Nachbarn:Stiftskirche und das Haus von Kammerer, Belz und Partner Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Land verkauft ein Gebäude neben der Stiftskirche. Das ist sein gutes Recht, aber die Interessen der Evangelischen Kirche werden damit schnöde übergangen, meint Thomas Durchdenwald.

Stuttgart - Gegen das Immobiliengeschäft mit dem denkmalgeschützten und architektonisch herausragenden Kammer-und-Belz-Gebäude zwischen Fruchtkasten und Stiftskirche ist auf den ersten Blick nichts einzuwenden. Da gibt es auf der einen Seite einen Besitzer, der vor drei Jahren das preisgekrönte Haus nur deshalb erwarb, weil er zwei offenbar lukrativere Objekte an der Königstraße in seinen Besitz bringen wollte. Die wirtschaftlich lohnende Sanierung des 35 Jahre alten Gebäudes traut er sich offenbar nicht zu. Und auf der anderen Seite steht ein Investor, der genau darin eine realistische Chance sieht und der – mehr noch – weniger am kurzfristigen Deal denn an einer langfristigen Kapitalanlage interessiert ist.

Alles paletti also? Was den Investor angeht schon, dessen Mut, in ein denkmalgeschütztes Gebäude zu investieren, zumindest Anerkennung verdient. Fraglich freilich ist die Rolle des bisherigen Kurzzeitbesitzers, bei dem es sich um das – aufgepasst – Land Baden-Württemberg handelt, genauer die mit ihm verbundene Landesstiftung. Dass die Stiftung ihr Vermögen angesichts der Zinsmisere auch in Immobilien anlegt, um weiterhin Geld in Zukunftsprojekte stecken zu können, ist verständlich und richtig. Doch dass das Finanzministerium, das drei Jahre lang Leerstand akzeptierte und auf Mieteinnahmen weitgehend verzichtete, das Interesse der evangelischen Kirche an einem Teil der Räume derart schnöde übergeht, ist ein Affront.

Stiftskirche ist ein Wahrzeichen Stuttgarts

Die Stiftskirche ist kein Gotteshaus wie jedes andere, sie ist die Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Für viele ist sie eher als der Fernsehturm das eigentliche Wahrzeichen Stuttgarts. Der Wunsch nach einem Raum der Präsentation und Begegnung in unmittelbarer Nachbarschaft ist da nur zu verständlich. Zumal in der Stadt nicht zu Unrecht beklagt wird, dass es an solch öffentlich zugänglichen, konsumfreien Orten und Plätzen fehlt. Eine Chance wurde vertan.

Schuld daran ist nicht der Käufer. Dem Land, das eigentlich dem Allgemeininteresse verpflichtet sein sollte und dem der Mut für eine aufwendige Sanierung des Denkmals fehlte, war all das egal.

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