Das Team steht: Hauptdarsteller Winfried Wagner (l.), Ulrike Barthruff (m.) und Simon Licht (2. v. r.) mit Filmproduzent Frieder Scheiffele (2. v. l.) und Drehbuchautor Sebastian Feld (r.) Foto: Schwabenlandfilm/Pascal Rémon Foto: Schwabenlandfilm/Pascal Rémon

Die schwäbischen Bäckersaga „Laible und Frisch“ ist reif fürs Kino, meint Filmproduzent Frieder Scheiffele. Doch weil die Berliner Filmförderung knausert, baut er auf die Unterstützung von Fans.

Stuttgart - Die Erfolgsgeschichte der schwäbischen Bäckersaga „Laible und Frisch“ soll im Kino fortgeschrieben werden. Doch es fehlt am nötigen Geld. Die Fans sollen nun mithelfen, dass der Traum Wirklichkeit wird.

- Herr Scheiffele, was heißt Crowdfunding auf Schwäbisch?
Es gibt den Begriff Schwarmfinanzierung, der ist zwar nicht schwäbisch, aber immerhin deutsch.
Um Ihren TV-Erfolg „Laible und Frisch“ im Kino fortschreiben zu können, setzen Sie jetzt auf das Geld des Schwarms, also das Geld von Fans und Unterstützern.
Wir müssen jetzt unkonventionelle Wege gehen, nachdem uns leider Fördermittel aus Berlin weggebrochen sind.
Wie kam das?
Wir haben uns erfolgreich an den SWR und die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) gewandt, die bereit sind, das schwäbische Produkt zu unterstützen. Die helfen, wo sie können. Nur bei den nationalen Förderungen hapert es. Die Filmförderungsanstalt in Berlin ließ uns wissen, dass ­der „Laible und Frisch“-Film mit dem Titel „Do goht dr Doig“ nur lokal von Interesse sei, und hat uns aus wirtschaftlichen Gründen das Darlehen versagt. Wir haben zwar argumentiert, dass „Laible und Frisch“ als TV-Serie eine große bundesweite Fangemeinde hat und als Theaterstück überdurchschnittlich gut in Stuttgart und Heilbronn lief, aber das hat nichts genützt.
Sie haben über die sozialen Medien eine ­Todesanzeige verbreitet mit dem Text „Unsere beiden Bäcker wurden durch eine traurige Juryentscheidung der Berliner Filmförder­anstalten aus unserer schwäbischen Mitte gerissen“. Steht es so schlecht?
Ja. Wir haben uns gut überlegt, ob man das so machen kann – und uns dafür entschieden. Wir wollen mit der Aktion kurz vor ­Ostern an die Auferstehung erinnern. Und auch daran, dass die Existenz der Filmschaffenden nicht nur von MFG und SWR getragen werden kann. Bundesmittel, die von ­Baden-Württemberg mitfinanziert werden, sollten auch wieder hierher zurückfließen.
Was bedeutet das in Ihrem Fall?
Das heißt, dass wir aus Berlin Geld bekämen, um das Drehbuch umzuschreiben. Ein Drehbuch, von dem der SWR und die MFG überzeugt sind. Wir bewegen uns in Baden-Württemberg, was die Ausbildung und die Fähigkeit der Filmschaffenden angeht, auf einem hohen Niveau. Aber die häufig nicht aufeinander abgestimmten Rahmenbedingungen sind existenzgefährdend.
Um welche Summe geht es, die Sie vom Schwarm erhoffen?
Wir müssen über diese Aktion eine Finanzierungslücke von 50 000 Euro schließen. Es geht uns aber auch darum, Berlin zu zeigen: Schwäbische Filme sind wirtschaftlich und gehören zu unserer Kultur.
50 000 Euro? Auf Hollywood-Verhältnisse übertragen sind das Peanuts.
Das mag schon sein, aber wir sind hier nicht in Hollywood, unsere Geschichte spielt in Schafferdingen.
Wir leben in einer starken Wirtschaftsregion. Könnte man da nicht beim einen oder anderen Autohersteller nachfragen, ob der seine Produkte nicht auf der Leinwand sehen will?
Denkbar ist das schon, und wir bekommen auch solche Angebote. Aber da der SWR unser Co-Produzent ist, ist Product-Placement nicht erlaubt. Das ist widersprüchlich: Ein vor Produktwerbung strotzender „Bond“ darf zwar in der ARD laufen, für deutsche Produktionen gelten aber andere Voraussetzungen.
Wie teuer wird „Do goht dr Doig“ insgesamt?
