Echterdinger Hoffnungsträger: Friedrich Pfeifer Koelln ist aus Brasilien zurück und darf nun gegen den Tabellenführer wohl gleich wieder ran. Foto: Archiv Günter Bergmann

Für die Landesligisten SV Bonlanden und TV Echterdingen zeichnet sich ein heißes Saisonfinale ab.

Filder - Endspurt in der Fußball-Landesliga. Nach der zweiwöchigen Osterpause geht es von diesem Wochenende an in die sieben letzten Punktspieltage der Saison – und damit, wenn die Anzeichen nicht trügen, ein spannungsgeladenes Herzschlagfinale für die beiden beteiligten Filderteams. Während den SV Bonlanden aktuell nur ein Punkt vom Aufstiegsrelegationsplatz trennt, droht dem TV Echterdingen das erneute große Zittern um den Klassenverbleib. Oder gelingt den Gelb-Schwarzen nun ausgerechnet gegen die Übermannschaft der Staffel ein Befreiungsschlag?

SV Ebersbach – SV Bonlanden

Bühne frei fürs finale Aufstiegsmikado. Wer zuerst wackelt, der verliert. Oder, um es mit dem Bonlandener Trainer Klaus Kämmerer zu sagen: „Die Mannschaft, die sich ab jetzt noch Fehler leistet, wird im Hintertreffen sein.“ Zumindest, was das Rennen um den zweiten Tabellenplatz betrifft. Jenes, der Kampf um die Relegationsteilnahme hinter dem an der Spitze weit enteilten Klassenprimus Hofherrnweiler, hat sich in dieser Woche weiter zugespitzt. Nach dem Geislinger Sieg im Nachholspiel in Bad Boll liegen vier Teams nahezu gleichauf, mittendrin in diesem Pulk der SV Bonlanden. Dessen Vorteil? „Wir haben keinerlei Druck“, sagt Kämmerer, der mit den Seinen ja im vergangenen Jahr erst aufgestiegen ist. Insofern befinde man sich in „einer komfortablen Situation“. Nichts muss, alles kann – wobei sich ein finaler Coup nach wie vor aus eigener Kraft bewerkstelligen ließe. Mit den beiden aktuell vor Kämmerer und den Seinen platzierten Mitbewerbern stehen noch die direkten Duelle an. Am 12. Mai werden die Schwarz-Weißen in Waldstetten zu Gast sein, und am 18. Mai kommen die erwähnten Geislinger an die Humboldtstraße.

Nun steht aber erst einmal die Aufgabe in Ebersbach an – und mit ihr das Vorhaben, nach dem zuletzt überraschenden 0:1 gegen Bad Boll, der ersten Niederlage seit sechs Monaten, an diesem Samstag sogleich wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Das Motto: die Serie ist futsch, damit volle Kraft voraus für eine neue. Inwieweit es sich dabei auswirkt, dass der Gegner seinerseits mit einem Leistungstief gerade alle Chancen auf höhere Weihen verspielt hat, bleibt abzuwarten. Für Kämmerer sind die Ebersbacher eines der Rätsel der Liga. „Seltsam bei der Qualität der Mannschaft“, sagt er. Andererseits aber auch schon ein Stück weit Gewohnheit. Seit Jahren schon werden die Filstalkicker anfangs zum Favoritenkreis gezählt – und ebenso seit Jahren befinden sie sich am Ende doch im geschlagenen Feld.

„Absoluter Ausnahmespieler“

Aufzupassen gilt es vor allem auf den Torjäger Caglar Celiktas. In dem einstigen Kickers-Kicker sieht Kämmerer „einen absoluten Ausnahmespieler“. Demgegenüber bleibt es auf Bonlandener Seite beim gehabten Aufgebot. Die Stammkräfte Sascha Häcker (Ödem im Knie, wohl noch zwei Wochen Pause) und Alexander Ringger (ebenfalls Knieverletzung) fallen unverändert aus. Ein anderer, Rüchan Pehlivan, steht nun in dieser Saison definitiv nicht mehr zur Verfügung. Nachdem er sich seit Januar beruflich bedingt in der Türkei befunden hatte, ist für den 25-Jährigen im Job nun gleich der nächste Auslandsaufenthalt angesagt, diesmal in Polen. Einsteigen soll er, anders als ursprünglich gedacht, erst wieder zur Sommervorbereitung aufs kommende Spieljahr.

TV Echterdingen – TSG Hofherrnweiler

Zu seinen Spielerzeiten galt er als furchtloser Verteidiger. Und ähnlich handhabt es Christopher Eisenhardt auch jetzt in seiner fußballerischen Zweitkarriere. Angstschweiß? Wacklige Knie? „Kein Grund dafür. Wir werden alles reinhauen und kämpfen bis zum Umfallen“, verspricht der Trainer des TV Echterdingen. Die Aussicht, dass es in der Tabelle an diesem Wochenende womöglich noch enger wird? „Interessiert mich nicht die Bohne“, sagt Eisenhardt. Für ihn liegt die Wahrheit 90 Minuten lang auf dem Platz, nirgends anders. Die Faktoren drumherum versucht er für sich und die Seinen auszublenden – wohl wissend, dass jene bei genauerer Betrachtung sehr wohl mulmig stimmen könnten.

Nicht nur, dass auf die Echterdinger in den nächsten Wochen ein Hammerprogramm wartet. Bis Ende Mai treffen sie ausschließlich auf Gegner, die selbst noch um den Aufstieg spielen. Hofherrnweiler, Bonlanden, NAFI Stuttgart, Oberensingen, Weilimdorf – so lautet das Aufgabenpaket. Gleichzeitig steht die direkte Konkurrenz im Kampf um den Klassenverbleib vor Schlüsselaufgaben. Gewinnt etwa der TSV Weilheim am aktuellen Spieltag gegen das Schlusslicht aus Bargau, könnte der Echterdinger Abstand zum ersten Direktabstiegsplatz schon am Sonntag auf mickrige zwei oder drei Punkte schmelzen. Spätestens dann zeichnete sich das ab, was Eisenhardt und dessen Mitstreiter unbedingt hatten vermeiden wollen: ein erneutes Zittern bis zum Ende der Saison. Willkommen im nächsten Abstiegskrimi.

Bänderriss bei Lenhardt

Es sei denn, es gelingt nun die ein oder andere Überraschung. Der Coach hofft gleich gegen Hofherrnweiler darauf – auch wenn es sich beim Widersacher um „den schwerstmöglichen“ handelt. Es ist der designierte Meister, die nach Eisenhardts Einschätzung „klar beste Mannschaft der Liga“. Kein Wunder. Als Filiale des VfR Aalen haben die Ostalbkicker in ihrem Kader neun Spieler vereint, die einst für die damalige Zweitliga-Reserve des großen Nachbarn die Kickschuhe schnürten. Demgegenüber kommen die Echterdinger weiter arg gerupft daher. Auf der langen Ausfallliste hat sich inzwischen auch noch Sebastian Lenhardt (Bänderriss im Sprunggelenk) eingereiht. Der Abwehrchef Dennis Garcia-Franco ist nach wie vor rotgesperrt. Er darf erst wieder im Derby am kommenden Freitag in Bonlanden ran.

Wieder dabei sind dagegen Friedrich Pfeifer Koelln sowie eventuell Marc Brodbeck und Thomas Ivan. Pfeifer Koelln war gerade drei Wochen im Brasilien-Ulraub, dürfte aber gleich in die Startelf zurückkehren. „Er ist ein Spieler, wie wir ihn jetzt brauchen“, sagt Eisenhardt. Erfahren, krisenerprobt – und vor allem furchtlos.

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