Florian Wirtz hebt nach seiner Glanzvorstellung gegen die Schweiz ab. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Der Bundestrainer Julian Nagelsmann gewinnt mit dem Sieg im WM-Test gegen die Schweiz wichtige Erkenntnisse. Nun sollen sie gegen Ghana zum Tragen kommen.

Es hat geschmerzt. Joshua Kimmich lag ungewöhnlich lange am Boden, als er während der zweiten Hälfte einen Schlag von Johan Manzambi ins Gesicht abbekam. Nach einer längeren Behandlungspause ging es für den Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schließlich weiter – und nach dem 4:3-Sieg in der Schweiz war das Ganze schnell beiseite geschoben. „Es tat kurz weh, aber jetzt ist es wieder in Ordnung“, sagte der Rechtsverteidiger mit einem Pflaster auf der dicken Oberlippe. Der nächste Gegner an diesem Montag (20.45 Uhr/ARD) in Stuttgart kann kommen. Ghana ist es und wird der Abwehr ebenso einiges abverlangen.

 

Kimmichs Gesundheits- und Gemütszustand spiegelte dann auch die Verfassung im Lager des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wider. Mit den drei Gegentoren durch Dan Ndoye (17.), Breel Embolo (41.) und Joel Monteiro (79.) hatte es einige Schrammen in Basel gegeben. Doch die Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann steckte die Rückschläge weg. Besser noch: Sie wusste sich gegen effiziente Eidgenossen nicht nur zu wehren, sondern kam dank ihrer spielerischen Überlegenheit und eines überragenden Florian Wirtz zu einem wichtigen Erfolg im Vorfeld der Weltmeisterschaft.

Der Zauberfuß vom FC Liverpool war beim WM-Test an allen vier Toren des DFB-Teams beteiligt. Zwei erzielte er mit Kunstschüssen selbst (61./86.), die zwei weiteren durch Jonathan Tah (26.) und Serge Gnabry (45.+2) bereitete Wirtz vor. „Er ist ja schon ein Weltklasse-Fußballer. Und wenn er seine Mentalität beibehält, dann wird er über ganz, ganz lange Zeit ganz oben stehen bei allen Clubs. Weil er einfach unfassbar gut ist, engagiert und immer mit der nötigen Power auftritt“, sagte Nagelsmann über den 22-Jährigen. Dieser glänzte und rackerte gleichzeitig, was sich auf die Mannschaft übertrug.

„Ich habe viel Gutes gesehen, wir haben viele Tore erzielt und viele Chancen herausgespielt, mussten aber auch ein paar Widerständen trotzen. Die Mentalität fand ich gut, auch, dass wir mit hundert Prozent Spannung unterwegs waren. Die Jungs sind trotz des späten Ausgleichs noch einmal verdient zurückgekommen“, zog Nagelsmann ein positives Fazit.

Nico Schlotterbeck hat sich folgenschwere Fehlpässe erlaubt. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

Trotzdem gibt es Punkte, die verbessert werden müssen – und den Bundestrainer mit Blick auf das Turnier im Sommer vielleicht sogar bedenklich stimmen. Dabei geht es um die Defensive. Sie offenbarte einmal mehr Lücken und leistete sich Patzer. Sinnbildlich dafür stand Nico Schlotterbeck. Dem Innenverteidiger unterliefen zwei folgenschwere Fehlpässe im Aufbau, die zu Gegentoren führten. So einen fahrigen Auftritt hatte der Dortmunder im DFB-Trikot schon lange nicht mehr gezeigt. Dennoch hob Nagelsmann die Reaktion des Abwehrspielers hervor: „Er bekommt jetzt keinen Rüffel. Ich finde, er hat sich im Spiel gefangen.“

Mit solchen Aussagen versucht der Bundestrainer, knapp elf Wochen vor WM-Beginn die Spieler und den Teamgeist zu stärken. Zumal er sich vorläufig auf Schlotterbeck und Jonathan Tah im Abwehrzentrum festgelegt hat. Antonio Rüdiger gilt im Augenblick als Herausforderer. Allerdings stellt der Mann von Real Madrid einen äußerst aggressiven Ersatzspieler dar, der um seinen Platz in der Startformation kämpfen wird.

Allerdings muss sich der Routinier wohl noch in Geduld üben. Zu seiner Form werde er am Montag schon wieder zurückfinden, meinte Nagelsmann über Schlotterbeck, der sich mit Tah weiter einspielen soll. Ähnliches gilt dabei für den Stürmer Kai Havertz, der nach 16 Monaten mit diversen Verletzungspausen im St. Jakobs Park sein Comeback für Deutschland gab. Durchaus verheißungsvoll. „Er hatte sechs, sieben sehr gefährliche Situationen. Und ja, er muss gesund sein und zu einer guten Fitness finden. Dann ist das für uns auf dem Niveau wie Florian Wirtz oder wie Jamal Musiala“, sagte Nagelsmann über Havertz. Auf Weltklasse-Niveau soll das heißen – und davon kann die DFB-Elf nicht genug Spieler haben.