Marcus Grube und Friedrich Schirmer führen die WLB in die Zukunft. Foto: Horst Rudel

Die Württembergische Landesbühne Esslingen feiert ihren 100. Geburtstag. Zum Jubiläum gibt es eine Premiere an einem ungewohnten Ort.

Esslingen - Der 20. September 2019 ist ein ganz besonderer Tag für die Württembergische Landesbühne Esslingen (WLB). Auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 20. September 1919, präsentierte sich die Schwäbische Volksbühne, die direkte Vorgängerin der WLB, mit Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ zum ersten Mal der Öffentlichkeit – „mit glänzendem Erfolg“ übrigens, wie die Presse damals schrieb. Weil die Premiere in Göppingen stattfand, kehrt die WLB am 20. September nun wieder an den Ort ihres allerersten Erfolgs zurück und spielt in der Stadthalle in der Regie von Christine Gnann eine Neufassung des Schiller-Klassikers. Einen Tag später wird dann die WLB mit „Kabale und Liebe“ ihre Jubiläumsspielzeit im Esslinger Schauspielhaus eröffnen. Aus diesem Anlass wird auch eine Festschrift zur Geschichte der WLB mit Porträts aller bisherigen Intendanten erscheinen.

Nur Detmolds Landesbühne ist älter

Der 100. Geburtstag des zweitältesten Landestheaters in Deutschland – nur die Bühne in Detmold ist noch deutlich älter – wird in diesem Jahr ausführlich gefeiert. Bereits im Mai veranstaltet die WLB zusammen mit dem Kulturzentrum Dieselstraße, dem Komma und dem Centraltheater das europäische Seniorentheaterfestival „Stage“. Dabei werden Theatergruppen aus Dänemark, Estland, Georgien, Griechenland, der Schweiz und Deutschland zu sehen sein. Im Oktober folgt dann ein internationales Kindertheaterfestival, bei dem sechs Profi-Ensembles aus sechs europäischen Ländern sehr unterschiedliche Stücke für Kinder von vier bis zwölf Jahren spielen werden. Die Aufführungen werden zum Teil von Workshops begleitet, die allesamt – wie die Vorstellungen – in deutscher Sprache stattfinden.

Aus Anlass des Jubiläums wird zudem der Dokumentarfilm „Wunder in Amerika“, der 1987 während der ersten Intendanz von Friedrich Schirmer an der WLB entstand, restauriert und am Eröffnungswochenende der Spielzeit gezeigt. „Wunder in Amerika“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Schauspiels von Ernst Toller und Hermann Kesten aus dem Jahr 1931, das als verschollen galt, bis Friedrich Schirmer 1978 das Soufflierbuch der Mannheimer Uraufführung entdeckte und das Stück in der Regie von Pavel Mikulastik auf die Bühne der WLB brachte. Geplant ist zudem ein neuer Dokumentarfilm, der den Arbeitsalltag einer modernen deutschen Wanderbühne und das Zusammenspiel seiner Akteure auf und hinter der Bühne in den Mittelpunkt stellt.

Die Geschichte beginnt schon 1918

Die Geschichte der WLB beginnt eigentlich schon 1918. Damals gründete Robert Bosch zusammen mit dem Land Württemberg den Verein zur Förderung der Deutschen Volksbildung. Ein Jahr später wurde dann die Schwäbische Volksbühne als Unterabteilung des Volksbildungsvereins geschaffen. Sie war von Anfang an als Wanderbühne konzipiert und hatte zunächst keine feste Spielstätte.

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