Als Ferkel sich eine Verfolgungsjagd mit Fuchs-Doktor Girlanda liefert, feiern die Kinder. An der Esslinger Jungen WLB hatte „Fuchs und Ferkel“ von Bjørn F. Rørvik Premiere.
Was für ein gelenkiges Schweinchen! Schlägt Kusselkopp, kann Tango und auch ganz schön schnell wegrennen. Ist es nun krank oder nicht? „Husthust!“ Jedenfalls will Ferkel vom Fuchs alias Doktor Girlanda unbedingt behandelt werden. Der macht einen Krankheitstest: Singt ein virtuoses Opern-„Aah“ vor, und als Ferkel mit einem kläglich gequetschten „Ööh“ antwortet, ist ihm klar: Ja, so klingt echte Krankheit – vielleicht.
„Fuchs und Ferkel – Torte auf Rezept“, eines der Erzähl-Bilderbücher des norwegischen Kinderbuchautors Bjørn F. Rørvik, hatte jetzt an der Jungen Württembergischen Landesbühne (WLB), der Kinder- und Jugendsparte der Esslinger Landesbühne, Premiere. Rørvik-Bücher sind erfolgreich, weil sie sich offenbar gut in die Gedanken- und Erlebniswelt von Kindern einfühlen. Das zeigt sich auch in der Theaterfassung, die Laura Tetzlaff, die Leiterin der Jungen WLB, als Zwei-Personen-Stück im Studio am Blarerplatz flott inszeniert hat – für Kinder ab fünf Jahren. Chiara-Luisa Schrenk als Ferkel und Steffen Lehmitz als Fuchs spielen ihre Rollen charmant und witzig, haben eine Menge Slapsticks zu wuppen und Quatsch zu machen. Zuweilen wird die Szene befeuert durch Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“-Musik.
Kieksende Kinder bei der WLB-Premiere
Eine große Hilfe ist Doktor Girlanda dem Ferkel erst mal nicht. Hat „Zapfastin“ in Gestalt eines Kiefernzapfens gegen Halsschmerzen im Angebot und „Staubidaub-Pulver“ aus trockenem Laub gegen den Husten. Solche Medizin erscheint dem Ferkel wenig attraktiv. Und dann kommt der „dümmste Arzt der Welt“ (O-Ton Ferkel) auch noch auf die Idee, Ferkels „Urk“ sei nicht in Ordnung und müsse raus. „Urk“? Was’n das? Als er gar zur (Grill-)Zange greift, ist Schluss mit lustig, und Ferkel nimmt flugs die Beine in die Hand. Es kommt zu einer wilden Verfolgungsjagd rund um die bunte Holzbäumchenwaldkulisse (Bühne und Kostüme: Renata Kerbler) – zur Freude der vielen Kinder im Publikum, die kieksen, schreien und lachen.
Dass Ferkel Medizin verabscheut, ist verständlich. Es will lieber „Trost“ und Zuwendung in Gestalt von Limo und Schokoküssen. Welches Kind wäre da nicht dabei? Der Fuchs, als eingebildeter Arzt, hat so was freilich nicht im Angebot. Aber da ist ja noch die Kuh Leni, die Süßes offenbar hortet. Und da der schlaue Fuchs selbst auch darauf scharf ist, macht er sich zum Komplizen vom nicht weniger listigen Ferkel. Er tupft ihm die Pünktchenkrankheit aufs schweinchenrosane Outfit und stellt ihm ein besonders großzügig berechnetes Rezept aus: „Zwei Liter Limonade und vier Schokoküsse. Viermal täglich.“ Kuh Leni fällt drauf rein, vermutet in Doktor Girlanda gar einen berühmten Naturheilkundler, und Ferkel dampft ab mit einer Riesenmarzipantorte plus Limo – Schokoküsse hat Leni nämlich nicht.
Schöne Details: Weil die beiden nicht alle Rollen selbst spielen können, gibt es Zwischenspiele mit Papppuppen am Stab, und als sich die Kulissenbäumchen umdrehen, glotzen einen plötzlich allerlei Tiere an. Denn alle haben’s über den Wald-Flurfunk längst erfahren, dass es beim Fuchs Schleckereien auf Rezept gibt und die Sprechstunde für Tiere mit Hörnern für umme ist. Da gesellen sich zu Ziege und Elch bald merkwürdige Kreaturen namens Horneule und Horndachs. Aber was tun, wenn man endlich seine Torte genießen will, aber das Wartezimmer überquillt? Fuchs und Ferkel setzen auf Abschreckung: mit Büffelspritze, Popel in Wasser und Tee aus Schnecken. Und endlich dürfen die beiden gemeinsam ihre Beute genießen.
Die nächsten Vorstellungen im Studio am Blarerplatz: am 20. Dezember, 11. Januar, 8. Februar, 14. und 22. März, 18. April.