Das Überlinger Landesgartenschaugelände liegt direkt am Bodensee in Sichtweite zur Mainau. Foto: Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH/Jürgen Heppeler

Im vergangenen Jahr hat Überlingen seine Gartenschau wegen Corona auf 2021 verschoben. Doch das war angesichts der Coronazahlen wohl ein Fehler. Und was machen die Gartenschauveranstalter in Lindau und Eppingen?

Überlingen - Die große Eröffnungsfeier mit Blasmusik und Ministerpräsident ist ohnehin längst verschoben. Jetzt bleibt die Überlinger Landesgartenschau sogar komplett geschlossen. „Aus Sorge, in einer kritischen Phase der Pandemie noch mehr Menschen als ohnehin schon nach Überlingen zu locken, haben wir schweren Herzens die Eröffnung abgesagt“, erklärte der Überlinger Oberbürgermeister Jan Zeitler (SPD). Zuvor hatte der Bodenseekreis an drei Tagen hintereinander bei der Inzidenzzahl die 100-er Marke überschritten. Das Landratsamt zog daraufhin die vorgeschriebene Notbremse und veröffentlichte eine Allgemeinverfügung. Demnach sind auch Parks von Gründonnerstag an wieder geschlossen.

 

Bis zuletzt hatte die Geschäftsführung gehofft, wie geplant am 9. April öffnen zu können – ohne Begleitprogramm, aber mit Gästen und unter strengen Hygieneauflagen. „Die Vorbereitungen sind im Zeitplan. Die letzten Arbeiten zum Herausputzen des Geländes laufen. Wir könnten aufmachen“, hatte der Laga-Geschäftsführer Roland Leitner erklärt. Jetzt ruderte die Geschäftsführung zurück. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Pro Tag fehlen nun Einnahmen von mindestens 40 000 Euro.

Ausnahme wie fürs Blühende Barock?

Allerdings ist die rechtliche Seite ziemlich eindeutig. Fünfmal hintereinander, so sieht es die geltende Landesverordnung vor, müsste der Bodenseekreis nun erst wieder unter die Inzidenz von 100 Neuinfizierten pro Woche und 100 000 Einwohner fallen. Nur dann wäre eine Öffnung möglich. Eine Sonderregelung wie für das Blühende Barock in Ludwigsburg komme wohl nicht in Betracht, sagte Leitner. Es sei einfach zu eng in Überlingen. Und auch gegenüber anderen Parks am See wäre es wohl kaum zu begründen. Auch der Affenberg in Salem oder das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen müssen schließen.

Für Überlingen ist die Entwicklung tragisch. Eigentlich hatte die Stadt genau dieses Szenario vermeiden wollen und deshalb die zunächst für 2020 geplante Laga um ein Jahr verschoben. Die Anlage wurde eingemottet, die Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit. Sechs Millionen Euro hat diese Verschiebung gekostet. Dies sei aber immer noch besser als eine Rumpfgartenschau mit gekürzter Saison und ohne großes Begleitprogramm, hatte der OB Zeitler argumentiert.

Erleichterung in Kamp-Lintfort

Doch das könnte sich nun als Fehlinvestition entpuppen. Im vergangenen Jahr hatte der Lockdown Anfang Mai geendet. Die Blumeninsel Mainau, die in Sichtweite zum Überlinger Ausstellungsgelände auf der anderen Seite des Sees liegt, konnte dann mit Einschränkungen wieder öffnen. Die Saison dauerte bis zum Beginn des neuerlichen Lockdowns im November. Der Sommer sei gar nicht so schlecht gewesen, sagte eine Mainau-Sprecherin.

Erleichterung herrscht auch in Kamp-Lintfort. Die Stadt am Niederrhein war im vergangenen Jahr deutschlandweit die einzige, die an ihrer Gartenschau festhielt. Der Bürgermeister der 40 000-Einwohner-Stadt südlich des Ruhrgebiets, Christoph Landscheidt (SPD) hat nun durchaus Mitleid mit seinem Überlinger Amtskollegen. „Wir sehen, dass es dieses Jahr noch schwieriger wird.“ 500 000 Besucher habe man gezählt, „ohne Corona wäre es vielleicht das Doppelte gewesen“. Jedoch hätten vor allem die Menschen aus der näheren Umgebung das Angebot gerade zur Coronazeit zu schätzen gewusst. „Von Dauerkarteninhabern wurde das viel genutzt.“ Die Endabrechnung liege noch nicht vor, doch sei man wohl auch finanziell mit einem „blauen Auge“ davon gekommen.

Lindau hofft auf den Mai, Eppingen sagt ab

Derweil wird auch in Lindau gezittert. Auf der Hinteren Insel im Westteil der Stadt wurde ein Großparkplatz zu einer kleinen Gartenschau umgewandelt. Die offizielle Eröffnung ist dort erst am 20. Mai geplant. Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt liegt auch in der bayerischen Bodenseestadt der Inzidenzwert deutlich über der Marke von 100. „Wir gehen davon aus, dass wir öffnen können“, sagt der Sprecher Jürgen Widmer, zur Not eben mit Verspätung.

Derweil geht die Stadt Eppingen (Kreis Heilbronn) als Veranstalter der eigentlich für dieses Jahr geplanten kleinen Gartenschau den gleichen Weg wie die Überlinger im vergangenen Jahr. „Eine Gartenschau, wie wir sie uns wünschen, ist angesichts der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht möglich“, begründete Oberbürgermeister Klaus Holaschke (parteilos) den mehrheitlichen Beschluss seines Gemeinderats. Zwölf Jahre lang hatte die Stadt auf das Ereignis hingearbeitet. „Wir wissen nicht, ob es auch 2022 noch Einschränkungen durch das Virus gibt; aber wir haben zumindest die Chance auf ein unbeschwertes Fest“, sagte Holaschke.