Einmal im Jahr kommt die Gamer-Szener in der Stauferlandhalle in Salach zusammen und misst sich bei virtuellen Missionen. Den Reiz der Treffen machen die Begegnung Gleichgesinnter und eine Portion Nostalgie aus.
Routiniert wirbeln die Finger auf der Tastatur, die virtuelle Spielfigur am Bildschirm wird mit der Computermaus gekonnt durch verlassene Häuser gelenkt. „Counter Strike 2“ heißt das Shooter-Spiel, das bei den Gamern der Salacher LAN-Party „The LÄN“ hoch im Kurs ist, wie auch schon seit vielen Jahren die erste Version.
Nicht nur dieser Klassiker, auch das strategische Kampfepos „League of Legends“ sowie der vergleichsweise friedfertige Autoball-Titel „Rocket League“ und andere Teamspiele stehen auf dem Programm. Fast zwei Tage lang. Rund 350 Teilnehmer aus dem Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland, sind nach Salach in die Stauferlandhalle gekommen, um wieder dabei zu sein, wenn virtuell gezockt wird.
Die Gamerwelt ist längst online, LAN-Partys sind selten geworden
Einst waren LAN-Partys der absolute Hype, weil es nahezu die einzige Möglichkeit war, mit anderen am PC zu spielen – damals, als die Internetwelt noch spärliches DSL oder gar nur analoges Telefon mit ersten langsamen Modems kannte. Heute sind sie eher selten. „Die Internet-Bandbreiten sind mittlerweile überall so gut, dass man online spielen kann“, sagt Christian Reik vom eigens gegründeten Verein, der das Event seit mehr als 15 Jahren veranstaltet.
Die Gamerwelt ist längst online. Vom Wohnzimmer aus kann jeder mit jedem auf der Welt die beliebten Spiele zocken. Niemand muss heute noch seinen Rechner, seinen Gaming-Stuhl, dosenweise Energydrinks und anderes Equipment in eine Halle schleppen, um durch eigens verlegte Kabel verbunden mit anderen zu spielen. Und doch kommen sie nach Salach und haben an langen Tischreihen ihre Gamingecke aufgebaut. Viele mit großen, technisch und optisch bestens ausgestatteten Rechnertürmen, bunt leuchtenden Tastaturen und Mikrofonen.
Manchen reicht aber auch der schnelle, etwas kleinere PC. So wie Simon, der aus Stuttgart nach Salach gekommen ist und dieses persönliche Zusammentreffen der Gamerszene nicht missen möchte. „Es ist schön, wieder viele alte bekannte Gesichter zu sehen“, sagt der 27-Jährige. Nicht zum ersten Mal ist er in Salach mit dabei. „Ich sitze mittlerweile nicht mehr so oft zu Hause und zocke dort, hier kann ich mich mal wieder so richtig austoben“, erklärt er. Nur noch ein- oder zweimal pro Woche schaltet er seinen Rechner in seiner Studentenbude an, früher war das wesentlich häufiger.
Bei der LAN-Party stellt er den Startknopf seines Computers nur ein einziges Mal an: am Freitagabend. „Es wird durchgespielt bis Sonntagmorgen“, sagt Simon lachend. Klar, kurze Pausen wird er machen. Draußen im eigens eingerichteten Cateringbereich etwas essen, sich an der Kaffeebar etwas holen oder auch bei einem der „analogen“ Turniere mitmachen, die die Organisatoren neben den virtuellen Begegnungen anbieten. „Beim Bierpong-Turnier werde ich wahrscheinlich dabei sein“, berichtet er. Tischkicker-Turniere oder auch ein schnelles „Schere-Stein-Papier“ stehen ebenfalls auf dem Programm. Es ist die Mischung aus Online-Gaming und dem Szenetreffen in der realen Welt, das „The LÄN“ ausmacht.
Rund 30 Stunden sitzen die Gamer fast ununterbrochen am Rechner
Den Party-Namen, der auf die Baden-Württemberg-Kampagne „The LÄND“ anspielt, haben sich Christian Reik und seine Mitstreiter offiziell vom Staatsministerium genehmigen lassen. Immerhin: „Wir sind eine der mittlerweile wenigen und eine der größten LAN-Partys im Süden“, berichtet er.
Das Erfolgsgeheimnis: Die Organisation sei sehr gut und „es ist einfach eine ganz besondere Atmosphäre hier“, sagt auch Jonas, der im Risikomanagement bei einer Privatbank in Wien arbeitet und zum Zocken nach Salach gekommen ist. Statt mit Zahlen zu jonglieren, löst er am Wochenende mit digitalen Spielfiguren effektvoll Aufgaben. Lange Pausen und schlafen? Das steht nicht auf seinem Programm für die Party, obwohl die Organisatoren im Untergeschoss Matratzenlager vorbereitet haben. „Rund 30 Stunden sitzen die Teilnehmer im Schnitt am Rechner, fast ununterbrochen. Manche schlafen auch nur kurz unter ihrem Tisch“, berichtet Organisator Christian Reik. Viele in der Halle schlafen aber gar nicht – und waren am Wochenende fast zwei Tage wach.
Für das Event ziehen viele an einem Strang
Partner
Highlights und einzelne Programmpunkte der Salacher LAN-Party „The LÄN“ wurden beim Live-Streaming-Videoportal Twitch übertragen. Die einzelnen Spiele-Turniere wurden vom Verein „REH Gaming“ organisiert, Sponsoren unterstützen das Event.
Verein
Das „Lan Party Team Salach – LPTS“ organisiert seit Jahren LAN-Partys. Erst im kleinen Kreis, dann in der Stauferlandhalle. Neben dem Vorsitzenden Bernd-Michael Weber sind auch Christian Reik, Michael Jakele und Frank Steiner im Vorstand vertreten.
Team
Rund 30 Ehrenamtliche haben dabei geholfen, die Infrastruktur für die LAN-Party in Salach aufzubauen und das Event zu begleiten. Der Bürgermeister Dennis Eberle lobt das Engagement des Vereins und freut sich über das Gaming-Event in Salach.