Die Firma Oku ist nach dem Verkauf nun in Lanco umbenannt worden. Foto: Frank Eppler

Dir Firmen Lanco und Pfisterer verbindet nur der Standort, das Gebiet Ostlandstraße in Winterbach. Ansonsten gehen die Firmen unterschiedliche Wege: Der Maschinenbauer Lanco, früher Oku baut nach der Insolvenz wieder Personal auf, die Pfisterer-Geschäftsführung will hingegen große Teile der Produktion nach nach Tschechien verlagern

Winterbach - Wer am nördlichen Rand von Winterbach vorbeifährt, kann sie nicht übersehen: Die Firmen Pfisterer und Lanco, früher Oku, prägen das Gewerbegebiet an der Ostlandstraße. Ihre beiden Geschäftsführer gaben im Rahmen der Pressekonferenz des Verbands Südwestmetall Einblicke in die Geschäftsentwicklung. Diese gestaltet sich genauso unterschiedlich wie der jeweilige Produktionsschwerpunkt. Während Oku Sondermaschinen für Produktionsabläufe herstellt, die in der Mehrzahl Unikate sind, fertigt die Pfisterergruppe Komponenten für Hochspannungsleitungen an.

Die Firma Oku, die jetzt wegen ihrer neuen US-Muttergesellschaft in Lanco umbenannt wurde, hat eine längere Durststrecke hinter sich. In der Folge der Wirtschaftskrise geriet das Unternehmen Anfang des Jahres 2010 in die Insolvenz. Nach drei Jahren zeichnete sich eine Lösung ab. Das US-amerikanische Unternehmen Lanco Assembly Systems kaufte Oku im Jahr 2013 auf. Die Firma ging durch eine Talsohle, die jedoch jetzt durchschritten sei, wie der Geschäftsführer Bernd Klingel sagt. Man habe begonnen, die Stammbelegschaft von 120 Mitarbeitern wieder aufzustocken. 135 Beschäftigte hat Lanco in Winterbach laut Klingel zurzeit. Das sei auch deswegen notwendig, weil ein Großteil der Beschäftigten die Fünfzig inzwischen überschritten habe. Modelle wie die Altersteilzeit sollen Klingel zufolge helfen, die Arbeitnehmerschaft zu verjüngen.

Mit der Geschäftsentwicklung zeigt sich Klingel zufrieden, geholfen habe ein Sanierungstarifvertrag, in dem die Mitarbeiter zeitweise auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichteten. Der Geschäftsführer zeigt sich zugleich besorgt darüber, dass diese Vereinbarungen in Kürze auslaufen, er spricht dabei von „einer gewissen Erwartungshaltung der IG Metall“. Seinen Angaben zufolge gibt es Überlegungen, die Winterbacher Mitarbeiter direkt an der Firma zu beteiligen. Bei der US-Mutterfirma sei das aufgrund deren Geschäftsform auf diese Weise geregelt, sagt Klingel. Er selbst sei als Geschäftsführer mit zehn Prozent am Winterbacher Standort beteiligt.

Konrad Ott, Bevollmächtigter der IG Metall, kann die ermutigende Signale Klingels bestätigen. Der Flächentarifvertrag gelte in dem Unternehmen bis zum Jahr 2018, bis dahin bringen die Beschäftigten Ott zufolge ihre Beiträge, etwa in Form von verlängerter Arbeitszeit, die auf Arbeitszeitkonten gutgeschrieben wird. Was die Sonderzahlungen betrifft, so habe man eine Stufenregelung vereinbart, sagt Ott. Das erste Weihnachtsgeld habe es nach langer Pause Ende vorigen Jahres wieder gegeben, das erste Urlaubsgeld fließe im kommenden Sommer. Eine direkte Beteiligung der Mitarbeiter ist laut Ott allerdings nicht in Sicht. Die Ankündigungen der Geschäftsführung zu diesem Thema nennt der IG-Metall-Bevollmächtigte zurzeit eher noch „vage“ .

Pfisterer mitten im Umbruch

Das Nachbarunternehmen, die Firma Pfisterer. befindet sich mitten im Umbruch. Nach Aussage des Vorstands Peter Hommel hat die Firma nach dem Zukauf eines Mitbewerbers im oberpfälzischen Wunsiedel inzwischen weltweit rund 2500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 400 Millionen Euro, der jedoch stagniere. Das „Next Step“-Programm, eine komplette Umstrukturierung des Unternehmens mit Hilfe von Beratern, verbunden Auslagerung der Produktion von Winterbach nach Tschechien, war im vergangenen Sommer auf Kritik der IG Metall gestoßen. Auf Nachfrage bestätigt der Vorstand, dass die Verlagerung von 70 der 400 Arbeitsplätze in Winterbach weiterhin geplant sei. „Winterbach soll unser Entwicklungs-Hub werden“, formuliert er. Direkte Umzüge vom Remstal nach Tschechien werde es indes nur wenige geben. Nur ein Winterbacher Beschäftigter habe daran Interesse gezeigt, hinzu kämen einige Interessenten eines Standorts in der Schweiz.

Christian Friedrich, der die Firma Pfisterer als IG-Metall-Bevollmächtigter betreut, will diese Entwicklung nicht bestätigen. Ein im Frühjahr verabschiedetes Eckpunktepapier lege fest, dass bis 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen bei Pfistere r möglich seien, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Aus Betriebsratskreisen heißt es, welche Arbeitsplätze verlagert würden, sei noch Gegenstand von Verhandlungen. Erst für das Ende diesen Jahres seien für Winterbach erste konkrete Veränderungen angekündigt. Diese Zeit werde vermutlich auch gebraucht, heißt es von Seiten des Betriebsrats. Denn der Standort in Tschechien, an welchen die Produktion aus dem Remstal zum großen Teil ausgelagert werden soll, sei erst im Aufbau.

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