E-Autos können immer öfter an der Straße, auf Parkplätzen und an Tankstellen laden. In Baden-Württemberg haben die Ladesäulen 2023 einen großen Sprung gemacht – doch nicht überall gleich stark. Unser Ladesäulenranking zeigt, welche Gemeinden die Nase vorn haben.
Auf Supermarktparkplätzen, an Autobahnen und in Parkhäusern: Die Zahl der öffentlichen Ladesäulen in Baden-Württemberg ist seit 2023 stark angestiegen, an immer mehr Orten können Fahrer inzwischen ihr E-Auto laden. Ende März standen im Land mehr als 20 000 öffentliche Ladepunkte, ein Zuwachs von rund 37 Prozent im Vergleich zum Jahresanfang 2023. Das zeigt das Ladesäulenranking unserer Redaktion, das auf dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur beruht.
Im Ranking der Großstädte hat Stuttgart mit jetzt 2672 Ladepunkten Heilbronn vom ersten Platz verdrängt. Die Landeshauptstadt ist damit im Verhältnis zur Bevölkerungszahl besser ausgestattet als München oder Hamburg, je 1000 Einwohner stehen in Stuttgart 4,38 Ladepunkte. In Heilbronn, dem Südwest-Spitzenreiter des letzten Jahres, sind es nun 3,84. Innerhalb von 15 Monaten kamen in Stuttgart mehr als tausend Ladepunkte hinzu.
Kaum etwas getan hat sich hingegen in Reutlingen. Hier kamen seit Januar 2023 gerade einmal zwölf Ladepunkte hinzu, doch zugleich wuchs die Zahl der E-Autos – das Verhältnis der gemeldeten Elektroautos zu öffentlichen Ladepunkten hat sich dadurch verschlechtert. Inzwischen teilen sich mehr als fünfzehn E-Autos rechnerisch einen Ladepunkt, etwa drei mal so viele wie in Stuttgart.
Ladesäulenranking für Baden-Württemberg
Die folgende Tabelle zeigt das Ladesäulenranking unserer Redaktion für die neun Großstädte im Land – sie lässt sich nach den unterschiedlichen Kriterien sortieren. Über die beiden Schaltflächen können Sie zwischen dem aktuellen Stand und dem Zuwachs seit Anfang 2023 hin- und herschalten:
Die Stadt Reutlingen teilt auf Anfrage mit, man wisse derzeit von keinen Bürgerwünschen nach neuen Standorten an öffentlichen Straßen und verweist auf die gesunkene Nachfrage nach E-Autos. Investorenanfragen für Ladesäulen auf öffentlichen Flächen gebe es „ein bis drei pro Jahr“, so eine Sprecherin. Betreiber seien vielleicht auch deswegen weniger interessiert, weil angesichts der „überwiegend offenen Bebauung der Stadt Reutlingen“ viele Menschen die Möglichkeit hätten, sich eine Wallbox zuzulegen.
Der Ausbau läuft auch im Rest des Landes nicht gleichmäßig. Wenn neue Ladesäulen gebaut werden, dann häufig in großen und mittleren Städten, in rund der Hälfte der Gemeinden in Baden-Württemberg ging seit Januar 2023 keine neue Ladesäule an den Start. Zwar gibt es immer weniger Gemeinden, in denen das Register keine einzige öffentliche Ladesäule verzeichnet, doch im Südwesten sind es immer noch 189 – rund 17 Prozent aller Gemeinden im Land.
Wo stark zugebaut wurde und wo der Ladesäulenausbau stagniert, zeigt die folgende Karte für ganz Baden-Württemberg – mit einem Klick auf eine Gemeinde erhalten Sie detaillierte Informationen:
Ist „Wo soll ich laden?“ noch ein Problem?
Dass der Ausbau nicht überall vorangeht, heißt jedoch nicht, dass das Ladenetz noch zu viele Löcher hat. Das betont Patrick Plötz, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung. „In den allermeisten Gemeinden gibt es Ladesäulen, teilweise sogar ziemlich viele“, sagt Plötz. „Zugleich brauchen viele Menschen im ländlichen Raum sie gar nicht, weil viele im Eigenheim laden können.“ Hinzu kommen Lademöglichkeiten beim Einkaufen, die große Supermarktketten zunehmend ausbauen. Baustellen sieht Plötz für Menschen ohne Wallbox eher noch beim Laden am Arbeitsplatz oder bei der ungeklärten Rechtslage für Wallboxen an Mehrfamilienhäusern.
