Matthias Mumme hat alles da, was Heimwerker brauchen. Foto: Björn Springorum

Was gibt es noch für besondere Geschäfte in der Stuttgarter Westen? Wir waren zu Besuch bei Farben Nagel. Seit über 50 Jahren versorgt der Heimwerkermarkt die Bewohner im Westen mit allem, was man zum Werkeln so braucht.

S-West - Was ist eigentlich mit den guten alten Werbesprüchen passiert? Diesen kleinen Reime, die die Vorzüge eines Geschäfts anpreisen? Aus dem Bild der Stadt sind sie leider verschwunden. Aber nicht ganz. Bei Farben Nagel, dem Methusalem unter den Baumärkten an der Gutenbergstraße im Stuttgarter Westen, haben sie noch Hochkonjunktur. Ebenso wie einzelne Schrauben und Nägel. „Deine Mäuse kannst du sparen und brauchst nicht so weit zu fahren“ lautet der Claim des kleinen des ­Ladens.

Alles vorrätig: Baumarkt-Geheimtipp mitten im Westen

Der Spruch ist so anachronistisch wie das Geschäft selbst: Eine alte Tür statt moderner Schiebetür, enge Gänge, hohe Regale, auf den ersten Blick ein heilloses Durcheinander an Heimwerkerbedarf, Sanitärkram, Haushaltswaren, Elektronik, Deko und tausend Dingen. Was sich dort auf ein paar Quadratmetern türmt, füllt anderswo ganze Baumärkte, in denen man sich ohne Lageplan verläuft und irgendwann ausgerufen werden muss.

Herr über diese Armada an nützlichen Dingen, die man eigentlich immer mal braucht, aber nirgendwo in der Stadt bekommt, ist Matthias Mumme. Seit Dezember 2005 ist der 53-Jährige der Gebieter über die Gebrauchswaren, weiß bei seinen rund 10 000 Artikeln auf Zuruf, wo sich was befindet. Staubmasken? Da, direkt hinter ihm. Glühbirnen? Zweiter Gang links. Klodeckel? Hier entlang bitte. Farben gibt es natürlich auch. So fing schließlich alles an, vor über 50 Jahren, als der Maler Arnold Nagel mit seinem Malergeschäft aus der Vogelsang- in die Gutenbergstraße zog.

Der Fachmann fürs Heimwerken und den Haushalt

Sein Freund und Kollege Adrian Rentner hängt draußen vor dem Laden gerade Weihnachtsdeko auf. Er hat einen eigenen Claim, bei dem Namen kein Wunder: Von Geburt an Rentner. Klassiker. Im warmen Laden verrät Mumme, dass sein Verkaufsschlager seit vielen Jahren derselbe ist: Der Pömpel. „Den verkaufen wir täglich“, so Mumme. „Das liegt an den alten Rohren im Westen – und da immer viele neue Leute in den Westen ziehen, brauchen die eben einen Pömpel.“ Woanders würde man den so ohne weiteres gar nicht bekommen. „Im Grunde genommen findet man hier alles fürs Heimwerken und den Haushalt.“ Das würden viele einfach immer wieder mal vergessen, erzählt er verwundert. „Es kommen regelmäßig aufgebrachte Kunden zu mir, die sagen, ich sei ihre letzte Rettung für dieses oder jenes. Ich habe ihn natürlich.“

Ein Einkauf bei Farben Nagel spare reichlich Nerven, erklärt er: „Wenn Sie fünf verschiedene Artikel aus fünf Abteilungen brauchen, sind Sie in unter zehn Minuten wieder aus meinem Laden raus. In einem großen Baumarkt haben Sie da gerade mal geparkt und die Farben gefunden.“ Aber Moment mal, sein Laden? Geführt wird Farben Nagel nämlich heimlich von jemand ganz anderem: Hund Purzel ist zur Stelle, wenn ein Kunde den Laden betritt.

Einmal ging der Laden pleite – unter einem anderen Besitzer allerdings

Schon 1999 arbeitete Mumme als Mitarbeiter in dem Miniatur-Baumarkt, damals noch unter Herrn Nagel. Irgendwann, da war Mumme wieder weg, übernahm Claudia Ashauer das Geschäft, ging aber pleite. Mumme schüttelt den Kopf. „Da muss man sich schon anstrengen, der Laden lief doch.“ Nagel kaufte den Laden zurück, um ihn an Mumme zu verkaufen. Der wollte immer schon ein eigenes Geschäft haben. „Das habe ich gelernt, da komme ich her: Ich habe in einem Baumarkt Einzelhandelskaufmann gelernt und bin seit 35 Jahren in dieser Branche tätig.“

Die Schlangen, die sich wohl in den Sechzigern vor Farben Nagel bildeten, gibt es nicht mehr; reger Verkehr herrscht zu den Stoßzeiten dennoch. Ein wenig bekomme er einen Baumarkt in der Innenstadt zu spüren. Doch er sieht das ebenso gelassen wie die Gentrifizierung des Westens. „Manche Läden verschwinden, dafür kommen neue“, sagt er trocken.

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