Katerina Harvati-Papatheodorou erhält den Landesforschungspreis Foto: StN

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zeichnet Wissenschaftler aus Tübingen und Karlsruhe mit dem Landesforschungspreis aus. Jeder von ihnen erhält 100 000 Euro.

Stuttgart - „Ich untersuche versteinerte menschliche Knochen, die auf archäologischen Ausgrabungen gefunden werden, um den Ursprung der Menschen und das alltägliche Leben der Urmenschen zu verstehen.“ So erklärt Katerina Harvati-Papatheodorou Kindern ihre Arbeit als Paläoanthropologin an der Universität Tübingen. Christian Koos richtet seinen Blick in die Zukunft. Am Karlsruher Institut für Technologie sucht der Forscher nach neuen Möglichkeiten, digitale Daten noch schneller zu übertragen.

Die gebürtige Athenerin und ihr Team versuchen, mehr über die Entwicklung, ­Anpassung und das alltägliche Leben unserer Vorfahren herauszufinden. Dank neuer Untersuchungsmethoden konnten sie und Kollegen 2007 nachweisen, dass sich der ­moderne Mensch von Afrika aus nach Asien und Europa ausgebreitet hat. Ein fossiler Schädel aus Südafrika ermöglichte diese ­Erkenntnis.

Schon früh war Harvati-Papatheodorou an der Wissenschaft, besonders an der Biologie, interessiert. Gleichzeitig war sie auch von Archäologie und Geschichte begeistert. „Zuerst habe ich gedacht, diese beiden Themenbereiche seien nicht miteinander vereinbar“, erzählt die 44-Jährige. Doch bei ihrem Studium an der Universität in New York stellte sie fest, dass die Paläoanthropologie diese beiden Gebiete umfasst.

Nach Studium, Doktorarbeit und Assistenzprofessur an der New York University erhielt sie 2004 den Ruf zum Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Fünf Jahre später folgte das Angebot aus Tübingen, wo sie stellvertretende Leiterin des Senckenberg-Center for Human Evolution and Paleoenvironment ist. Sie habe sich wegen der langen Forschungstradition der Urgeschichte in ­Tübingen dafür entschieden, sagt sie. „Tübingen ist weltweit für seine Altsteinzeit-Forschung berühmt.“

„Wir übertragen Daten mit Licht durch Glasfaser. Die ist viel dünner als ein normales Kabel“, berichtet Koos. Der 36-Jährige und sein Team entwickeln kleinste Bauteilchen für die digitale Datenübertragung. Diese muss immer schneller und effizienter werden, denn derzeit verdoppelt sich die Datenmenge im Internet etwa alle zwei Jahre.

„Ich hatte in meiner Schulzeit nie das Karriereziel Forscher“, erzählt der gebürtige Heilbronner, „ich bin da hineingewachsen.“ Eine Weile hatte er vor, Förster zu werden, dann wollte er Landwirtschaft studieren. „Schließlich habe ich mich für die Elektrotechnik entschieden, bin dann in die Optik und Nanotechnologie abgedriftet und nun bei der Kommunikationstechnik herausgekommen.“

Nach Studium, Diplom und Doktorarbeit in Karlsruhe und dem Massachusetts Institute of Technology wechselte er in die Wirtschaft. 2010 wurde er Professor für Photonische Kommunikationstechnik, seit 2013 leitet er das Institut für Photonik und Quantenelektronik. Seine Begeisterung gibt er nicht nur an sein Team weiter, sondern auch an Jüngere. Schüler sind eingeladen, auf dem Campus mitzumachen. „Man muss ihnen zeigen, dass diese Fächer gar nicht so dröge sind.“

Das Preisgeld ist für ihn „wissenschaftliches Wagniskapital“. Er will die Summe für ein, zwei Forschungsgeräte verwenden – und für weitere Experimente. „Um Neues auszuprobieren, braucht man auch Geld, das frei einsetzbar ist“, sagt er. Die meisten Forschungsgelder, die ihm sonst zur Verfügung stehen, sind zweckgebunden – bevor sie bewilligt werden, müssen Anträge gestellt werden, in denen genau angegeben wird, wofür sie verwendet werden. Wichtig ist ihm und seinen Mitstreitern der Preis aber auch, „weil er Arbeiten sichtbar macht, die sonst im Verborgenen ablaufen“.

Mit dem Landesforschungspreis würdigt das Land seit 1989 wissenschaftliche Bestleistungen in allen Bereichen. Seit 1999 wird der Preis aufgeteilt: je zur Hälfte für Grundlagenforschung und für angewandte Forschung. Seit 2012 wird er abwechselnd mit dem Landeslehrpreis verliehen. Vorgeschlagen werden die Kandidaten von Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

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