1,4 Millionen Euro, was für einen Kinofilm wenig ist. Wir stoßen nach vielen Einsparrunden an Grenzen. Teammitglieder und Dienstleister sollten fair vergütet werden. Und wir müssen uns an Gesetze halten.
Wie waren die Reaktionen auf die Todes­anzeige?
Heftig. Viele wollen helfen, darunter namhafte Firmen und auch Prominente wie die bayerische Kabarettistin Monika Gruber und Äffle & Pferdle. Für uns sind solche tollen Zeichen der Solidarität auch als Gradmesser wichtig. Wäre nichts passiert, hätten wir überlegen müssen, ob wir nicht doch die Handbremse ziehen und das Projekt beenden sollen. Immerhin sind die Vorleistungen für uns als Filmschaffende extrem.
Wie läuft Crowdfunding genau ab?
Leute, die uns unterstützen wollen, geben das, was sie können, wir freuen uns auch über kleine Summen und vor allem über Öffentlichkeit. Der Vorteil beim Crowdfunding ist, dass das Geld erst abgebucht wird, wenn das Projekt realisiert wird. Vorher geht nichts vom Konto des Unterstützers weg. Näheres dazu findet man auf unserer Homepage www.laible-und-frisch.de.
Und was haben die Spender davon, außer einem guten Gefühl?
Die Unterstützer erhalten ein Dankeschön. Wer zehn Euro gibt, bekommt ein Buch. Ab 15 Euro wird, wer will, im Nachspann genannt. Wir genießen die Nähe zum Publikum, denn das Publikum trägt uns. Auch bei Dreharbeiten sind Zaungäste willkommen.
Sie werden auch von den Schauspielern ­unterstützt?
Absolut. „Laible und Frisch“ wurde immer von der Solidarität des gesamten Teams getragen. Ein Schauspieler wie Simon Licht könnte höhere Summen abrufen – macht er aber nicht. Peter Jochen Kemmer hat angeboten, seine Gage zurückzustellen.
Nehmen wir an, Sie bekämen die 50 000 Euro zusammen, wie ginge es dann weiter?
Der Plan ist, dass wir im Mai mit den Dreharbeiten loslegen, um den Juni gut ausnützen zu können. Simon Licht spielt in Stuttgart ja auch bei der ZDF-Produktion „Dr. Klein“ mit, und die Kollegen der Bavaria-Film haben da eine kleine Drehpause. In den Sommerferien läuft die Postproduktion. Im November soll es in Stuttgart eine tolle Premiere geben. Der offizielle Kinostart ist für den 28. 12. vorgesehen. Die Weihnachtszeit ist prima für einen Filmstart, denn an Weihnachten liefen wir im Fernsehen, spielten in der Komödie am Marquardt, und es kehren viele Baden-Württemberger über die Feiertage zu ihren Familien nach Hause zurück.
Was darf das Publikum von „Laible und Frisch“ auf der Leinwand erwarten?
Die Leute werden einen völlig eigenständigen Film zu sehen bekommen, es geht nicht darum, die Fernsehserie nachzuerzählen. „Do goht dr Doig“ wird aus der Perspektive des Großbäckers Frisch gedreht, von dem man bisher noch nicht viel weiß. Die Welt in Schafferdingen im Film hat sich verändert: Kleinbäcker Laible hat seinen Kampf gegen Frisch verloren. Aber das heißt nicht, dass Frisch nun ein leichtes Leben hat, schließlich stehen auch Großbäcker heute gewaltig unter Druck. Die Leute werden auf relevante Themen treffen und viel Spaß haben.
Das Personal ist das bekannte?
Ja, wir werden fast alle Schauspieler wieder dabei haben: Winfried Wagner, Ulrike Barthruff und Monika Hirschle. Auch Walter Schultheiß hat zugesagt – immer vorausgesetzt, seine Gesundheit lässt es zu. Seine Frau Trudel Wulle wird auch mit von der Partie sein – in ihrem ersten Kinofilm! Das ganze Team freut sich wahnsinnig auf die beiden.
Walter Schultheiß hat Sie von Anfang an ­unterstützt.
Das kann man wohl sagen, und ich bin stolz darauf. Er hat bei meiner Studienarbeit an der Filmakademie in Ludwigsburg mitgespielt, weil er einen Beitrag leisten wollte, dass wir jungen Filmschaffenden einen ­Einstieg in die Branche bekommen. Deshalb hat er auch auf seine Gage verzichtet.
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