Schlüsselfigur fürs Nachbarschaftsduell? Foto: Yavuz Dural

Aufstiegsträume gegen Abstiegssorgen: in der Landesliga steigt an diesem Freitagabend zwischen dem SV Bonlanden und dem TV Echterdingen das Filder-Derby.

Bonlanden - Es gibt Spiele, die vergisst man nicht. Ein paar wenige vielleicht sogar nie in seiner Karriere. Die prägen sich zu tief ins Gedächtnis ein. Die Begegnung vom 18. Oktober dieser Saison gehört dazu. Eine Partie, die taugt, auf der einen Seite auch heute noch Spielerherzen hüpfen zu lassen, auf der anderen derweil einen kalten Schauer über den Rücken jagt. 6:2! Das war das Ergebnis. Mit jenem hat der SV Bonlanden seinen Gegner TV Echterdingen in dessen Stadion schließlich gedemütigt. Nun, an diesem Freitagabend, folgt das Wiedersehen. Humboldtstraße, 18.30 Uhr: Landesliga-Derby, Teil zwei. Und auch ohne ein Säbelrasseln der Beteiligten ist für reichlich Brisanz gesorgt. Denn die Ausgangslage hat sich zugespitzt. Während die jetzigen Gastgeber vom gleich nächsten Aufstieg träumen dürfen, geht bei den Gästen die Abstiegsangst um – und läuft sich deren größtes Schreckgespenst des Hinspiels schon einmal warm.

Die Ausgangslage

Gegensätzlicher könnte jene kaum sein. Hüben die Bonlandener, die von ihren vergangenen 16 Punktspielen nur eines verloren haben. Eine Mannschaft, die in den vergangenen Monaten nicht selten mit der Brachialität einer Dampfwalze über ihre Gegner hinweggerollt ist – nicht nur zum Leidwesen ihres Fildernachbarn beim erwähnten 6:2. Einer ganzen Reihe von Widersachern ist es keinen Deut besser ergangen. So kommt es, dass die ja erst Aufgestiegenen nun sogleich an die nächsthöhere Ligatür klopfen. Mit einem Sieg kletterten die Schwarz-Weißen zumindest bis Samstag wieder auf den Relegationsplatz zwei – und könnten dann entspannt verfolgen, was der Mitanwärter Waldstetten an diesem Spieltag im Gipfelduell beim Tabellenführer in Hofherrnweiler macht. „Es sind nach wie vor drei, vier Teams, für die im Rennen um die Vizemeisterschaft alles möglich ist. Wir wollen unsere Aufgaben erledigen“, sagt der Trainer Klaus Kämmerer.

Drüben derweil die Echterdinger, denen das Wasser auf Halshöhe gestiegen ist. Sieben Punkte Abstand waren es zwischendurch schon zur Abstiegszone, mittlerweile sind es null. Brutal sind die Gelb-Schwarzen ihrer Hoffnungen beraubt worden, diesmal könnte ihnen eine Zittersaison erspart bleiben. Sechs Spieltage vor Rundenschluss ist klar: es wird erneut ganz, ganz eng. Immerhin aber haben die jüngsten Leistungen in Buch (1:1) und bei der unglücklichen Heimniederlage gegen den Klassenprimus Hofherrnweiler (0:1) Mut gemacht. Mitnichten bloß als Pfeifen im finsteren Wald will es der Trainer Christopher Eisenhardt verstanden wissen, wenn er sagt: „Ich habe keine Bauchschmerzen. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Ende über dem Strich stehen werden.“ Im Fall einer nächsten Schlappe aber definitiv erst einmal drunter. Da sich die Kellerrivalen Neu-Ulm und Weilheim direkt gegenüberstehen, würden Eisenhardt und die Seinen zumindest einen weiteren Platz einbüßen.

Der Blick auf den Gegner

„Schwierig, schwierig“, sagt Kämmerer – und schätzt: „Die Echterdinger sind gerade in einer Phase, in der sie spielen können, was sie wollen, und kriegen doch eine mit.“ Sollte es den Nachbarn am Ende tatsächlich im Abstiegskampf erwischen, kein Schmäh und keine Heuchelei, Kämmerer fände es „schade“. „Schließlich spielen wir in der Liga lieber gegen Echterdingen als etwa Neu-Ulm.“ Und schließlich gibt es dorthin die engeren Bande. Ein Max Knoll gehörte in Vaihingen einst zu Kämmerers Lieblingsschülern. Unter dem Coach entwickelte der heute 29-Jährige sich am Schwarzbach zum Leistungsträger, Torjäger und Kapitän. Seit der Winterpause kickt Knoll nun beim Gegner. Heißt: heute Abend muss die Freundschaft für gut 90 Spielminuten ruhen.

Demgegenüber attestiert Eisenhardt den Bonlandenern „eine enorme Stärke gerade zuhause“. „Das ist eine Mannschaft mit guten, einstudierten Abläufen“, sagt er – „und mit sehr guten Einzelspielern.“ An wen er vor allem denkt? „Presthofer, Schmidt, Yilmaz, Baradel – und Savic.“ Savic, Vorname Srdjan, genau. Insbesondere der hat sich nachhaltig ins Echterdinger Gedächtnis eingegraben. Es ist der Akteur, der im Hinspiel zum Schreckgespenst schlechthin avancierte. Mit vier Toren verhagelte Savic den Mannen aus den Goldäckern damals nahezu allein die Krautfeststimmung.

Das Personal

Schlechte Kunde in diesem Zusammenhang für die aktuellen Gäste: eben Savic befindet sich passend zum jetzigen Wiedersehen erneut auf Betriebstemperatur. Zuletzt hatte der Routinier wegen privater Verpflichtungen in seiner Heimat geweilt und somit im Kader etwas den Anschluss verloren. „Jetzt ist er aber wieder in dem Zustand, wie wir ihn kennen“, sagt Kämmerer – was wie eine Drohung an den Gegner Echterdingen klingt.

Außer den Langzeitverletzten Sascha Häcker und Alexander Ringger sowie Steffen Günther (Auszeit wegen Prüfungen) hat Kämmerer alle Mann an Bord – auch das ein Kontrast zum Amtskollegen Eisenhardt. Jener ächzt weiter unter einer personellen Malaise. Auf seiner Ausfallliste stehen unverändert die Namen Philipp Widmayer, Simon Lechleitner, Sebastian Lenhardt und Onur Aycil. Hinzu kommt Marc Brodbeck, den es erneut im Oberschenkel zwickt. Zugleich kehrt nur einer der schmerzlich Vermissten ins Aufgebot zurück. Der Kapitän und Abwehrchef Dennis Garcia-Franco hat seine Rotsperre abgesessen. Keine Frage für Eisenhardt, dass der 32-Jährige auch gleich wieder spielt.

Die Vergangenheit

Überbezirklich ist es seit der Ligenreform Ende der 1970er-Jahre erst die vierte Saison, in der es das Derby im Punktspielbetrieb gibt. Sonst waren beide Vereine stets in verschiedenen Spielklassen unterwegs. Die wenigen direkten Duelle hatten es freilich schon des Öfteren in sich, nicht nur im besagten vergangenen Oktober. In der Statistik stehen zum Beispiel auch noch ein Bonlandener und ein Echterdinger 4:0, beides anno 2015.

Verrückte und unerwartete Ergebnisse allesamt. Kommt nun das nächste hinzu? Vergessen würde es in diesem Fall wohl erneut keiner so schnell, hätte es doch diesmal obendrein im Klassement eine womöglich einschneidende Bedeutung.

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