Die Kapitänin der Sea Watch 3, Carola Rackete, ist festgenommen worden. Foto: dpa

Das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ hat im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Nach dem Festmachen wurde die deutsche Kapitänin festgenommen.

Lampedusa - Nach wochenlangem Tauziehen und ohne Zustimmung der italienischen Behörden hat das deutsche Flüchtlings-Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ im Hafen der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angelegt. Nach dem Festmachen wurde die deutsche Kapitänin Carola Rackete festgenommen, wie Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer in der Nacht zum Samstag der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die 40 Flüchtlinge wurden zunächst nicht von Bord gelassen.

Im Hafen wurde das Schiff von Unterstützern mit Applaus begrüßt. Rackete wurde anschließend von Polizisten in Handschellen abgeführt. Ihr wird vorgeworfen, die Anweisungen eines Militärschiffs missachtet zu haben, nachdem sie das Schiff ohne Erlaubnis in den Hafen gesteuert hatte. Laut der Zeitung „La Repubblica“ hatte ein Boot der Küstenwache vergeblich versucht, die „Sea-Watch 3“ am Einlaufen zu hindern, indem es mehrfach zwischen dem Flüchtlings-Rettungsschiff und dem Kai kreuzte.

Sea-Watch-Geschäftsführer lobt Kapitänin

Sea-Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter, die Kapitänin habe „genau das Richtige getan“. Rackete habe das Seerecht eingehalten und die Flüchtlinge in Sicherheit gebracht. Die 31-Jährige hatte am Mittwoch trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und Lampedusa angesteuert. Auf Anweisung der Polizei musste das Schiff aber rund eine Seemeile vor dem Hafen stoppen. Rackete gab an, sie wisse, was sie riskiere und sei bereit, für ihre Entscheidungen ins Gefängnis zu gehen.

Das Schiff hatte am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens von einem Schlauchboot gerettet. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, waren in den vergangenen Tagen an Land gebracht worden. 

Europäische Länder sagen Aufnahme der Flüchtlinge zu

Fünf europäische Länder hatten am Freitag zugesagt, die Flüchtlinge von Bord des Schiffes aufzunehmen. Dennoch hatte die italienische Regierung weiterhin keine Genehmigung zum Anlegen erteilt. Das italienische Innenministerium hatte erklärt, es warte auf „gesicherte Garantien“. 

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega-Partei hatte erklärt, die Migranten dürften das Schiff nur verlassen, wenn andere europäische Länder sie aufnähmen. Zudem verlangte er die Festnahme der Besatzung und die Beschlagnahmung des Schiffes. Die „Sea-Watch 3“ fährt unter niederländischer Flagge, die Rettungsorganisation hat ihren Sitz in Deutschland.

Die Regierung in Rom fährt eine äußerst restriktive Flüchtlingspolitik und hat die italienischen Häfen für internationale Rettungsschiffe geschlossen. Seit 2014 sind mehr als 12.000 Menschen bei dem Versuch gestorben, von Libyen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Das UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR spricht deshalb von „der tödlichsten Meeresüberquerung der Welt“.

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