Plötz hebt hervor: „Obwohl immer mehr E-Autos hinzukommen, bleibt die Auslastung der Ladesäulen weiter niedrig.“ Wie bereits vor einem Jahr ist teils nur jede zehnte Ladesäule belegt. „Das heißt, es muss eigentlich niemand Angst davor haben, keinen Ladepunkt mehr zu bekommen“, sagt Plötz. Ausnahmen seien beispielsweise Stoßzeiten an der Autobahn, doch insgesamt hält Plötz die Lage für „weiterhin entspannt.“
Im vergangenen Jahr belegte Karlsruhe den letzten Platz des Ladesäulenrankings. Hier wurden seit Anfang 2023 mehr als hundert neue Ladepunkte aufgestellt, im Ranking liegt Pforzheim nun hinter Karlsruhe. Doch es fällt auf, dass in Karlsruhe nur zwei Schnellladesäulen hinzugekommen sind – obwohl die Stadt vor einem Jahr betont hatte, man setze auf schnelles Laden an Hauptverkehrsstraßen. Auf Nachfrage erklärt die Stadt, es habe sich gezeigt, „dass nur wenige Flächen die hohen wirtschaftlichen und technischen Anforderungen an Schnelllade-Standorte erfüllen“. Es gebe zwar Bedarf und man bereite eine neue Ausschreibung vor. Doch die Strategie der Stadt soll künftig auch langsame Ladesäulen berücksichtigen – deren Ausbau auf Supermarktparkplätzen und an Tankstellen schätzt die Stadt als „erfolgreich“ ein.
Wo lohnen sich Schnellladesäulen?
Das Beispiel Karlsruhe zeigt: Ob Ladesäulen überall dort stehen, wo sie gebraucht werden, ist oft nur ein Teil der Überlegung. Manche Anbieter wie die EnBW setzen stark auf Schnellladesäulen, die wesentlich mehr Autos in kürzerer Zeit laden können. Das rechnet sich schneller – aber nur dort, wo der Bedarf groß genug ist. „Viele Anbieter haben in den letzten Jahren stark expandiert, um sich schnell die guten Standorte zu sichern“, sagt Plötz. Neuer sei die Entwicklung, dass auch Tankstellenbetreiber wie Aral und Shell um Marktanteile konkurrierten, beobachtet Plötz. Bundesweit werden schnelle Ladesäulen überproportional schnell ausgebaut, in Baden-Württemberg ist ihre Zahl seit Anfang 2023 prozentual ähnlich stark gestiegen wie die Gesamtzahl – um rund 730 Ladepunkte oder 37 Prozent in 15 Monaten.
Den Bedarf an Schnellladern sieht Plötz weiter stark steigen, weil neuere E-Auto-Modelle hohe Ladeleistungen jenseits der 150 Kilowatt öfter auch tatsächlich aufnehmen können. Wenn die Autos entsprechend schnell laden können, spielt auch die insgesamt verfügbare Ladeleistung eine größere Rolle. Hier hat im Ladesäulenranking unter den Südwest-Großstädten weiterhin Ulm mit rund 135 Kilowatt Ladeleistung pro tausend Einwohnern die Nase vorn – deutlich vor Stuttgart (88) und Heilbronn (84). Die Ladeleistung ist der Maßstab in einer entsprechenden EU-Richtlinie – und gilt in Fachkreisen laut Plötz als wichtiger als das ursprüngliche Ziel der deutschen Politik, bis 2030 eine Million Ladepunkte zu bauen.
Ladesäulenranking
Daten
Das Ladesäulenranking unserer Redaktion basiert auf dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, die aktuellsten Zahlen reichen bis zum 21. März 2024. Bei der Behörde müssen alle öffentlich zugänglichen Ladesäulen gemeldet werden. Unsere Auswertung basiert allerdings nur auf den Ladesäulen, bei denen die Betreiber zugestimmt haben, den Standort zu veröffentlichen. Zum Stand 1. Januar 2024 waren in Stuttgart beispielsweise bereits mehr als 2700 Ladepunkte registriert, in unsere Auswertung sind aber nur die veröffentlichten Ladesäulen eingegangen, weil die unveröffentlichten Säulen nicht für kleinere Gemeinden vorliegen. Zudem interpretieren nicht alle Betreiber gleich, was „öffentlich“ bedeutet – die Stadtwerke Stuttgart beispielsweise werten Säulen in Parkhäusern nur als „halböffentlich“.
Methodik
Da die Angaben zu den Ladesäulen teils fehlerhaft sind, haben wir die Standorte der Säulen anhand ihrer Geokoordinaten einer Gemeinde zugerechnet. In einzelnen Zweifelsfällen ließen sich fehlerhafte Angaben nicht überprüfen, sodass einzelne Ladesäulen aus der Auswertung entfernt wurden; ebenso kann es nahe an Gemeindegrenzen zu leichten Unschärfen kommen. Die hier genannten Zahlen sind also als Untergrenze zu verstehen, von Ort zu Ort können auch mehr Ladesäulen vorhanden sein.