Die Schießbahnen eins bis drei (rechts oben) sind überdacht, Die Bahnen vier und fünf (vorne links) sind ohne Schallschutz Foto: Friedrich Stampe

So optimistisch wie im Moment ist Ulrich Durst, der Sprecher der Bürgerinitiative Rauher Kapf gegen den Schießlärm der US-Army, schon lange nicht mehr gewesen. Experten des Autobauers Daimler haben Vorschläge unterbreitet, wie man mit weniger aufwendigen Maßnahmen eine Schalldämmung erreichen kann.

Böblingen - Die Experten kommen von Daimler. Die Stadtverwaltung Böblingen hatte um Hilfe angefragt. Einer der Experten ist Thorsten Breitfeld, Böblinger CDU-Stadtrat und früherer Sprecher der Initiative Leise A 81. Auch von Berufs wegen ist der Ingenieur mit Schallschutzthemen befasst.

„Ich habe mir die offenen Schießbahnen vier und fünf angeschaut und verschiedene Alternativen entwickelt, wie man dort einen Schallschutz bauen könnte“, sagt Breitfeld. Möglich sei etwa eine Wand mit Modulen, die einen Teil des Lärms absorbieren, erklärt er. Die verschiedenen Alternativen stellte er in der vergangenen Woche den Vertretern von Stadt, Bund und US-Amy vor. Mit dabei war auch der Brigadegeneral Markus Laubenthal. Der 52-Jährige wurde vor einem Jahr zum ersten deutschen Stabschef der US-Army berufen. „Seit er dabei ist, ist endlich Bewegung in die Sache gekommen“, sagt Ulrich Durst. Ähnlich sieht es der Böblinger OB Wolfgang Lützner. Er ist zuversichtlich, dass nun eine, wenn auch „kleine Lösung“ des Lärmproblems bevorsteht.

Eine „große Lösung“ hatte man bereits vor Jahren nach zähen Verhandlungen gefunden. Alle Beteiligten hatten sich damals auf eine Dämmung durch eine Kassettendecke über den offenen Schießbahnen geeinigt. Doch als Knackpunkt erwiesen sich die Kosten von drei Millionen Euro. Die US-Army fordert, dass sich daran auch die deutsche Seite beteiligen sollte. Diese argumentiert, dass die Kosten der Verursacher zu tragen habe. Seither ruhen die Pläne. Nun sind kostengünstigere Lösungen gefragt. Auch interne Überlegungen bei der US-Armee, den Schießstand bei der Panzerkaserne ganz oder teilweise zu verlegen, spielen eine Rolle. „Wir überprüfen derzeit die künftige Nutzungskapazität der Schießanlage“, bestätigt eine Sprecherin des Wiesbadener Hauptquartiers des US-Heeres in Europa.

Zurzeit noch ist die Böblinger Schießanlage das Trainingslager für US-Soldaten aus aller Welt. Hier üben sie für ihre weltweiten Einsätze. Die Schießanlage ist fast täglich in Betrieb. Seit 20 Jahren, damals begann das intensive Schießtraining, wehrt sich die Bürgerinitiative Rauher Kapf gegen den manchmal kriegsähnlichen Lärm, der teilweise den ganzen Tag und bis in die Abendstunden andauert. Das Wohngebiet, in dem mehrere hundert Menschen leben, ist nur wenige hundert Meter vom Schießstand entfernt.

Die US-Army argumentiert, dass sich der Schießstand auf einem Gelände befindet, das seit 1938 ununterbrochen militärischen Zwecken diente. Lange bevor in den 1960er Jahren das Wohngebiet Rauher Kapf errichtet wurde, habe es dort einen Schießstand gegeben. Die Anwohner wiederum erklären, dass der kriegsähnliche Lärm erst Anfang der 1990er Jahre eingesetzt habe. Damals baute die Armee die Trainingsanlage aus und begann gezielt mit den Einsatzübungen für den Nahen Osten. Nun hoffen die Anwohner, dass die von Daimler entwickelten Vorschläge ihnen Entlastung bringen. Momentan werden diese geprüft und die Kosten berechnet.

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