Beim Neujahrsempfang der IHK im vergangenen Jahr hat Claus Paal (rechts) noch pessimistischere Stimmen gehört. Foto: Gottfried Stoppel

Die heimische Wirtschaft hat sich seit Sommer aus dem Coronatief befreit, sagt der IHK-Präsident Claus Paal. Die meisten Unternehmer seien optimistisch – doch es gibt auch Risiken.

Waiblingen - Der Tiefpunkt vom Sommer vergangenen Jahres ist überwunden. Die Erholung der Wirtschaft komme voran, sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer im Rems-Murr-Kreis, Claus Paal. Allerdings habe die zunächst recht flotte Erholung deutlich an Fahrt verloren. Auch wenn nur noch relativ wenige heimische Betriebe stark unter den Maßnahmen der Infektionsbekämpfung litten, hätten die Herausforderungen in jüngster Zeit wieder deutlich zugenommen.

Lieferketten zum Teil massiv gestört

Der größte Hemmschuh derzeit ist der vielfach fehlende Nachschub bei Rohstoffen oder Vorprodukten. Die Lieferketten seien zum Teil massiv gestört, sagt Claus Paal. Gründe dafür gebe es wahrscheinlich mehrere. Einer davon sei sicher das havarierte Containerschiff, das im Frühjahr den Suezkanal blockiert hatte und noch immer dafür sorge, dass sich in den Häfen nach wie vor die Anlieferer stauten. Eine andere Theorie nennt Markus Beier, der leitende Geschäftsführer der Bezirkskammer: Einzelne Handelsmächte seien unterschiedlich vom Corona-Lockdown betroffen gewesen, China etwa sei deutlich früher wieder gestartet. Zudem könnte eine Art „Klopapiereffekt“ die Rohstoffknappheit verschärfen: Von einem nicht verfügbaren Produkt wird plötzlich umso mehr bestellt. „Der Takt ist durcheinander geraten“, sagt Claus Paal. Und wann sich alles wieder einspielen werde, sei offen: „Die meisten Experten gehen davon aus, dass sich die Lage im Frühjahr wieder beruhigen wird, ein paar glauben das jedoch nicht.“

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Die Mehrheit der Unternehmer im Rems-Murr-Kreis blickt laut der jüngsten IHK-Umfrage offenbar dennoch optimistisch in die Zukunft. Mehr als zwei Drittel der befragten Firmenchefs rechnet zumindest mit gleichbleibenden Geschäften, lediglich 16 Prozent mit Einbußen. Am optimistischsten sind Industrie- und Baubranche. Insgesamt liegt der sogenannte Konjunkturklimaindex, also die Gesamtbetrachtung der aktuellen Lageeinschätzung im Verhältnis zur zukünftigen Geschäftserwartung, immer noch 13 Punkte unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt und stagniert im Vergleich zur Frühjahrsumfrage bei 111,7 Punkten.

Paal: Wirtschaftshilfen haben geholfen

Die Pandemie habe voll zugeschlagen, räumt IHK-Präsident Claus Paal ein, aber die Corona-Soforthilfen seien gut und richtig gewesen und hätten dafür gesorgt, „dass der Motor nicht ausgegangen oder die Batterie nicht leergefahren worden ist“. Er sei überzeugt, dass sich die Erholung der Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis fortsetzen werde. Man erlebe jetzt, im Herbst, eine Art „Verschnaufpause auf gutem Niveau“. Die momentane Beruhigung der Konjunktur sei zu spüren, aber nicht als Beunruhigung zu werten.

Natürlich hänge auch einiges davon ab, welche Auswirkungen die Pandemie jetzt noch zeitigen werde. Diese habe in einigen Bereichen der Wirtschaft allerdings sogar auch wie ein „Booster“ gewirkt: Manche Entwicklungen – etwa Internetkonferenzen oder Möglichkeiten des Homeoffice – seien vorangetrieben worden und würden auch nach Corona sicher nicht mehr zurückgenommen. Manches beschleunigt Eingeführte, etwa das Recht auf Heimarbeit, bedürfe nun allerdings allgemeiner Regeln, sagt Paal.

Markus Beier hofft, dass es nun auch noch in anderen Bereichen weitergeht – etwa bei Dienstleistungen und Bürokratieabbau in Verwaltungen. „Digitalisierung ist nämlich noch deutlich mehr als Homeoffice und Glasfaserausbau“, sagt Beier.

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