Bald wieder im Team-Training beim VfB: Torhüter Kobel (li.) und Bredlow Foto: Baumann

Das Land Baden-Württemberg lockert die Corona-Restriktionen beim Trainingsbetrieb – was nicht nur den VfB Stuttgart, sondern auch noch andere baden-württembergische Proficlubs freut.

Stuttgart - Die Zeit des Heimtrainings für die Fußballprofis des VfB Stuttgart ist bald Vergangenheit. In dieser Woche können die Spieler des Zweitligisten unter Auflagen auf den Platz an der Mercedesstraße zurückkehren, auch andere Profisportler aus Baden-Württemberg – darunter die Spieler der Erst- und Zweitligisten im Handball – dürfen wieder gemeinsam ihrem Beruf nachgehen. Möglich macht das eine Ausnahmeregelung, die das Land schaffen wird.

Nach Anfragen aus dem Profisport und bereits in Kraft getretener Regelungen in anderen Bundesländern teilten Gesundheits- und Kultusministerium am Sonntag mit, dass der Trainingsbetrieb von Berufssportlern unter Beachtung strengster Auflagen sowie in Kleingruppen im Lauf dieser Woche ermöglicht werden soll. Der Amateur- und Freizeitsport bleibt verboten. Die neue Regelung wird ausgearbeitet und soll diese Woche in Kraft treten. „Es war wichtig, keine reinen Ausnahmen für den Fußball zu schaffen, sondern alle Sportarten gleich zu behandeln“, sagt Sportministerin Susanne Eisenmann, „das Training muss in Kleingruppen für alle Spitzenmannschaften und -athleten zugelassen werden, sofern sie die strengen Auflagen des Infektionsschutzes erfüllen.“ Gesundheitsminister Manne Lucha erklärte: „Wie für andere Berufstätige wie etwa Handwerker gilt auch für das Training von Profi-Sportlern: Bitte unbedingt räumlichen Abstand voneinander halten, ausschließlich alleine oder in Kleingruppen arbeiten, alle Hygienevorschriften akribisch befolgen.“

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Besonders die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte gedrängt, den Spielbetrieb in der ersten und zweiten Liga im Mai wieder aufzunehmen. Neun Spieltage, ein Nachholspiel sowie die Relegationspartien müssen absolviert werden. Derzeit ist die Saison aufgrund der Corona-Krise bis 30. April ausgesetzt. Auch die Handball-Bundesliga hat ihre Saison lediglich unterbrochen, damit können die Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim, Frisch Auf Göppingen, der TVB Stuttgart und der HBW Balingen-Weilstetten nun wieder in den Trainingsbetrieb starten.

Klar war: Wenn gespielt wird, muss Chancengleichheit herrschen – die sahen Clubs aus Baden-Württemberg in Gefahr. Während an anderen Bundesligastandorten Training in Kleingruppen stattfand – wie in Dortmund, Wolfsburg und Bielefeld –, blieben die Sportstätten im Südwesten ausnahmslos gesperrt. „Die baden-württembergischen Mannschaften und Spitzensportler dürfen keine Wettbewerbsnachteile erleiden“, betonte Eisenmann.

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Beim VfB Stuttgart sorgte die Nachricht für Wohlwollen. „Es ist im Sinne aller Profisportler, dass Bewegung reingekommen ist. Wie es bei uns im Training weitergeht, besprechen wir intern“, sagte ein VfB-Sprecher. Auch Jürgen Schweikardt begrüßt die Lockerungen und einen möglichen Neustart der Saison. „Je kürzer die Zeit ist, die wir von der Bildfläche verschwinden, desto besser“, sagte der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten TVB Stuttgart, „aber der Schritt muss in den gesellschaftlichen Kontext passen.“

Schweikardt würde Fortsetzung begrüßen

Soll heißen: Weitere Ausnahmegenehmigungen im Profisport sollten einhergehen mit Lockerungen im täglichen Leben für die Bevölkerung. Die Führungscrew des Stuttgarter Erstligisten wird nun prüfen, inwieweit die Vorgaben im Trainingsbetrieb umsetzbar sind. Schweikardt würde eine Fortsetzung des Spielbetriebs begrüßen, weil die „sportliche Entscheidung über Meisterschaft sowie Auf- und Abstieg einfach die fairste“ darstellt. Nun müssen die Clubs gemeinsam mit der Handball-Liga diskutieren, unter welchen Voraussetzungen der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann – bis Ende April sind die Spiele ohnehin ausgesetzt.

Eine Fortführung der Runden in Fußball und Handball rückt damit näher. Vor allem den Fußballclubs ist daran gelegen, weil dann wieder die dringend benötigten TV-Gelder fließen. Im Handball stehen diese Einnahmen nicht im Vordergrund – jedoch hätte der TVB bei Geisterspielen dennoch Kosten für die Hallenmiete zu entrichten. Es sind noch einige Fragen zu klären, bevor zumindest ein wenig Normalität einkehrt.

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