, wie diese Teams aufgetreten sind“.

Geislinger Auswärtsstärke

Einsatz bis an die Schmerzgrenze. Kämpfen, kratzen, beißen fürs Ziel Klassenverbleib. Was die Stunde für die Bonlandener geschlagen hat, ist damit gleich einmal anschaulich dargestellt. Die spannende Frage ist: kriegen die Schwarz-Weißen es hin, sich nun auf die gleiche Weise zu präsentieren? Nötig wäre es. „Noch ist die Situation nicht tragisch, aber wir kommen langsam unter Zugzwang“, sagt Fischer. Für Tabelle, Stimmung und Nervenkostüm sollte an diesem Samstag gleichermaßen ein Erfolgserlebnis her – zweitrangig dabei, dass der Gegner im SC Geislingen eines der Schwergewichte der Staffel ist. Der Tabellenfünfte aus dem Eybacher Tal hat von seinen bisherigen neun Auswärtsspielen dieser Saison nur eines verloren (1:2 bei Calcio Leinfelden-Echterdingen). Und er darf sich seinerseits keine Ausrutscher mehr leisten, wenn er seine kleine Chance in Sachen Vizemeisterschaft und Aufstiegsrelegation wahren will.

Eine zusätzliche Brisanz rührt her aus der Vergangenheit der beiden sich gegenüberstehenden Trainer. Mit seinem Pendant Uli Haug hat Fischer bereits vor Jahrzehnten die Klingen gekreuzt: Als Spieler trugen die beiden in der Oberliga, der damals noch dritthöchsten Spielklasse, manch heiße Begegnung aus – Fischer im Pforzheimer Trikot, Haug schon seinerzeit für Geislingen. „Wir schätzen uns gegenseitig“, sagt Fischer – und ergänzt: „Natürlich, ein jeder von uns will gerade diese Partie gewinnen.“

Drei Stammkräfte fehlen

Sonstige Personalien? Ausfallen werden auf Bonlandener Seite nach Markus Großhans (Bänderdehnung im Knie) zwei weitere potenzielle Startelf-Spieler: Felix Böse hat sich zum Bedauern seines Coachs in den Kurzurlaub verabschiedet. „Schade“, sagt Fischer, „er war gerade richtig gut drauf.“ Und Julian Schwarz legt eine Pause ein, nachdem er Anfang der Woche erstmals Vater geworden ist. Wer stürmt, ist somit kampflos geklärt: Der jüngere Schwarz, Vorname Maximilan, soll als einzige Spitze auflaufen.

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