Laut Beschluss des Kirchengemeinderats soll die Christus-Erlöser-Kirche aufgegeben werden. Wie es am Standort genau weitergeht, wird sich bald entscheiden. Foto: Archiv Ströbele

Im Laihle stehen Veränderungen an. Die Kirche hat drei Optionen für das Grundstück an der Leharstraße.

Stuttgart-Botnang - Wohnraum in Stuttgart ist knapp und meistens teuer. Dieses Problem ist weder neu, noch unbekannt. Seit Jahren arbeitet die Stadtverwaltung an Lösungen, doch die Ergebnisse sind unbefriedigend. Damit sich die Situation nun in naher Zukunft endlich verbessert, hat vor wenigen Tagen im Gemeinderat eine Generaldebatte zum Thema Wohnen stattgefunden. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sieht den Grund für die Probleme auf dem Wohnungsmarkt darin, dass schon weit vor seinem Amtsantritt der soziale Wohnungsbau zurückgefahren wurde: „Das war ein schwerer Fehler.“ Vor allem in der Region müsse nun mehr passieren. Dem Bau neuer Wohnungen auf der grünen Wiese erteilte Kuhn eine Absage. Dafür will der OB die Quote für den geförderten Wohnungsbau bei neuem Baurecht in der Stadt von 20 auf 30 Prozent anheben. Auch soll die Stadt künftig mehr Flächen ankaufen.

Im Gespräch ist dabei unter anderem noch das Grundstück der katholischen Kirche an der Leharstraße im Gebiet Laihle, das entweder von der Stadt oder von der Kirche selbst neu entwickelt werden soll. Schon vor rund zwei Jahren hat der Kirchengemeinderat beschlossen, dass die Christus-Erlöser-Kirche an diesem Standort aufgegeben werden soll. Das war das Ergebnis einer umfangreichen Bewertung der kirchlichen Gebäude. Im Rahmen des Projekts „Aufbrechen“ soll der Immobilienbestand „spürbar und nachhaltig“ reduziert werden. Der Kirchengemeinderat möchte allerdings, dass die Katholiken an der Lehar­straße auf jeden Fall präsent bleiben. Es soll unbedingt einen Ort geben, an dem sich die Gemeinde treffen kann. Eine Kita soll auf dem Grundstück unterkommen, und Mehrgenerationen-Wohnen ist ein Thema.

Für Wohnungen muss zunächst ein neuer Bebauungsplan her

Erst Anfang des Jahres hat die katholische Kirche betont, dass sie ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung in der Wohnbaupolitik“ gerecht werden möchte. „Wir müssen uns fragen, was können wir tun? Und was sind wir bereit zu tun?“, sagte Stadtdekan Christian Hermes. Konsens war, dass die Kirche weiterhin dazu beitragen müsse, bezahlbaren Wohnraum in einem Ballungsraum mit einem hochpreisigen Wohnungsmarkt zu schaffen, auch für sozial Schwache. „Die katholische Kirche in Stuttgart unterhält mehr als 400 Wohneinheiten und darüber hinaus viele Grundstücke. Wir haben die moralische Verpflichtung, uns damit auseinanderzusetzen, wie unser Beitrag zum Wohnungsbau in der Stadt aussehen soll, auch wenn wir um unsere begrenzten Möglichkeiten wissen“, sagte Christian Hermes.

Um allerdings auf dem Grundstück an der Leharstraße Wohnungen bauen zu dürfen, muss erst ein neuer Bebauungsplan erstellt werden. Das kann aber rund zwei Jahre dauern. Nach der Sommerpause soll auf jeden Fall erst einmal der Aufstellungsbeschluss in den Gremien des Gemeinderats vorgestellt und beschlossen werden, erklärte der Leiter des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung, Detlef Kron, gegenüber unserer Zeitung. Gemeinsam mit der Kirche habe man sich vor wenigen Tagen bei einem Treffen darauf verständigt, dass die Stadt einen Wettbewerb ausloben wird. „Wir streben ein Gutachter-Verfahren an“, sagte Kron. Der Siegerentwurf soll dann in den Bebauungsplan eingearbeitet werden. Grundlage für den Wettbewerb ist die Machbarkeitsstudie, die von der Kirche in Auftrag gegeben wurde. Drei Varianten wurden erarbeitet, die nun in den nächsten Tagen und Wochen in den verschiedenen kirchlichen Gremien vorgestellt und abgestimmt werden sollen.

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