Immer mehr Apotheken schließen. Dafür gibt es viele Gründe. Foto: dpa

Das Ladensterben geht weiter. Nicht nur die Apotheke in Stuttgart-Kaltental, sondern auch die Apotheke an der Sigmundtstraße in Stuttgart-Vaihingen schließt. Warum?

Vaihingen - Axel Joos liebt seinen Job. Am 1. Juli 1989 hat er seine eigene Apotheke an der Sigmundtstraße im Vaihinger Ortskern eröffnet. Jetzt macht er Schluss. Die Apotheke schließt Ende Mai. Joos beginnt dann mit 60 Jahren noch einmal als Angestellter. „Veränderungen finden statt“, sagt er nüchtern. Es sei eine schöne und lange auch erfolgreiche Zeit gewesen, die aber nun leider zu Ende gehe. Er habe die Reißleine ziehen müssen, sagt er. Es seien wirtschaftliche Gründe, weshalb er die Apotheke aufgebe. „Wir sind vom Umfeld abgehängt, die Laufwege haben sich verändert. Wir haben seit mindestens zwei Jahren deutlich rückläufige Kundenzahlen“, sagt Joos.

Angefangen habe diese Entwicklung mit der Eröffnung der Schwabengalerie. Das habe vielen der alteingesessenen Ladeninhabern zu schaffen gemacht. Seit vier Jahren steht das ehemalige Zoogeschäft Schöninger direkt neben der Apotheke leer. Spätestens seitdem befinde sich diese in einem eher unattraktiven Umfeld. Es sei der viel zitierte Trading-down-Effekt, also das Ausbluten der Geschäfte rund um den Vaihinger Markt, der auch ihn treffe. „Wir hatten immer viele Stammkunden, die uns über Wasser gehalten haben“, sagt Joos. Doch in jüngerer Zeit seien viele in ein Pflegeheim gezogen oder verstorben. Und neue Laufkundschaft gebe es eben nicht.

Die Stammkunden sind traurig

„Unsere Stammkunden, die wir noch haben, sind natürlich traurig darüber, dass wir zumachen. Aber sie verstehen meine Situation und dass so ein Laden für mich kein Zuschussgeschäft sein kann“, sagt Joos. Er habe die Apothekenschließung bereits früh kommuniziert. Seit einigen Wochen informieren auch entsprechende Schilder im Schaufenster darüber.

Ebenso wie er selbst haben sich auch Joos’ Mitarbeiter größtenteils bereits neu orientiert. „Wir sind ein sehr altes Team. Drei Kollegen sind schon rentenberechtigt. Sie haben nur weitergearbeitet, weil ihnen der Beruf so viel Spaß gemacht hat“, sagt der Apotheker. Zwei Mini-Jobber seien derweil noch auf der Suche nach einer neuen Stelle.

Für den Apotheker ist es ein kontrollierter Abschied

Alles in allem ist es für Joos ein „kontrollierter Abschied“. Ein zeitlicher Fixpunkt für die Schließung sei gewesen, dass der Mietvertrag Ende Juni dieses Jahres auslaufe. Er habe bei seinem Vermieter nicht nachgefragt, ob eine Verlängerung möglich gewesen wäre, eben weil die Apotheke nicht mehr rentabel gewesen sei. Dass in seinen Räumen zeitnah eine neue Apotheke eröffne, glaubt Axel Joos nicht. „Die Lage ist betriebswirtschaftlich einfach schwierig“, sagt er.

Welchen Einfluss der Online-Handel auf seine Umsatzahlen hatte, kann Joos nicht genau abschätzen. Nur so viel: Auch wenn die jüngere Generation grundsätzlich anders ticke, seien die Arzneimittelbestellungen im Internet für ihn weniger das Problem gewesen. Mit den Anforderungen des Regierungspräsidiums als Aufsichtsbehörde hatte Joos keine Schwierigkeiten. Zwar sei das Ausmaß der Bürokratie mit der Novellierung der Apothekenvertriebsordnung im Jahr 2012 deutlich gestiegen, er habe aber nach wie vor eine vollständig revisionsfähige Apotheke gehabt.

Die Kaltentaler Apotheke schließt aus einem anderen Grund

Das ist im Fall der Apotheke an der Schwarzwaldstraße in Kaltental anders. Auch diese muss Ende des Monats schließen (wir berichteten). Allerdings nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil die Betriebserlaubnis erlischt. Und zwar, weil „die Betriebsräume, die zur Lagerung, Prüfung und Herstellung von Arzneimitteln dienen sollten, nicht entfernt den aktuellen gesetzlichen Bestimmungen entsprachen“. Das sei bei einer routinemäßigen Überwachung gemäß Paragraf 64 des Arzneimittelgesetzes festgestellt worden, schreibt das Regierungspräsidium in einer schriftlichen Stellungnahme. Der Prüfer habe rein formal recht, sagt die Inhaberin der Apotheke Anja Ossenkop. Sie ergänzt, falls jemand die Apotheke übernehmen wolle, müsse er zunächst viel Geld reinstecken und umbauen. Denn mit einer kleineren Sanierungslösung würde sich das Regierungspräsidium nicht zufriedengeben. Ossenkop ist sauer, wie sie sagt. Sie ist sich sicher, dass es eine Lösung gegeben hätte, wenn man gemeinsam gesucht hätte.

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