Ghanas Chefcoach Otto Addo (re.) fordert an diesem Montag in Stuttgart die deutsche Fußball-Nationalelf von Bundestrainer Julian Nagelsmann heraus. Foto: IMAGO/Sven Simon

Der in Hamburg geborene Trainer Ghanas freut sich auf den Test gegen die deutsche Elf. Der souveränen Qualifikation soll nun eine starke WM-Leistung folgen.

An diesem Montag (20.45 Uhr/ARD) bestreitet die deutsche Fußball-Nationalelf ihr zweites Testspiel des Jahres in der ausverkauften Stuttgarter MHP-Arena gegen Ghana. Auch die Afrikaner um Trainer Otto Addo haben sich für die WM in den USA, Mexiko und Kanada qualifiziert.

 

Der Trainer Otto Addo, geboren in Hamburg als Sohn eines aus Ghana eingewanderten Arztes, ist seit März 2024 der Cheftrainer der Black Stars, wie die Nationalelf Ghanas genannt wird. Addo wuchs im Hamburg Stadtteil Hummelbüttel auf und spielte unter anderem für Borussia Dortmund, den Hamburger SV, den FSV Mainz 05 sowie für Hannover 96. Mit Dortmund wurde er 2002 Deutscher Meister.

Addo war lange Trainer der so genannten Toptalente beim BVB – und zuletzt Co-Trainer unter Edin Terzic. An der WM 2006 nahm er als Spieler Ghanas teil, 2022 scheiterte er als Interimstrainer Ghanas in der WM-Gruppenphase, kehrte zunächst zum BVB zurück, eher er im Frühjahr 2024 als Cheftrainer übernahm und sein Team zur WM führte: „Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Vorrunde überstehen. In der K.o.-Phase ist dann alles möglich, das hängt auch von den Gegnern ab“, sagt Addo.

Die Erfolge Die ghanaische Fußballnationalmannschaft ist eine der erfolgreichsten Mannschaften Afrikas. Die Black Stars, aktuell 72. der Fifa-Weltrangliste, haben viermal (2006, 2010, 2014 und 2022) an Weltmeisterschaften teilgenommen. Ihr bestes WM-Ergebnis erzielte das Team im Viertelfinale der Endrunde 2010 in Südafrika, wo man gegen Uruguay erst im Elfmeterschießen ausschied. Ghana ist mit neun Endspielteilnahmen ein Rekordfinalist beim Afrika-Cup, gewann aber nur 1978 und 1982. Bei der WM 2014 holte Ghana beim 2:2 im Gruppenspiel als einziges Team einen Punkt gegen den späteren Weltmeister Deutschland.

Die Spieler Das hierzulande bekannteste Gesicht im Kader Ghanas für das Spiel in Stuttgart gehört dem HSV-Stürmer Randsford Königsdörffer, der in Berlin, der Heimat seiner Mutter, geboren wurde. Der 24-Jährige, dessen Vater aus Ghana kommt, trägt den zweiten Vornamen Yeboah, als Hommage an den Nationalhelden Anthony Yeboah, der in der Bundesliga einst für Eintracht Frankfurt und den Hamburger SV stürmte. Auch Innenverteidiger Patric Pfeiffer (Darmstadt 98) sowie der linke Mittelfeldspieler Derrick Köhn (1. FC Union Berlin) spielen bei deutschen Clubs.

Die aktuelle Lage Ghana setzte sich in der Gruppe I der afrikanischen WM-Qualifikation gegen Mali, Madagaskar, die Zentralafrikanische Republik, die Komoren und den Tschad mit acht Siegen, einem Unentschieden und einer Niederlage durch. Zuletzt erlebte das Team jedoch ein 1:5-Debakel beim WM-Test in Österreich. Topstar Mohammed Kudus von den Tottenham Hotspur war der Mann für die entscheidende Tore in der Qualifikation. Unter anderem traf der 25-Jährige, dessen Marktwert bei 55 Millionen Euro liegt, im letzten Quali-Spiel beim knappen 1:0-Sieg über die Komoren. Aktuell ist Kudus am Oberschenkel verletzt, fehlt daher in Stuttgart.

Winfried Schäfer arbeitet seit 15 Monaten als Technischer Direktor für den Fußballverband Ghanas. Foto: IMAGO/fohlenfoto

Bei der Organisation rund um die Mannschaft setzt Ghana auch auf die Erfahrung des ehemaligen VfB- und KSC-Trainers Winfried Schäfer, 75, der einst die Nationalelf Kameruns gecoacht hat. „Er hat mir als Trainer den Rücken freigehalten, sodass ich meinen Fokus noch mehr auf das Sportliche legen konnte“, sagt Otto Addo, der mit seinem Team die Teilnahme am Afrika-Cup im Januar verpasst hatte: „Auch für den Verband leistet er als Technischer Direktor sehr viel strukturelle Optimierungsarbeit.“

Mit dem Spiel gegen Ghana will der DFB gegen ein Team mit afrikanischem Spielstil testen. Zunächst war die Elfenbeinküste als Gegner vorgesehen. Da die Ivorer nun aber Gruppengegner der Deutschen bei der WM sind, sprang das Team von Trainer Otto Addo gerne ein.