Für „Sushi Girls“ erhält das KKT-Ensemble aus Stuttgart einen Lamathea in der Kategorie Innenraumtheater. Foto: Jan Potente

Sechs Ensemble aus dem ganzen Land haben in Winnenden ihre preisgekrönten Stücke vorgestellt und am Sonntag während einer Matinee die Preise abgeholt. Einen Preis für ihr Lebenswerk erhielt eine ganz außergewöhnliche Frau: Trude Heck aus Reutlingen steht seit 78 Jahren auf der Bühne.

Winnenden - Mit dem Landesamateurtheaterpreis Baden-Württemberg (kurz: Lamathea), der vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Amateurtheater verliehen wird, hat am Wochenende der letzte große Programmpunkt der Heimattage in Winnenden seinen Abschluss gefunden. Zur großen Abschluss-Matinee kamen mehrere hundert Zuschauer und Teilnehmer aus dem ganzen Land in die Hermann-Schwab-Halle. Dort wurden die sieben Preisträger ausgezeichnet.

Lamathea ist bundesweit der einzige Staatspreis für Amateurtheater und bürgerschaftliches Engagement. Er zeichnet sechs Inszenierungen aus in den Kategorien Innenraumtheater, Freilicht, Mundart-, Kinder- und Jugendtheater, Theater mit soziokulturellem Hintergrund, sowie Puppen- und Figurentheater.

Mit einem Sonderpreis für das Lebenswerk und für bürgerschaftliches Engagement wird außerdem eine herausragende Persönlichkeit aus Baden-Württemberg geehrt, die sich in überragendem Maß der Förderung des Amateurtheaters verdient gemacht hat. Und das war in diesem Jahr wirklich eine außergewöhnliche Frau: Trude Heck vom Naturtheater Reutlingen agiert seit 78 Jahren auf und hinter ihrer geliebten Bühne.

Vier Generationen einer Familie auf einer Bühne

„Mein Vater hat mich zum Schauspielen gebracht, als ich sechs Jahre alt war“, erzählt die 84-Jährige, die auch viele andere Aufgaben in dem Theaterverein übernommen hat, unter anderem die Leitung der Kostümnäherei. „Frag die Trude, ob sie es macht“, habe es ständig geheißen, wenn jemand mal keine Zeit hatte oder gar aus Krankheitsgründen ausfiel. Sogar den Regisseur habe sie schon vertreten, sagt sie und lacht verschmitzt. Zur Preisverleihung nach Winnenden war sie mit ihrem Sohn Ulrich angereist, der ebenfalls voller Leidenschaft im Naturtheater Reutlingen mitmischt. „Meine Tochter ist ebenfalls dabei. Mit ihr ist jetzt die vierte Generation im Theater“, verriet er am Rande der Matinee.

In Baden-Württemberg nimmt das Amateurtheater bundesweit eine Spitzenstellung ein. „Mehr als 620 allein im Landesverband organisierte Theatergruppen mit rund 40 000 Mitgliedern veranstalten jährlich knapp 10 000 Aufführungen“, sagte Naemi Zoe Keuler, die Präsidentin und Geschäftsführerin des Landesverbandes. Die Produktionen seien nicht nur multikulturell, sie umfassten viele Sparten, vom Mundart- bis zum Improvisationstheater und erreichen jährlich mehr als zwei Millionen Zuschauer.

Der heisere Oberbürgermeister machts kurz

Um dieses ehrenamtliche Engagement zu würdigen, verleiht das Land alle zwei Jahre den Landesamateurtheaterpreis, in diesem Jahr zum vierten Mal. „Und zwar immer in dem Ort, der die Heimattage Baden-Württemberg ausrichtet“, sagte der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth – nein, er krächzte, erkältungsbedingt. „Ich mach es deshalb kurz – für Sie und für mich“, sagte Holzwarth zu Beginn seiner Ansprache.

Die Staatssekretärin Petra Olschowski vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst überreichte die Preise an Ensembles aus Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis), Denkendorf (Esslingen), Emerkingen (Alb-Donau-Kreis), Häg-Ehrsberg (Lörrach), Karlsruhe und Stuttgart. Diese hatten am Freitag und Samstag ihre Stücke in Winnenden aufgeführt und damit unter Beweise gestellt, welche Bandbreite und Begeisterung im Amateurtheater im Land möglich ist.

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