Die Lärmbelastung durch Straßenverkehr sollte tagsüber nicht mehr als 53 Dezibel im Durchschnitt betragen. (Symbolbild) Foto: dpa

Heulende Motoren, quietschende Reifen und lautes Hupen - der Verkehrslärm macht vielen Menschen im Südwesten zu schaffen. Experten haben einige Ideen, um den Krach einzudämmen.

Stuttgart - Der Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, Thomas Marwein (Grüne), fordert von den Kommunen stärkere Anstrengungen gegen laute Verkehrsgeräusche. „Lärm macht krank“, sagte der Grünen-Politiker in Stuttgart. Im Südwesten seien mehr als 250 000 Bürger massiv von Verkehrslärm betroffen. Es gebe mehrere Möglichkeiten, das Thema anzugehen. „Die Ausweisung von zusätzlichen Tempo 30-Zonen, die Umstellung auf Flüsterasphalt und den Ausbau des Nahverkehrs, damit nicht mehr so viele Fahrten mit dem Auto unternommen werden müssen.“

Flüsterasphalt sei inzwischen fast auf dem gleichen Preisniveau wie normaler Asphalt. Früher sei er deutlich teurer gewesen. Lärmschutz koste natürlich Geld. „Die Kommunen können beim Lärmschutz auch einmal freiwillig etwas zum Wohle ihrer Bürger tun“, forderte Marwein. Er begrüßte auch eine neue Veröffentlichung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Thema Lärm.

Maximal 54 Dezibel am Tag

Für Straßen-, Schienen- und Luftverkehr empfiehlt die WHO folgende Grenzen: Für die durchschnittliche Lärmbelastung durch Straßenverkehr tagsüber nicht mehr als 53 Dezibel, bei Schienenverkehr nicht mehr als 54 Dezibel und für Flugverkehr nicht mehr als 45 Dezibel. Die nächtlichen Richtwerte sind 45 Dezibel für Straßenverkehr, 44 für Schienen- und 40 für Luftverkehr. In Deutschland lägen die Richtwerte höher, sagte der Grünen-Politiker. Der Präsident des Gemeindetags, Roger Kehle, reagierte zurückhaltend. Es bleibe abzuwarten, welche Schlüsse der Gesetzgeber aus der WHO-Studie ziehen werde.

BUND-Landesgeschäftsführerin, Sylvia Pilarsky-Grosch, forderte die Politik zum Handeln auf. „Ganz konkret bedeutet das: mehr Tempo-30-Zonen in den Gemeinden und Tempo 120 auf Autobahnen.“ In Deutschland gebe es bisher nur Regelungen zum Lärmschutz zu neuen, jedoch nicht zu bestehenden Straßen. Hier müsse die Bundesregierung dringend nachbessern. Sonst hätten die Menschen nichts von den neuen Richtwerten.

Im Südwesten sind die Kommunen demnach gerade dabei, Lärmaktionspläne aufzustellen. Von der EU-Vorgabe sind rund 650 Gemeinden mit entsprechenden Hauptverkehrsstraßen und Haupteisenbahnstrecken im Land betroffen, wie Marwein mitteilte. Etwa 250 Kommunen hätten das bislang aber noch nicht getan.

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