Landwirt Hermann Maier hatte sich seit Monaten dafür eingesetzt, seine 270 Rinder nicht mit den von der EU vorgeschriebenen Ohrmarken, sondern mit einem Mikrochip zu kennzeichnen. Foto: Krause

Im monatelangen Streit um die Kennzeichnung von Tieren mit Ohrmarken machen die Behörden ernst und gehen gegen den Balinger Landwirt Hermann Maier – genannt der Rinderflüsterer – vor. „Wir haben ihm die Ausnahmegenehmigung entzogen“, sagte der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer den Stuttgarter Nachrichten.

Stuttgart/Balingen - Im monatelangen Streit um die Kennzeichnung von Tieren mit Ohrmarken machen die Behörden ernst und gehen gegen den Balinger Landwirt Hermann Maier – genannt der Rinderflüsterer – vor. „Wir haben ihm die Ausnahmegenehmigung entzogen“, sagte der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung.

Maier hatte sich seit Monaten dafür eingesetzt, seine 270 Rinder nicht mit den von der EU vorgeschriebenen Ohrmarken, sondern mit einem Mikrochip zu kennzeichnen. Das führe den Tieren weniger Schmerzen zu und sei zudem fälschungssicher. Maier, der unter den 19 000 Rinderhaltern im Südwesten inzwischen als Vorkämpfer gilt, hatte sich in seinem Vorgehen auf eine Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Zollernalbkreis berufen, die es ihm bislang erlaubte, die Tiere mit der neuen Methode zu kennzeichnen. Der Zollernalb-Landrat und CDU-Landtagsabgeordnete Günther Martin Pauli hatte wiederholt an die Behörden in Stuttgart und Brüssel appelliert, die Mikrochips zuzulassen – zumal die Experten in Brüssel derzeit ohnehin an einer Reform der EU-Tierkennzeichnungsrichtlinie arbeiten.

Doch Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) pochte wiederholt auf die Einhaltung der geltenden Gesetzeslage. „Die EU setzt klare Regeln. Das kann einem gefallen oder nicht. Wir aber halten uns daran“, hatte der Minister erst in der vergangenen Woche bei einer Veranstaltung in Balingen gesagt und zugleich deutlich gemacht, dass Grün-Rot keine weiteren Kompromisse bei diesem Thema machen werde, weil dem Land „sonst millionenschwere Strafzahlungen aus Brüssel“ drohen würden.

„Wir gehen gerichtlich dagegen vor“

In den vergangenen Monaten waren mehrere Ultimaten der Behörden gegen Maier verstrichen. Nun aber mochte man im Landwirtschaftsministerium offenbar nicht länger zuschauen – obwohl Bonde jüngst angekündigt hatte, Grün-Rot werde noch in diesem Jahr eine Bundesratsinitiative starten, auf dass sich Deutschland in Brüssel für eine Modernisierung der Richtlinie stark macht. Das Tübinger Regierungspräsidium jedenfalls setzt nun den Willen des Landwirtschaftsministers um – und überstimmt damit das Landratsamt in Balingen.

Maier bestätigte am Freitag, er habe das Schreiben das Regierungspräsidiums erhalten, wonach die Ausnahmegenehmigung erlischt und er seinen Tieren die Ohrmarken einstanzen muss. Doch der Landwirt will dies nicht befolgen. „Wir gehen gerichtlich dagegen vor“, kündigte er eine Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen an.

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