Zufrieden mit sich und seinem EnBW-Deal: Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus Foto: dpa/Uli Deck

Noch schreibt die Landesfirma, die das EnBW-Aktienpaket hält, schwarze Zahlen – im zweiten Jahr. Doch mit dem Ukraine-Krieg und der Zinswende steigt die Unsicherheit.

Der EnBW-Deal von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) ist für das Land Baden-Württemberg weiterhin kein Zuschussgeschäft mehr. Wie erstmals im Vorjahr hat die Landesgesellschaft Neckarpri, die knapp die Hälfte der Aktien an dem Energiekonzern hält, auch im aktuellen Geschäftsjahr einen Überschuss erwirtschaftet. Nach dem am Freitag veröffentlichten Jahresabschluss machte sie ein Plus von 48,4 Millionen Euro; die Einnahmen aus der EnBW-Dividende übersteigen entsprechend die Zinskosten für den per Milliardendarlehen finanzierten Anteilskauf.

 

Zugleich wird im Lagebericht auf neue Unsicherheiten wegen des Kriegs in der Ukraine und den inflationsbedingt steigenden Zinsen verwiesen. Vor allem die Leipziger Gastochter VNG, die wegen ausbleibender Gaslieferungen bereits Staatshilfe beantragt hat, bereitet der EnBW Probleme. Ihr Ergebnis könnte um weitere bis zu 1,3 Milliarden Euro belastet werden, nachdem zum Halbjahr schon 545 Millionen Euro berücksichtigt wurden. Mit Sorge beobachtet die Neckarpri zudem den Zinstrend: Sollte sich der Anstieg langfristig fortsetzen, drohe das Risiko steigender Finanzierungskosten.

Wert des Aktienpakets verdoppelt

In einem Überraschungscoup hatte Mappus Ende 2010 angekündigt, die EnBW-Aktien des französischen Staatskonzerns EdF zurückzukaufen. Den Kaufpreis von gut fünf Milliarden Euro finanzierte er mit Darlehen. Da die Dividende die Zinsen übersteigen werde, sei dies für das Land ein gutes Geschäft, argumentierte er. Die „schwäbische Hausfrau“ werde begeistert sein. Kurz danach kam es zur Katastrophe von Fukushima und dem Atomausstieg in Deutschland, im Frühjahr 2011 wurde Mappus abgewählt.

Der Wert des EnBW-Aktienpakets sackte in der Folge massiv ab, teilweise bis auf die Hälfte. Dies ergaben jährliche Bewertungen durch die Wirtschaftsprüfer der Neckarpri. Seit die Anteile den Einstandswert wieder erreicht und überschritten haben, wird die Bewertung nicht mehr veröffentlicht. In der Vergangenheit ermittelten die Prüfer jeweils Beträge, die nahe am Aktienkurs lagen. Mappus hatte die Aktien zu einem Kurs von 41,50 Euro erworben. Mitte dieses Jahres wurde die EnBW-Aktie für etwa 90 Euro gehandelt, zeitweise überschritt sie sogar die 100-Euro-Marke; zuletzt lag der Kurs bei 80 Euro. Mit Blick auf den rechnerischen Gewinn in Milliardenhöhe sprach Mappus von einem „sehr guten Geschäft“ für das Land, für das man ihm dankbar sein könne. Ein Verkauf des Aktienpakets, bei dem der Gewinn realisiert würde, ist allerdings kein Thema.

Dividende steigt von einem auf 1,10 Euro

Die Rechnung des CDU-Regenten, mit der Dividende die Zinskosten zu finanzieren, war lange nicht aufgegangen. Wegen Fehlbeträgen in Millionenhöhe musste das Land insgesamt etwa 300 Millionen Euro nachschießen. Im vorvergangenen Geschäftsjahr wies die Neckarpri erstmals einen Überschuss aus, 80,9 Millionen Euro. Wegen coronabedingter Verzögerungen ist darin die anderthalbfache Dividende enthalten. Infolge dieses Sondereffekts sinkt der Überschuss nun auf 48,4 Millionen Euro, trotz einer von einem auf 1,10 Euro erhöhten Dividende. Die Zinskosten blieben gegenüber dem Vorjahr weitgehend unverändert; für einen Milliardenbetrag konnte man sich vorzeitig günstigere Konditionen sichern. Die Eigenkapitalquote der Landesfirma stieg zwar von 2,3 auf 3,1 Prozent, ist damit aber immer noch sehr gering. Nach dem Bilanzstichtag konnte die Neckarpri erstmals nennenswert Schulden tilgen, unterm Strich 144 Millionen Euro.