Lärmverursacher Nummer 1 in den Filderbezirken ist der Straßenverkehr. Foto: LG/Zweygarth

Die Stadt erhebt regelmäßig Lärmdaten. Wo liegen Schwerpunkte auf den Fildern? Was verursacht den Lärm? Und was wird zum Schutz der Anwohner gemacht?

Filder - Alle fünf Jahre erfasst die Stadt die Lärmbelastung in Stuttgart. Die aktuellen Daten entstammen der Lärmkartierung 2017. Zwar sind in den Innenstadt- und Neckarbezirken, Feuerbach und Zuffenhausen mehr Einwohner mit Lärm belastet, aber auch auf den Fildern gibt es Lärmschwerpunkte, informiert das Amt für Umweltschutz. An Schwerpunkten liegen die Lärmpegel nachts im Mittel über 60 Dezibel liegen. Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Gesprächs oder des Radios in Zimmerlautstärke.

Wo ist es besonders laut?

Schwerpunkte gibt es in Vaihingen, Möhringen, Degerloch und Plieningen einige: Hauptstraße, Robert-Koch-Straße, Schönbuchstraße (alle Vaihingen) sowie Hechinger Straße, Laustraße, Plieninger Straße, Sigmaringer Straße und Vaihinger Straße in Möhringen. In Degerloch müssen die Anwohner der Oberen Weinsteige/B 27 laut Umweltamt nachts sogar über 65 Dezibel ertragen. Auch an der Epple-, Jahn-, Löffel-/B 27 und Rubensstraße werden hohe Lärmpegel erreicht, ebenso in Plieningen an der Filderhauptstraße, Neuhauser oder der Scharnhauser Straße. „Vergleichsweise ruhige Stadtbezirke sind Birkach und Sillenbuch“, schreibt das Umweltamt. Aber an der Birkheckenstraße und der Kirchheimer Straße etwa ist die Lärmbelastung ebenfalls hoch.

Größte Lärmquelle ist der Straßenverkehr. In Vaihingen, Möhringen, Degerloch, Plieningen, Sillenbuch und Birkach belastet ein Lärmpegel von mehr als 55 Dezibel nachts insgesamt etwa 4260 Menschen, etwa 720 davon müssen sogar mehr als 60 Dezibel ertragen. Zum Vergleich: in Stuttgart insgesamt sind es etwa 39 000 Menschen, die mit mehr als 55 Dezibel nachts beschallt werden und 15 500 Menschen mit mehr als 60 Dezibel.

„Deutlich weniger Menschen werden durch die Stadtbahn oder Eisenbahn belastet“, schreibt das Amt. In Vaihingen sind demnach durch die Stadtbahn 100 Menschen betroffen (nachts mehr als 55 Dezibel), zehn Menschen mit mehr als 60 Dezibel. In Möhringen seien es 500 Menschen mit mehr als 55 Dezibel und 120 mit über 60 Dezibel. In den übrigen Filderbezirken wiederum bekommen die Einwohner von der Stadtbahn gar nichts mit.

In Vaihingen sind die Anwohner der Gäubahntrasse von Eisenbahnlärm betroffen, vor allem in der Champignystraße und an einigen Stellen in Rohr. Plieningen sei der einzige Stadtbezirk, der durch Fluglärm belastet ist. Die Zahlen der Betroffenen sind laut der aktuellen Lärmkartierung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg deutlich geringer als beim Straßenverkehr: 110 Menschen müssen tagsüber einen Durchschnittspegel von 55 Dezibel ertragen. Nachts gilt das Flugverbot. „In anderen Gebieten liegen die Werte unter 55 Dezibel am Tag und 50 Dezibel in der Nacht“, so das städtische Amt für Umweltschutz.

Was macht die Stadt zur Lärmreduzierung?

Für Vaihingen wurde bereits im Jahr 2000 ein Lärmminderungsplan aufgestellt. Als Hilfsmaßnahme wurde etwa ein Durchfahrtsverbot für Lkw über 3,5 Tonnen durch ganz Vaihingen eingeführt. Auch Straßenumbauten und Tempo-30-Zonen wie an der Heerstraße nennt das Umweltschutzamt. In den letzten Jahren sei zudem auf der A 8 zwischen Autobahnkreuz Stuttgart und Nord-Süd-Straße ein lärmmindernder Belag aufgebracht worden, ebenso an der der B 27 zwischen Sonnenberg und der Kreuzung am P+R-Parkhaus Albstraße in Degerloch. An der Gründgensstraße in Vaihingen ist eine Lärmschutzwand zur A 831 errichtet worden. Auch der Einbahnstraßenring im Ortskern Plieningen zählt zu den Maßnahmen.

Geplant seien zudem lärmmindernde Fahrbahnbeläge auf der A 8 Fasanenhof – Flughafen/Plieningen und auf der Neuen Weinsteige /Jahnstraße. Auch vom Umbau der Osterbronnstraße in Dürrlewang, dem Ausbau der Radwege und der Beschleunigung des Busverkehrs durch Busspuren und Bevorrechtigungen an Ampel erhofft sich die Stadt eine Lärmminderung.

„Wie sich die Lärmbelastung in Einzelbereichen auf den Fildern entwickelt, hängt davon ab, welche Maßnahmen durchgeführt werden“, schreibt das Umweltamt, das betont, dass der Lärmaktionsplan nicht zum Handeln verpflichtet. Die Stadt will prüfen, wie sich Tempo 30 nachts auf Hauptverkehrsstraßen auswirkt. „Im Moment ist noch keine Aussage möglich, bis wann Ergebnisse für die Filderbezirke vorliegen.“ Werden Hauptverkehrsstraßen saniert, soll mit geprüft werden, ob ein lärmschluckender Straßenbelag sinnvoll ist.

„Im Maßnahmenkonzept des Lärmaktionsplans stehen weiterhin Kreisverkehre, über deren Bau noch nicht entschieden wurde“, schreibt das Umweltamt. Dazu zählt etwa die Albstraße/Sigmaringer Straße in Degerloch. Auch weitere Lärmschutzwände (Möhringen, Fasanenhof) sind im Gespräch, aber noch nicht finanziert.

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