Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer plädiert für sichere Landeseinrichtungen für schwierige Flüchtlinge. Foto: dpa

Hilft es, schwierige Flüchtlinge auf das Land zu schicken? Fraglich. Aber es muss etwas geschehen, kommentiert StZ-Autor Reiner Ruf.

Stuttgart - Tübingens OB Boris Palmer hat sich inzwischen den Ruf eines leicht querulatorischen Rechthabers erarbeitet und damit der Aussicht auf höhere Aufgaben in der Landespolitik beraubt. Er polarisiert. Das aber ist das Kerngeschäft der Populisten. Mit seinem Plan, unbotmäßige oder gar straffällige Flüchtlinge in landschaftlicher Abgeschiedenheit ruhig zu stellen, womöglich sogar zur Besinnung zu bringen, zieht er erneut den Vorwurf auf sich, auf die rechte Ecke zu schielen. Der Vorschlag klingt nach Wegsperren, er schmeckt nach Lager und Kasernierung.

Nur: Palmer macht – diesmal übrigens mit Unterstützung seines CDU-Kollegen Richard Arnold – immerhin überhaupt Vorschläge. Und klar ist auch, dass – Traumatisierung hin oder her – Schutz nur beanspruchen kann, wer selbst andere Menschen nicht zu Schutzbedürftigen macht. Nur so bleibt Deutschland aufnahmebereit.

Ganz praktisch stellt sich allerdings die Frage, ob es den Menschen moralisch hebt, wenn er im Kreise anderer „Tunichtgute“, wie Winfried Kretschmann sagt, auf kahler Albhöhe den Herbststürmen trotzt. Oder kommen die – zumeist ja doch jungen Männer – dort nicht erst recht auf dumme Gedanken? Und außerdem: Welche Gemeinde würde sich – abseits der rechtlichen Bedenken – für ein solches Projekt zur Verfügung stellen?

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